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Wo Absolventen arbeiten wollen : Autos hui, Berater pfui!

Viele Absolventen träumen von einem Job bei Google Bild: dapd

Europas Jugend studiert im Zeichen der Krise. Welche Arbeitgeber stehen in der Gunst der Absolventen oben? Und wer hat kaum noch etwas zu melden? Die größte Befragung auf dem Kontinent gibt Antworten.

          Es sind rund sieben Jahre vergangen seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise, und während die Konjunktur und der Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten mittlerweile auf Erholungskurs fahren, geht es in Europa allenfalls in sehr kleinen Schritten aus dem tiefen Tal heraus. Das hat das Gefühl einer ganzen Generation geprägt, die in dieser Zeit auf völlig darniederliegende Arbeitsmärkte gespült wurde oder sich an der Universität auf das spätere Berufsleben vorbereitet.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          „Sicherheit geht ganz klar vor“, lautet das Fazit aus der größten Studentenumfrage in Europa, die das Trendence-Institut durchführt und deren jüngste Ergebnisse der F.A.Z. vorliegen. Denn die Hälfte der angehenden Wirtschaftswissenschaftler glaubt, dass es schwierig werden wird, 2015 einen Arbeitsplatz zu finden, unter den Technikern sind es immerhin 43 Prozent. Am optimistischsten blicken die Studierenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) in die Zukunft, am pessimistischsten die Südeuropäer. Im Vergleich zur DACH-Region machen sich doppelt so viele südeuropäische BWL-Studenten Sorgen. Bei den Ingenieuren fast dreimal so viele.

          Deshalb streben rund 83 Prozent der europäischen Studierenden nach einer unbefristeten Anstellung. Aber es gibt große Unterschiede zwischen den Ländern. Während die jungen Franzosen mit fast 93 Prozent das größte Sicherheitsempfinden verspüren, fällt der Anteil in den südeuropäischen Krisenländern Portugal (57), Griechenland (65) und Italien (69) deutlich niedriger aus. „Je unsicherer die Arbeitsmarktlage in einem Land ist, desto flexibler sind die jungen Leute“, bewertet Jörn Klick von Trendence die Ergebnisse. In Deutschland, wo die Beschäftigung anders als in vielen anderen Ländern von einem Rekordhoch zum nächsten jagt, wissen die Absolventen dagegen um ihren Marktwert, und 87 Prozent machen deshalb auch einen unbefristeten Arbeitsplatz zur Einstellungsvoraussetzung. Für Jörn Klick ergibt sich daraus für hiesige Unternehmen, die kein ausgebildetes Personal finden, eine Chance: „Absolventen aus Krisenländern sind gut ausgebildet und flexibel.“ Arbeitgeber sollten deshalb auch jenseits der Landesgrenzen nach passenden Kandidaten suchen.

          Google bleibt unangefochten an der Spitze

          Für das Absolventen-Barometer wurden in den vergangenen Monaten rund 300.000 abschlussnahe Betriebswirte und Ingenieure von mehr als 900 Universitäten in 24 europäischen Ländern befragt. Kernbestandteil der jährlich durchgeführten Erhebung sind die Angaben zu den Wunscharbeitgebern. Anders als in den Vorjahren kamen diesmal aber nur Unternehmen in die Wertung, die in mindestens zwei Ländern vertreten waren. Dadurch verringerten sich die Umfänge der Listen von einst jeweils 500 auf nun 100 Namen. Auch wenn dadurch die Vergleichbarkeit im Jahresvergleich etwas eingeschränkt ist, hat sich die Aussagekraft insgesamt eher erhöht.

          An der Reihenfolge an der Spitze hat sich ohnehin kaum etwas verändert. Unangefochtener Spitzenreiter unter den Wunscharbeitgebern in Europa bleibt der Internet- und Technologiekonzern Google. Dabei führen die Amerikaner aus Mountain View nicht nur das Klassement bei den Ingenieuren an, wie zu erwarten wäre. Auch in der Gunst von Jungmanagern sind sie nicht zu schlagen. Frank Kohl-Boas, der für große Teile des Personalgeschäfts von Google verantwortlich ist, vermutet hinter dem Erfolg der Arbeitgebermarke die attraktive Vorstellung, am digitalen Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft mitarbeiten zu können – ob als Programmierer oder Berater.

          Auch deutsche Automobilhersteller schneiden in der Beurteilung hervorragend ab. Volkswagen belegt in beiden Kategorien Platz zwei, BMW Rang vier. Mit Daimler, Siemens, Bosch, Bayer und BASF schafften es gleich fünf weitere deutsche Konzerne in die Top 20 der Ingenieure. Um die Beliebtheit unter den Betriebswirten liefern sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ein Kopf-an-Kopf-Rennen: EY, PWC, KPMG und Deloitte liegen geschlossen auf den Plätzen 5 bis 8. „So ein enges Ergebnis gab es noch nie“, sagt Jörn Klick. Gleichzeitig verlieren die Beratungen an Zuspruch, keine schaffte es in die Top 20. BCG landet auf Rang 22, McKinsey auf Rang 24.

          Auch wenn die Spitzenplätze fehlen, ist unter den europäischen Wirtschaftsstudierenden der Banken- und Finanzsektor insgesamt die beliebteste Branche. Die fünf beliebtesten Geldinstitute sind die Europäische Zentralbank (20), Goldman Sachs (25), JPMorgan Chase (26), die Deutsche Bank (28) und Uni-Credit (29).

          Persönliche Entwicklung ist wichtig

          Folgende Leistungen müssen Arbeitgeber laut der Umfrage mitbringen, um bei den europäischen Absolventen egal in welcher Kategorie zu punkten: die Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung, gute Karrierechancen, attraktive Arbeitsaufgaben und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern.

          Insgesamt wollen Europas Studierende weniger arbeiten, verlangen aber auch weniger Gehalt – und das nicht nur im europäischen Schnitt, sondern fast durchweg in allen Ländern: Wirtschaftswissenschaftler erwarten ein Anfangsgehalt von 23.500 Euro brutto je Jahr bei 42,8 Arbeitsstunden in der Woche. Im vergangenen Jahr waren es noch 27.600 Euro für 43,7 Stunden gewesen. Die Techniker wollen 25.900 Euro Gehalt für 42,1 Arbeitsstunden (2014: 28.100 Euro, 42,6 Stunden).

          „Die Gehaltsschere geht in Europa immer stärker auseinander“, beobachtet Jörn Klick. Während sich ein bulgarischer Betriebswirt beispielsweise schon mit 6400 Euro im Jahr zufriedengibt, müssen es für einen Schweizer umgerechnet schon mehr als 67.000 Euro und damit zehnmal so viel sein. In Deutschland liegt die Einstiegserwartung bei 44.000 Euro. Jungingenieure liegen mit 47.100 Euro ebenfalls in der erweiterten Spitzengruppe, der Zuwachs von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr fällt aber recht moderat aus. Auch hier liegt die Schweiz (63.000) vor Norwegen und Dänemark (je 51.000). Am niedrigsten sind die Erwartungen in Mittel- und Osteuropa, Russland und der Türkei, wo die Einstiegserwartungen überall unter 15.000 Euro rangieren.

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