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Serie: „Anders Arbeiten“ : Du, Chef

Wie benimmt man sich rund um den Chefsessel? Bild: © Pete Leonard/zefa/Corbis

Im Büro lauern viele Gefahren. Wie frech dürfen Mails sein? Darf ich den Chef duzen? Und sind Sneakers eigentlich erlaubt? Ein Leitfaden.

          Allerorts macht sich schlechtes Benehmen breit, scheint es. Wer seine Ellenbogen ausfährt, macht am schnellsten Karriere. Der Büro-Rowdy ist unter Kollegen aber nicht gerne gesehen. Höflichkeit, Rücksicht und Distanz sollten gewahrt werden. In Zeiten flacher Hierarchien keine leichte Aufgabe. Wer sich zu schick kleidet, gilt als arrogant, wer zu distanziert wirkt, der erscheint nicht als Teamplayer. Ein paar einfache Regeln erleichtern den korrekten Auftritt im Büro.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ein bisschen Schick muss sein

          Das erste Fettnäpfchen lauert am Morgen im Kleiderschrank. „In vielen Unternehmen hat ein legerer Kleidungsstil Einzug gehalten“, beobachtet Corinna Sponer-Kessinger von der Karriereberatung Rundstedt. Dass weibliche Angestellte Wechselschuhe in die Handtasche packen, weil sie mit den hochhackigen Büroschuhen kein Auto fahren können, ist ebenso aus der Mode wie die Krawatte beim Mann. Jeans lassen sich gut mit Sneakers und Blazer kombinieren, ohne einen allzu lockeren Eindruck zu machen. Auch knallige Farben sind nicht mehr verpönt – in Maßen. Das gilt auch für die Lockerheit: Einen schluffigen Kleidungsstil muss man sich verdienen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg trägt stets sein ewiggraues Kurzarmshirt. „Ich kann es mir leisten“, soll der Look vermitteln. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche verzichtet auf die Krawatte und trägt Sneakers zum Anzug.

          Für die Büroarbeit, die den Kontakt zu Kunden erfordert, gelten meist striktere Regeln: Bei Finanzdienstleistern wird noch immer der klassische Business-Look gefordert. Das heißt: Anzug oder Kostüm in gedeckten Farben, Strumpfhosen und geschlossene Schuhe. Dass Frauen eine Mindestabsatzhöhe vorgeschrieben wird, ist aber auch hier Geschichte. Immer mehr Betriebe haben zudem einen Casual Day eingeführt, an dem die Angestellten anziehen können, worin sie sich am wohlsten fühlen.

          Wer neu ins Unternehmen kommt, sollte sich lieber eine Nuance zu schick kleiden, gerade beim Vorstellungsgespräch. Das signalisiert dem neuen Arbeitgeber Engagement. Allerdings gilt es in vielen Büros noch heute als untragbar, wenn die Angestellten besser gekleidet sind als der Chef. Das zu verhindern liegt im Zweifel in der Hand des Vorgesetzten bei der Wahl seiner Kleidung.

          Duzen ohne Absprache

          Immer weniger Vorgesetzte siezen ihre Angestellten. Auch unter Kollegen wird das Du immer gebräuchlicher. Selbst kleinere Betriebe sind im Zuge der Globalisierung internationaler geworden, vieles im Tagesgeschäft läuft auf Englisch. Dort kennt man bekanntlich den Unterschied zwischen Du und Sie nicht. Auch die in Unternehmen wegen der vielbeschworenen „Synergieeffekte“ beliebten Großraumbüros sorgen für mehr Nähe. Das spiegelt sich auch im Umgang wider. Wer sich unsicher ist, sollte sein Gegenüber lieber siezen. Der Kollege kann dann die Gelegenheit ergreifen und das Du anbieten. Der Ältere oder Ranghöhere ist dabei am Zug. Nicht immer muss es eine förmliche Einladung sein. Es reicht, wenn der Ältere zu Vornamen und Du übergeht. Dann darf getrost zurückgeduzt werden.

          Der Chef sollte sich wiederum überlegen, wen er duzt. Grundsätzlich untergräbt es nicht seine Autorität, wenn die Mitarbeiter ihn duzen. „Wenn man sicher ist, dass der andere die kollegiale Distanz wahrt, ist dem Duzen nichts entgegenzusetzen“, erklärt Karriereberaterin Sponer-Kessinger. Allerdings muss niemand das Angebot annehmen. Ein höflicher Hinweis genügt, in etwa: „Vielen Dank für das Angebot, aber ich würde gerne beim Sie bleiben.“

          Lieber ein Gruß zu viel

          In kleineren Betrieben mit wenigen Angestellten, die auf engstem Raum zusammenarbeiten, mag das anders sein, doch grundsätzlich gilt: Lieber einmal zu viel gegrüßt als zu wenig. Selbst wenn man den Kollegen zum dritten Mal am Tag auf dem Gang trifft, schadet ein unverbindliches „Guten Morgen“ oder „Hallo“ nicht.

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