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Stiftungsprofessuren : Drum prüfe, wer sich ewig bindet

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Folgen im Blick

„Je spezifischer die Festlegung, desto problematischer die Folgen“, meint Berthold deshalb. Den zweiten Stolperstein, den er ausgemacht hat, sind zu viele Spezialisierungen in einer Fakultät. „Brauche ich die fünfte Professur für Verkehrstechnik, für die ich hinterher regelmäßig Geld ausgeben muss?“, fragt er beispielhaft und rät den Fachbereichen, strategisch zu planen.

Um Folgekosten zu vermeiden, empfiehlt der Stifterverband den Förderern das angelsächsische Modell der „endowed chairs“. Darunter versteht man dauerhaft privat geförderte Lehrstühle, deren Finanzierung aus den Erträgen eines Stiftungskapitals gespeist wird. Für dieses Modell will auch die Zeppelin Universität „im Schulterschluss mit exzellenten staatlichen Stiftungsuniversitäten in den nächsten Jahren weiter werben“, wie ihr Vizepräsident sagt.

Die Krux mit dem Zins

Doch die Zinsen sind derzeit niedrig, was dieses Modell erschwert. Und selbst wenn die Zinssätze wieder steigen sollten, ist dieses Modell zwar für Hochschulen, aber nicht für jeden Stifter attraktiv, weil es eine langfristige Bindung voraussetzt.

Die Hamburger Michael Otto-Stiftung hat bisher drei unterschiedliche Lehrstühle an verschiedenen Universitäten gefördert. Die Stiftung ist mit Umweltaktivisten und Wissenschaftlern in einem Netzwerk verbunden. Eine der Professuren, die sie stiftete, war an der Universität Greifswald im interdisziplinären Studiengang Landschaftsökologie und Naturschutz eine Professur für Umweltethik.

Sie wurde mit dem Philosophieprofessor Konrad Ott besetzt. „Strikteste Wahrung der Forschungs- und Lehrfreiheit, keinerlei inhaltliche Einmischung in wissenschaftliche Angelegenheiten, volle Transparenz des Berufungsverfahrens“, zählt Ott die Bedingungen für erfolgreiche Stiftungsprofessuren auf. „Ich habe damals den Ruf angenommen, weil die Universität Greifswald eine Verstetigung der Professur zugesagt hat.“ Das ist eine notwendige Bedingung für Stiftungsprofessuren.

Zum Beispiel Klimaforschung

Ott lehrt inzwischen an der Universität Kiel. Mit Michael Otto und seiner Hamburger Stiftung unterhält er nach wie vor Kontakt. „Die Stiftungsprofessoren intensivieren das bestehende Netzwerk“, sagt Stephan Zirpel, Geschäftsleiter der Otto-Stiftung. Neben einer interdisziplinären Stiftungsprofessur in Hamburg finanziert die Michael Otto-Stiftung nun noch die Professur „Ökonomie des Klimawandels“ von Ottmar Edenhofer an der Technischen Universität Berlin. „Wir wollten wissenschaftliche Ansätze für eine ambitionierte Klimapolitik erarbeiten und haben die Stelle 2007 initiiert“, heißt es.

Zum Ende des Jahres läuft die Förderung von insgesamt einer halben Million Euro aus. Umgerechnet auf den Förderzeitraum von fünf Jahren, betrug sie 7000 Euro monatlich. Das ist zu wenig, um technologiegetriebene Forschung zu betreiben. Das weiß auch Zirpel: „Wir finanzieren den Kern aus Professor und Mindestausstattung. Daneben müssen weitere Gelder akquiriert werden.“

Nach Greifswald gelockt

Das Geld soll den Wissenschaftlern Appetit machen, ihren Forschungshunger aber nicht sättigen. Das ist das Grundmotiv für das Engagement vieler Stifter wie auch der Michael Otto-Stiftung. Zum Start gibt es eine Projektbeschreibung, in der steht, wofür das Geld ausgegeben wird. Wie der Empfänger das Ziel umsetzt, bleibt ihm überlassen. Manchmal tun sich auch mehrere Unternehmen zu einem Förderkreis zusammen. Das passiert vor allem, wenn es um Forschung geht, mit der sich anschließend Geld verdienen lässt. Das Thrombozytenlabor des Uniklinikums Greifswald ist so ein Fall. Es wird geleitet von Tamam Bakchoul.

Der Syrer hatte nach eigenen Worten nach seiner Facharztausbildung viele berufliche Optionen in Berlin, Hamburg oder in den Vereinigten Staaten. Jetzt ist er Stiftungsjuniorprofessor in Greifswald. Im Falle einer positiven Evaluierung wird die Stelle in vier Jahren als reguläre Professur ausgeschrieben. „Die Forschungsbedingungen sind hier ausgezeichnet und die Perspektiven in der Transfusionsmedizin attraktiv“, sagt Bakchoul. Das Geld dafür stammt von mehreren Unternehmen, es wird von der Förderergesellschaft der der Universität verwaltet. „Ich hätte die Stelle aber nicht angenommen, wäre nur ein einziges pharmazeutisches Unternehmen dafür verantwortlich“, so Bakchoul.

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