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IT-Sicherheit : Ran an die Daten-Lecks

Unscheinbar, aber schwer begehrt: der kleine, schwarze Router von Lancom Bild: REUTERS

Einarbeiten in Echtzeit: Wie der kleine IT-Sicherheitsspezialist Lancom im Kampf um hochqualifiziertes Personal mithält.

          Ralf Koenzen hatte Bedenken. Die NSA-Debatte drehte in den Medien ihre Runden, seine Kunden sprachen viel und oft von der Sicherheit, sahen ihre Telefone abgehört und ihre Computer ausspioniert, Netzwerke galten plötzlich als Risiko, und Koenzen wollte ein neues Internetgerät auf den Markt bringen. Seine Herstellung war eine jahrelange Kleinstarbeit: Hard- und Software, Netzwerk- und Verschlüsselungstechnik. Nun war es fertig, und Koenzen hatte einiges vor.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die kleine schwarze Box stand vor ihm auf dem Schreibtisch in seinem Büro am Stadtrand von Aachen. Sie kann den gesamten Verkehr von Daten durch das Internet lenken und leiten. In der Branche spricht man auch von einem Router. Viele der kleinen unscheinbaren Kisten von den großen Konkurrenten in Übersee gelten als erhebliches Sicherheitsrisiko. Hacker können sie leicht knacken. Die Box von Koenzen gilt als sicher - jedenfalls so sicher, wie sie nur sein kann.

          40.000 Stellen unbesetzt

          Das hat er sich vom zuständigen Bundesamt in Bonn nach monatelangen Tests bescheinigen und zertifizieren lassen. Ein Gütesiegel mit Kaufkraft. Der Kasten sollte nun auf den Markt kommen und seiner Firma Lancom Systems einen kräftigen Wachstumsschub geben. Das Unternehmen hatte in der Branche bereits einen guten Ruf. Koenzen machte seine Expansionspläne. Für die anvisierten Ziele fehlte ihm nur eins: zusätzliche Mitarbeiter. Er hatte ein Problem.

          Kann die IT-Branche in Deutschland doch derzeit Zehntausende Stellen nicht besetzen. Dieter Kempf, der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, beziffert die Zahl der offenen IT-Arbeitsplätze auf knapp 40.000. Er nennt das eine ernsthafte gesellschaftliche Herausforderung. Die IKT-Branche hatte in den vergangenen zehn Jahren schon stark aufgerüstet, rund 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigt in Deutschland derzeit fast 920.000 Menschen. Programmierer, Elektrotechniker, Spezialisten für Bits und Bytes. Damit ist sie hinter Maschinen- und Autobau die drittgrößte Industriebranche des Landes.

          Kein Wunder: Ohne IT geht nichts mehr. „Eine klassische Querschnittsindustrie“, sagte Karl-Heinz Streibich von der Software AG aus Darmstadt. „Wir brauchen Leute, Leute, Leute“, klagt Vishal Sikka, Entwicklungschef von SAP. In der Branche tobt der Kampf um die besten Talente. Von Siemens bis Merck, von Bayer bis zur Deutschen Bank suchen hierzulande Tausende Unternehmen händeringend Fachkräfte für ihre technischen Abteilungen. Programmierer und Spezialisten für das Internet sind heiß begehrt.

          Im Mittelstands gehts gleich zur Sache

          Ralf Koenzen von der kleinen Lancom Systems hatte einen Einstellungsplan für 35 neue Mitarbeiter: Produktentwickler, Wartungsspezialisten, Informatiker, Programmierer, Elektrotechniker. „Damit kämen wir auf insgesamt rund 200 Beschäftigte“, sagt er. Doch er sah schon etwas schwarz. Schließlich können die weltweit arbeitenden deutschen Konzerne ihre Bewerber mit detaillierten Karriereplänen und langjährigen lukrativen Aufenthalten im Ausland ködern. SAP hat ein riesiges Labor im indischen Bangalore und im kalifornischen Silicon Valley; Bayer und BASF sind quasi auf allen Kontinenten tätig; die Autobauer Daimler, BMW und Volkswagen haben IT-Abteilungen von der Größe kleiner Konzerne. Lancom ist, verglichen damit, nur eine kleine Nummer. David gegen Goliath. Doch Koenzen hatte vorgebaut. „Im Wettbewerb um gute Köpfe und talentierte Ingenieure hat ein Mittelständler wie wir es natürlich erst einmal schwer, mit den ganz Großen mitzuhalten. Also muss man sich früh Gedanken machen, wie man an genau die Fachkräfte rankommt, die man in absehbarer Zeit braucht“, sagt Koenzen. Er machte sich frühzeitig erst Gedanken und handelte dann.

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