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Ziele oft verfehlt : Extras für Mitarbeiter unflexibel und veraltet

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Auch Fitness kann ein Extra für Mitarbeiter sein: Das Fitnessstudio der Mainova in Frankfurt. Bild: Maria Irl

Firmenwagen, Betriebsrente, persönlicher Coach: Mit betrieblichen Zusatzleistungen locken Unternehmen Fachkräfte an. Doch die meisten Angebote sind unstrukturiert und gehen am Bedarf der Mitarbeiter vorbei.

          Zusatzleistungen für Mitarbeiter sind meist nicht an deren Bedürfnisse angepasst – dadurch verlieren deutsche Unternehmen unnötig Geld. Bei einer repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung Towers Watson machten 145 Unternehmen Angaben zu ihren Zusatzleistungen. Das Ergebnis zeigt: Ein Großteil der Betriebe hat Reformen dringend nötig.

          Vom Firmenwagen über die betriebliche Altersvorsorge bis hin zum persönlichen Coach: Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern verschiedenste Extras an, um den Betrieb für Bewerber attraktiv zu machen, sie langfristig an das Unternehmen zu binden und für die Zufriedenheit der Belegschaft zu sorgen. Im Wettstreit um qualifizierte Fachkräfte schaffen sich Arbeitgeber auf diese Weise unabhängig von der Gehaltszahlung Vorteile. Zudem profitieren die Betriebe durch Gruppenkonditionen und Steuervorteile  von den Angeboten.

          Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Leistungen an die Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst sind, damit diese die Angebote auch nutzen. Und genau daran hapert es gewaltig: Nur drei Prozent der Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern an, zwischen verschiedenen Angeboten zu wählen, die Regel sind Gesamtpakete. Das sei besonders gravierend, da persönliche Vorlieben, Alter, Familienstand und Karrierestufe eine individuelle Anpassung der Zusatzleistungen erforderten. Doch selbst bei der betrieblichen Altersvorsorge, der häufigsten Zusatzleistung, haben 80 Prozent der Tarifmitarbeiter keine Möglichkeit, flexibel zu wählen. Mehr Möglichkeit zur Mitgestaltung hätten nur außertarifliche Mitarbeiter und Führungskräfte, so die Studie. Besonders ineffizient seien Einheitspakete bei den sogenannten Risikoleistungen, die 30 Prozent des Gesamtwertes von Pensionsplänen darstellen. „Eine Hinterbliebenenabsicherung ist beispielsweise für einen Ledigen wertlos“, sagt Thomas Jasper von Towers Watson.

          Lieber Fitnessstudio oder Ernährungsberatung?

          Ein Lösungsvorschlag der Unternehmensberatung: Nicht mehr so viele verschiedene Angebote machen, sondern sich für einige wenige, aber wichtige entscheiden. Die Mitarbeiter sollten dann selbst wählen können, was sie in Anspruch nehmen wollen. Das biete sich auch im Gesundheitsmanagement an. Am weitesten verbreitet sind Fitnessangebote, Impfungen und Ernährungsberatungen. Über die Hälfte der Unternehmen bieten auch Rückenschulen und Burnout-Präventionen an, 37 Prozent der Betriebe stellen ein individuelles Gesundheitscoaching zur Verfügung. Besonders bei der Gesundheitsförderung wüssten die Mitarbeiter selbst am besten, was sie benötigten.

          Bei der aktuellen Unübersichtlichkeit der Leistungen ist eine individuelle Wahl jedoch gar nicht so einfach. Die Hälfte der Unternehmen können nicht einmal den eigenen jährlichen Wert für Zusatzleistungen nennen und bewerten ihr System nicht regelmäßig. Unter diesen Bedingungen fällt es schwer, den Mitarbeitern den Mehrwert der Zusatzleistungen zu vermitteln. So sind für eine umfassende Information mobile Angebote am besten geeignet. Dennoch nutzen nur 16 Prozent der Firmen das Internet und nur zwei Prozent Apps, um ihre Belegschaft aufzuklären.

          Im Trend liegen Zeitwertkonten oder Sabbatjahre: Arbeitsmodelle, die eine längere Auszeit ermöglichen oder Arbeitnehmer die letzten Jahre vor dem Ruhestand flexibel gestalten lassen. Sabbatjahre werden mittlerweile von einem Viertel der befragten Unternehmen angeboten. Diese Zusatzleistungen seien nicht nur für Mitarbeiter interessant, die viel Wert auf Flexibilität legten. Auch die Unternehmen könnten durch längerfristige Freistellungen die Altersstruktur der Belegschaft beeinflussen. Zusatzleistungen seien für beide Seiten profitabel, so Towers Watson. Es müsse jedoch gelingen, das Angebot der Nachfrage anzupassen.

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