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Start-ups : Wir brauchen mehr Anreize für Talente

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Auch für Start-ups ist es eine Herausforderung qualifizierte Arbeiter zu finden. Bild: dpa

Start-ups sehen Talente und nicht Kapital als größten Engpass. In einem offenen Brief an Entscheidungsträger fordern Gründer jetzt mehr Unterstüzung und bessere rechtliche Rahmenbedingungen.

          In Europa wächst die Start-up-Branche; selten war der Technologie-Sektor so stark. Doch nun scheint auch dieser Bereich mehr und mehr mit dem Problem konfrontiert, über das sich mittlerweile Arbeitgeber in ganz Deutschland beklagen: Das geeignete Personal wird knapp. So groß ist die Sorge der Branche, nicht mehr genug Talente zu finden, dass nun 30 Gründer und Vorstandsvorsitzende von Jungunternehmen in einem offenen Brief Entscheidungsträger dazu auffordern, mehr Anreize zu setzen. Unter den Unterzeichnern sind zum Beispiel die Gründer von BlaBlaCar, Cabify und Hello Fresh.

          Mehr als 100.000 Mitarbeiter wollen Start-ups im nächsten Jahr beschäftigen, das sei eine große Herausforderung und verlange auch mehr Engagement von politischer Seite. Eine innovative Start-up Szene führe zu Arbeitsplätzen, Fortschritt und Wachstum. Untätigkeit könne zur Abwanderung von Fachkräften und zu einem gebremsten Wachstum führen.

          Konkret fordern die Gründer vor allem eine Reform der Regelung zur Mitarbeiterbeteiligung. Bisher seien die Vorschriften dazu „lückenhaft, widersprüchlich und oftmals sanktionierend“.

          Mitarbeiterbeteiligung ist in Start-ups, die in Sachen Gehalt nicht mit großen Konzernen mithalten können, ein beliebter Köder für qualifizierte Kräfte. Statt höherem Gehalt bieten sie Mitarbeitern Anteile und machen sie zu Gesellschaftern. Dieses System zahlt sich vor allem dann aus, wenn das Start-up erfolgreich wird, denn dann bekommen die Unternehmer Anteile der Gewinne. Verlässt ein Mitarbeiter dass Start-up werden die Anteile, meist zurückgekauft.

          Mitarbeiterbeteiligung bisher kompliziert

          In den Vereinigten Staaten gibt es solche Mitarbeiterbeteiligungen recht häufig, in Europa dagegen ist der rechtliche Rahmen dafür eher unübersichtlich. Es gibt verschiedene Modelle, die sich sowohl in ihrer Komplexität, als auch in ihrer rechtlichen Ausgestaltung deutlich unterscheiden. Die steuerrechtlichen Bedingungen unterscheiden sich zu dem Thema innerhalb der europäischen Länder sehr. In manchen Ländern, zum Beispiel in Estland, gibt es ähnliche Möglichkeiten wie in den Vereingten Staaten. In Deutschland, Spanien oder Belgien hingegen ist die Situation besonders komplex.

          Hier fordern die Start-ups jetzt Verbesserungen. Sie wünschen sich ein übersichtliches Beteilgungssystem und weniger Unsicherheit im Bezug auf Steuern.

          Vor allem in Deutschland erforden reale Anteile bisher regelmäßig aufwendige gesellschaftsrechtliche Prozesse und sind häufig mit hohen Folgekosten verknüpft. Auch steuerlich sind sie für die Mitarbeiter wenig attrakiv. Es gibt allerdings auch Modelle, die mit virtuellen Anteilen arbeiten.

          Es sei deshalb „dringend erforderlich, Start-up-freundliche Mitarbeiterbeteiligungsmodelle zu schaffen, die dem Technologie-Sektor – Europas Hauptmotor für Wachstum, Innovation und Beschäftigung – zu einer erfolgreichen Entwicklung auf dem weltweiten Arbeitsmarkt verhelfen“, heißt es dazu in dem Brief, der am 7. Januar an Entscheidungsträger in ganz Europa verschickt werden soll.

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