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Vergütung : Verwöhnprogramm für Mitarbeiter

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Es sind vor allem große, globale Konzerne wie Google, Facebook oder Apple die mit attraktiven Nebenleistungen Schlagzeilen machen. Doch angesichts des demographischen Wandels überlegen immer mehr kleine und mittelständische Betriebe, wie sie Fach- und Führungskräfte gewinnen und halten. Besonders schwierig ist es, wenn sie ihren Sitz abseits der attraktiven Großstädte haben. Die Vorstellung, in eine Kleinstadt ohne spannende Kulturszene und ohne Flughafen zu ziehen, ist für manche international vernetzte Fachfrau abschreckend.

Ein Manko, das Mittelständler etwa mit guter Kinderbetreuung wettmachen können. Für Mittelständler spricht aus Sicht von Expertin Brenner, dass sie „oft eher dazu bereit sind, mit ihren Mitarbeitern individuelle Leistungen auszuhandeln. Viele große Unternehmen bieten dagegen standardisierte Zusatzleistungen an, die in Betriebsvereinbarungen fixiert sind.“ Während daher manche einheitliche Leistungen aus der Pensionskasse offerieren, kann der Mittelständler eine Altersvorsorge bieten, die auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters zugeschnitten ist.

Schickes Handy oder betriebliche Altersvorsorge?

Gleichwohl meinen Brenner und Reiners, dass die betriebliche Altersvorsorge meist für Kandidaten von Mitte dreißig an interessant wird. Zwar bieten viele Unternehmen komfortable Lösungen an, in die sie reichlich investieren, doch sie kommunizieren es nicht gut. Hinzu kommt: Gerade jüngeren Menschen ist nicht bewusst, wie wichtig Vorsorge ist. Mit Mitte Zwanzig freuen sie sich mehr an dem teuren Mobiltelefon, das ihnen das Unternehmen zur Verfügung stellt. „Dabei ist die moralische Verpflichtung, damit auch abends und am Wochenende besser erreichbar zu sein, deutlich höher“, sagt Doris Brenner.

Der Berliner Personalberater Valentin Nowotny zählt die Bereiche auf, in denen Unternehmen mit Nebenleistungen Sympathien gewinnen können: Versicherung und Altersvorsorge, Unterstützung von Familien, Mobilität sowie die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Auch Zeitwertkonten gelten als attraktiv. Die angesparte Zeit kann genutzt werden, um die Doktorarbeit zu beenden oder ein Sabbatical zu nehmen. „Ich würde dazu raten, die Bereiche als Zusatzleistungen zu wählen, die man sonst ohnehin privat finanzieren müsste. Wer viel Bus fährt, lässt sich eben ein Job-Ticket bezahlen“, sagt Nowotny: „Wenn das Unternehmen wenig attraktive Angebote macht, würde ich eher in Richtung Gehaltserhöhung verhandeln.“

Der ideale Zeitpunkt, um über Fringe Benefits zu reden, sei, wenn im Vorstellungsgespräch bereits klar wird, dass das Unternehmen an dem Bewerber interessiert ist. Außerdem bieten sich Mitarbeitergespräche an, die vielerorts regelmäßig stattfinden. Im Idealfall, meint Nowotny, hat die Führungskraft beim Sprechen über Fringe Benefits Gelegenheit, seinen Kollegen besser kennenzulernen. Worauf legt er Wert - Freizeit, Mobilität oder Sicherheit? Ist ihm flexible Zeiteinteilung wichtig, oder denkt er mehr an einen Dienstwagen oder die Altersvorsorge?

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