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Vergütung : Verwöhnprogramm für Mitarbeiter

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Junge Mitarbeiter legen immer weniger Wert auf Dienstwagen

Der Dienstwagen war lange Zeit ein Statussymbol und somit eine heißbegehrte Nebenleistung. Auf dem Parkplatz ließ sich ablesen, welchen Platz der Autofahrer in der Hierarchie des Unternehmens hatte. Solche Gefährte waren oft Anlass für Neid. Solche Zeiten sind fast vorbei. Zum einen können sich Mitarbeiter, wenn sie selbst etwas dazuzahlen, ein prächtigeres Fahrzeug leisten als ihr Chef. Zum anderen sind gerade jüngere Menschen umweltbewusst und legen, wenn sie in Großstädten mit gutem Nahverkehr leben, nicht mehr viel Wert auf ein Auto. „Den Unternehmen geht es immer mehr darum, dass ihre Mitarbeiter mobil sind - und nicht darum, jeden mit einem Dienstwagen zu versorgen“, sagt Mercer-Mann Misterek. „Das kann bedeuten, dass sie statt eines Autos eine Bahncard, ein Jobticket für den öffentlichen Nahverkehr oder ein Job-Fahrrad finanzieren.“ Der Jurist weiß von Unternehmen zu berichten, die Leasing-Verträge abschließen für Räder, die mehrere tausend Euro kosten. „Der Mitarbeiter kann das Rad für zwei, drei Jahre nutzen und anschließend ein anderes Modell wählen“, sagt Misterek. „oder er übernimmt es zu einem günstigen Restwert. Vor fünf Jahren war von solchen Optionen noch kaum die Rede.“

Nebenleistungen erinnern an Rundum-Sorglos-Pakete. Damit sollen die heißbegehrten Talente umworben und in die Lage versetzt werden, sich möglichst in allen Lebensphasen auf die Arbeit zu konzentrieren. Deshalb vermitteln Unternehmen sogar Beratung in finanziellen und rechtlichen Fragen. „Vermögenswirksame Leistungen sind hingegen zunehmend unattraktiv“, meint Misterek. „Die monatliche Summe ist relativ gering. Sie wird von vielen Mitarbeitern gar nicht mehr abgerufen.“ Er beobachtet, dass auch Geschenke zu Dienstjubiläen aus der Mode sind. Kaum jemand bleibt noch zwei Jahre länger, weil ihm der Chef dann eine goldene Uhr oder eine Geldsumme überreicht. Ohnehin möchten Fach- und Führungskräfte meist nicht so lange bei einem Arbeitgeber verweilen.

Sie wollen verstanden und umhegt werden. „Dennoch man muss einem klar sein, dass die kleinen, geldwerten Vorteile bestimmte Mankos nicht kompensieren können“, sagt Berater Nowotny. „Wenn schlecht geführt wird oder Unzufriedenheit herrscht mit der Art und Weise, wie die Organisation arbeitet, sind Nebenleistungen ein Hygienefaktor, den die Mitarbeiter eben so mitnehmen.“ Trotzdem identifizieren sie sich dann nicht mit ihrem Unternehmen. Wichtiger als ein schönes Job-Fahrrad sind dann doch eine gute Atmosphäre und die Möglichkeit, kreativ und eigenverantwortlich an spannenden Projekten mitzuwirken.

„Man sollte über neue Fringe Benefits nachdenken“, fordert Nowotny. Das Büro zu Hause oder flexible Arbeitszeiten gehörten dazu. Der Psychologe plädiert zudem für agile Projekte: Diese flexiblen und schlanken Arbeitsorganisationen kamen einst in der IT-Branche auf, die meist ein Trendsetter für die Arbeitswelt ist. Statt in starren Hierarchien zu arbeiten, finden sich Fach- und Führungskräfte in Teams zusammen, wo sie ihre Arbeit selbst einteilen und sich frei entfalten können. Für Unternehmen ist es nach Ansicht von Nowotny schwierig, sich auf solche Arbeitsformen umzustellen. Denn auf Dauer sorgen sie eindeutig für mehr Wohlbefinden als eine goldene Uhr.

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