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Recruiting in sozialen Netzwerken : Hauptsache mal was gepostet

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In vielen Fällen gilt die Devise: Dabei sein ist alles Bild: Cyprian Koscielniak

Personalsuche, Marketing, Kundendialog: Unternehmen setzen vermehrt auf soziale Netzwerke. Doch nicht immer steckt auch eine Strategie hinter den Auftritten.

          Social Media könnte so einfach sein. Man lässt das Büffeln für die Abiturprüfung mal eben Büffeln sein und surft lieber gedankenverloren bei Facebook vor sich hin. Man schaut mal, was die Freunde so treiben, sieht, dass es denen in ihrer Arbeitswelt ja so viel besser geht als einem selbst - immer frisch aufgebrühter Kaffee auf dem Gang, große Fenster am Arbeitsplatz, moderne Monitore auf dem Schreibtisch und - na klar, bewirbt sich augenblicklich für eine Ausbildung in deren Firma. So ungefähr stellt sich die Hypo-Vereinsbank das vor. Seit fast einem Jahr sind fünf Auszubildende unter dem sperrigen Namen „HVB First Contact“ mit einer Fanseite auf Facebook vertreten, mit der sie, im günstigsten Falle, künftige Auszubildende, die von ihrem Glück noch nichts ahnen, anlocken sollen. „Nicht-Jobsucher“, wie sie von der Bank bezeichnet werden. Klappt die Rekrutierung nicht, soll die Seite immer noch Werbung für die Bank sein - immerhin hat sie mehr als 600 Fans. Aber hier fangen die Probleme schon an. Die Seite strotzt vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern, die Inhalte sind nicht eben gehaltvoll: die Speisekarte aus der Kantine, das aktuelle Wetter in Bayern, ein Gedicht in Mundart zum Nikolaus.

          Blecherne Computermusik und Comicgrafiken

          Die Seite spiegelt den Trend. Immer mehr Unternehmen in Deutschland verstärken ihre Aktivitäten in den sozialen Netzwerken. Dabei sein ist dabei häufig schon alles. Laut Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hat mittlerweile jedes zehnte deutsche Unternehmen einen Social-Media-Beauftragten, allerdings hat immer noch weniger als die Hälfte aller Unternehmen auch eine Strategie für ihren Auftritt.

          Die Frage stellt sich, was sich Unternehmen überhaupt von den Aktivitäten versprechen: ein besseres Markenimage, mehr Erfolge auf der Personalsuche, eine verbesserte Kommunikation mit dem Verbraucher, die Akquise neuer Kunden, oder alles zusammen? „Unternehmen zeigen sich eher überlegt und zögerlich“, sagt Adrian Weinhold vom Personaldienstleister Kelly Services. „Ich finde diese Haltung auch nachvollziehbar. Denn wenn ein Unternehmen den Entschluss gefasst hat, in die Arena Social Media zu treten, dann auch richtig. Mit sporadischen Einzelaktionen kommt man nicht weit.“

          Die mittlerweile nicht mehr ersten, aber vielleicht zweiten Gehversuche der Unternehmen in den sozialen Netzwerken wirken häufig noch immer hölzern. Der Kanal „Unicredit Career“ auf Youtube etwa bietet möglichen Bewerbern des Kreditinstituts interessante Einblicke in die Unternehmenswelt und verrät ihnen, was sie künftig erwarten könnte. Aber die blecherne Computermusik, die unter die Amateuraufnahmen gelegt ist, verbunden mit in die Bilder geschnittenen Comicgrafiken wie etwa die bunte Sprechblase „Ihr Arbeitsplatz?“ am Fenster eines Bürogebäudes wirken eher wie das Ergebnis der Projektwoche einer Gesamtschule als wie der offizielle Auftritt eines weltweit tätigen Finanzinstituts.

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