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Zufriedenheit im Beruf : Die kleine Revolution der Angestellten

  • -Aktualisiert am

Ständig erreichbar für den Chef: Zumindest rechtlich zählt das alles zur Arbeitszeit Bild: © Mike Kemp/Blend Images/Corbis

Im neuen Jahr soll alles anders werden. Doch es bedarf nicht immer großer Veränderungen, um die Zufriedenheit im Beruf zu steigern. Ein Blick ins Arbeitsrecht hilft auch schon weiter.

          Je später der Abend, desto größer die Vorsätze. „Im nächsten Jahr muss ich unbedingt weniger arbeiten“, ruft die hochgewachsene Frau im dunklen Kostüm im Weinlokal. Ihr Glas tanzt in der Luft, die andere Hand klatscht zur Bestätigung beherzt auf den Holztisch. Vielleicht wechselt sie einfach ihren Job, damit sie sich nicht mehr die Nächte in der Beratungsfirma um die Ohren schlagen muss. Ständig diese E-Mails vom Chef, der Kunde ist immer der König, nur sie ist stets die Dumme. Und das bei diesem mageren Gehalt, weit unter dem eines x-beliebigen Sparkassendirektors. Eine eigene Boutique wäre doch schön oder noch besser ein eigenes Café. Backen mochte sie schließlich schon immer.

          Das waren Pläne aus dem vergangenen Jahr, ausgeheckt in weinseliger Laune. 2013 ist von diesen Träumen nicht mehr viel übrig, der Geist des Neuanfangs wieder verschwunden. Dann heißt es, sich mit dem Vorhandenen zu arrangieren - und das funktioniert noch ein bisschen besser, wenn man mit der aktuellen Arbeitsrechtslage vertraut ist. Denn manchmal können Arbeitnehmer schon etwas verbessern, indem sie an kleinen Stellschrauben drehen, ohne gleich eine große Revolution anzuzetteln. Wir zeigen, wie es geht.

          Weniger Überstunden

          Das drängendste Problem sind für viele die Überstunden: Die Deutschen machen davon jährlich etwa 1,4 Milliarden, wie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer Studie herausfand - das entspricht 2,9 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Arbeitsvolumens. Dabei offeriert die aktuelle Rechtslage Arbeitnehmern in Deutschland schon mehr, als viele zu hoffen wagen. Denn wer weiß schon, dass das geltende Arbeitszeitgesetz nur einen Arbeitstag von maximal zehn Stunden vorsieht, mit einer mindestens elfstündigen Pause zwischen zwei Tagen?

          Allerdings verschwimmen Arbeitszeit und Freizeit immer mehr, besonders durch den Einsatz von Blackberry & Co. Wenn Arbeitnehmer pausenlos mit ihren Smartphones die Wünsche ihrer Vorgesetzten parieren, zählt das zur Arbeitszeit, egal ob diese am Schreibtisch im Büro oder vom heimischen Sofa aus geschieht. Die Pflicht zur ständigen Erreichbarkeit ist dabei alles andere als selbstverständlich, auch wenn die Vorgesetzten gerne so tun. Im Gegenteil: Der Chef muss sie schon ausdrücklich anordnen, bevor er einen Verstoß dagegen sanktionieren kann. Doch davor hüten sich viele Arbeitgeber - und das aus gutem Grund. Schließlich würden sie damit fast schon automatisch in Konflikt mit dem Arbeitszeitgesetz geraten. Wer von seinen Mitarbeitern verlangt, dass sie noch spät am Abend E-Mails bearbeiten oder gar an Telefonkonferenzen mit Übersee teilnehmen, kann nicht darauf pochen, dass die Mannschaft um 9 Uhr wieder auf der Matte steht.

          Da ist es einfacher, den unermüdlichen Dienst am Handy stillschweigend einzufordern. Zugegeben: Sich dem zu widersetzen ist schwer, aber man muss dem Arbeitgeber den Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz auch nicht so einfach wie möglich machen. Ein Betriebsrat kann in solchen Fällen weiterhelfen - oder auch der Wunsch der Beschäftigten, die Nutzung des Smartphones klar und eindeutig regeln zu lassen. Einige Unternehmen sind inzwischen dazu übergegangen, ihren Mitarbeitern am Abend und an den Wochenenden eine Smartphone-freie Zeit zu gönnen.

          Stressfrei zur Arbeit

          Eine der wichtigsten Stellschrauben ist der Weg zur Arbeit, Tag für Tag. Der Stau auf der Autobahn, der Streik der S-Bahn - wenn die ganze Planung zusammenbricht, sorgt das für Stress. Die Rechtslage ist da erst einmal unerbittlich: Wenn der öffentliche Nahverkehr durch Streiks stillgelegt wird, müssen Arbeitnehmer trotzdem rechtzeitig zur Arbeit erscheinen, sagt die Arbeitsrechtlerin Kerstin Neighbour von der internationalen Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells. Sonst können sie - abhängig von den Umständen des Einzelfalls - abgemahnt werden und riskieren im Wiederholungsfall sogar eine Kündigung. Unangenehm auch: Theoretisch kann der Arbeitgeber die Verspätungszeit vom Gehalt abziehen. Gerade bei unerwarteten Streiks im öffentlichen Nahverkehr zeigen Arbeitgeber in der Praxis zwar Verständnis, rein rechtlich stellt ein Streik jedoch keinen Entschuldigungsgrund für ein verspätetes Eintreffen am Arbeitsplatz dar.

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