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Narrenfreiheit im Büro : Wann geht es Humba Humba Täterä?

Die Jecken sind wieder los - auch in Deutschlands Büros wird gefeiert Bild: dpa

Schrille Verkleidungen, Party, Alkohol - nicht nur im Rheinland kommen sich im Karneval die Kollegen näher. Was ist erlaubt, wo sind die Grenzen?

          Nicht nur in den Karnevalshochburgen am Rhein herrscht während der tollen Tage Ausnahmezustand. Viele haben gleich bis zum Aschermittwoch Urlaub genommen und wer dennoch ins Büro muss, sorgt häufig dort für Stimmung. Doch nicht jeder Vorgesetzte und Kollege zeigt Verständnis für närrisches Treiben und das Arbeitsrecht macht für Jecken keine Ausnahmen. Ein kluger Chef sollte deshalb wissen, wo die Grenzen sind. Der Verband „Die Führungskräfte“ hat ein paar Ratschläge festgehalten, damit das bunte Treiben nicht mit einem bösen Kater endet:

          Frei am Rosenmontag - ein Grundrecht?

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Zunächst ist da die Frage nach der Freizeit. Zwar mag es in Köln, Mainz oder Düsseldorf als Gewohnheitsrecht betrachtet werden, dass man am Rosenmontag zum Umzug pilgert und nicht ins Büro. Grundsätzlich aber müssen Beschäftigte Urlaub einreichen. Und wer beim „Blau machen“ erwischt wird, muss mit einer Abmahnung oder sogar mit einer Kündigung rechnen, warnen die Verbandsjuristen. Wenn der Arbeitgeber allerdings von selbst die Pforten schließt, handele es sich dabei zwar  um eine freiwillige Leistung, dieser könne aber unter Umständen – etwa durch eine gewisse Regelmäßigkeit – für die Zukunft Ansprüche der Mitarbeiter nach sich ziehen. Um das zu vermeiden, sollten genaue Formulierung gewählt werden wie diese: „In diesem Jahr haben wir uns dazu entschieden, den Betrieb an Rosenmontag (eventuell mit zeitlicher Einschränkung ab 12:00 Uhr) zu schließen. Für das kommende Jahr behalten wir uns eine andere Entscheidung ausdrücklich vor."

          Biene Maja darf nicht hinter den Schalter

          Ein heikles Thema ist das Kostüm. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber das heißt nicht, dass in Sachen Outfit an Fastnacht alles geht. Die Juristen weisen darauf hin, dass das Bundesarbeitsgericht in einer allgemeinen Entscheidung zu Bekleidungsvorschriften („Kopftuch-Fall“) schon ausgeführt habe, „dass ein Arbeitgeber von seinen Arbeitnehmern mit Kundenkontakt erwarten kann, sich dem Charakter des Handelsgeschäfts und dessen Kundenstamm entsprechend branchenüblich zu kleiden“. Eine solche Pflicht könne durch eine Weisung des Arbeitgebers begründet werden. So möchte ein Bankkunde über seine Geldanlage vielleicht nicht von einem Piraten oder Biene Maja beraten werden. Also besser vorher mit dem Vorgesetzten klären, was tragbar scheint. Und merke: Ein Clownskostüm ersetzt auch keine Schutzkleidung!

          Männer, denen an Weiberfastnacht gegen ihren Willen der Schlips abgeschnitten wurde, ist Unrecht widerfahren. Sie könnten der Deliquentin  eine Abmahnung anhängen und auf Schadensersatz pochen. Aber mal ganz ehrlich: Wer will sich diese Blöße wirklich geben?  Der clevere Mann hat zudem längst die große Chance entdeckt, an diesem Tag unliebsame Weihnachtsgeschenke elegant zu entsorgen.

          Humor ist, wenn man trotzdem lacht

          Dann geht es Humba Humba Täterä

          Karnevalsmusik spaltet bekanntlich die Menschheit. Wenn der Chef davon aber ausdrücklich nichts hören will, empfiehlt es sich jedoch für seine Angestellten, erst nach Feierabend die Anlage so richtig aufzudrehen. Auch Wein, Bier und Spirituosen sollten besser erst im Privaten konsumiert werden. Schließlich hat jeder Angestellte die Pflicht, seine Leistungsfähigkeit und Sicherheit am Arbeitsplatz nicht durch den Alkoholkonsum zu beeinträchtigen. Ob während der Dienstzeit angestoßen werden darf, legt der Chef fest. Er kann auch unter Einbezug des Betriebsrates ein striktes Alkoholverbot festlegen.

          Bleibt noch die Frage nach der innerbetrieblichen Beziehungspflege. „Die Betriebsfeier ist nicht geeignet, sich gehen zu lassen und gerade Führungskräfte sollten sich zurückhalten“, raten die Juristen. Denn als sexuelle Belästigung sind laut Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG)  alle unerwünschten sexuellen Handlungen, etwa Begrabschen, Bemerkungen sexuellen Inhalts, anzügliche Witze, sexuell bestimmte körperliche Berührungen anzusehen. Laut Bundesarbeitsgericht stellt sexuelle Belästigung nach dem AGG eine Verletzung vertraglicher Pflichten dar und kann abhängig von Umfang und Intensität auch für eine außerordentliche Kündigung genügen. Vielen Arbeitgebern und Führungskräften sei zudem nicht bewusst, dass sie bezüglich der Vermeidung von sexuellen Belästigungen gesetzlich verpflichtet sind, solche Verhaltensweisen von Beschäftigten aktiv zu unterbinden und zu sanktionieren  – natürlich nicht nur an Fastnacht.

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