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Sozialleistungen : Geld oder Urlaub?

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Das Budget lieber in einen Winterurlaub oder in die Altersvorsorge stecken? Bild: dapd

Um für Mitarbeiter attraktiv zu sein, lassen sich Betriebe manches einfallen. Die Wiesbadener Volksbank bietet Sozialleistungen zum Selbstauswählen.

          Die Kantine hat die Wiesbadener Volksbank vor zehn Jahren abgeschafft. Für 40 Leute, die dort mittags essen gingen, ein eigenes Restaurant zu betreiben, habe sich nicht gelohnt, sagt Peter Offermanns, Leiter der Abteilung Personal und Recht. Die übrigen gut 250 Mitarbeiter, die in der Zentrale am Wiesbadener Schillerplatz arbeiten, seien mittags lieber in die Fußgängerzone gegangen, hätten dort gegessen oder eingekauft.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch nicht nur das Betriebsrestaurant haben die Kreditgenossen in der Landeshauptstadt damals geschlossen. Der ganze Katalog an Sozialleistungen, der über die Jahrzehnte zusammengekommen war, wurde entrümpelt. "Viele Leistungen aus den siebziger und achtziger Jahren waren einfach nicht mehr zeitgemäß und passten nicht mehr zur Lebenssituation der Mitarbeiter", erinnert sich Offermanns.

          Auswählen wie am Buffet

          Heraus kam ein neues System, das im Haus nun Cafeteria genannt wird. Jeder Mitarbeiter bekommt jährlich ein bestimmtes Budget zusätzlich zu seinem Gehalt und kann wie am Buffet auswählen, was er sich davon leisten will. Fünf Module gibt es zur Auswahl: Zuschüsse zur Altersvorsorge, zur Kinderbetreuung oder zu den Fahrtkosten mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie maximal drei zusätzliche Urlaubstage oder die Barauszahlung des Budgets. Auch kombinieren ist möglich: Wenn jemand zum Beispiel nur einen Urlaubstag mehr haben möchte, bekommt er das restliche Geld bar ausgezahlt.

          Der Großteil, etwa 40 Prozent, der Mitarbeiter haben sich laut Offermanns für die Altersvorsorge entschieden. Rechnerisch machen sie damit auch das meiste aus ihrem Budget, denn bei diesem Modul legt die Bank noch einmal 25 Prozent drauf, Steuern und Sozialversicherungen müssen darauf nicht gezahlt werden. Auch beim Kindergartenzuschuss fallen die Abgaben weg, die Pauschalsteuer, die laut Offermanns beim Fahrkostenzuschuss anfällt, übernimmt die Bank. Wer sich das Geld bar auszahlen lässt, muss es hingegen versteuern.

          Die Höhe des Budgets richtet sich nach der Tarifgruppe, in der der jeweilige Mitarbeiter ist, und der Betriebszugehörigkeit. Die Spanne reicht von 512 bis 870 Euro im Jahr. Den Auszubildenden steht ein Budget von 180 Euro zur Verfügung.

          Die Budgetlösung ist attraktiv und spart Verwaltungskosten

          Wenn Kandidaten in Bewerbungsgesprächen von dem System hörten, komme das gut an, sagt Offermanns. Es sei durchaus zu beobachten, dass Bewerber verstärkt nach den zusätzlichen Sozialleistungen fragten. Aber auch die Mitarbeiter, die schon länger im Haus arbeiteten, hätten positiv auf die Umstellung auf das Cafeteria-System reagiert, weil es ihnen größere Freiheiten biete.

          Für die Personalabteilung habe sich der administrative Aufwand durch die klare Budgetierung deutlich verringert. Ansonsten sei es aber nicht so, dass die Volksbank durch die Umstellung auf das neue System Geld spare oder ihren Mitarbeitern nun weniger biete, sagt Offermanns. Für jede Sozialleistung sei der Gegenwert in Geld und daraus das benötigte Budget der Mitarbeiter errechnet worden.

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