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Vergütung : Bei Managergehältern versagt die Aufsicht

  • -Aktualisiert am

Derzeit der wohl bestbezahlte Manager im Dax: Dieter Zetsche von Daimler. Bild: AFP

Die Topgehälter der Manager steigen; die Kritik an ihnen auch. Es gibt bisher kein befriedigendes System der Entgeltfindung. Aufsichtsräte bremsen den Anstieg kaum. Ein Gastbeitrag.

          Die hohen Vergütungen für Topmanager werden immer heftiger kritisiert. Verwunderlich ist dies nicht. Fast täglich werden neue Statistiken über die „Schere zwischen Arm und Reich“ präsentiert, gleichzeitig wird berichtet, um wie viel die Vergütungen einzelner Vorstände großer (Dax)-Unternehmen wieder gestiegen sind. Zuletzt war von einem Vorstandsmitglied des VW-Konzerns die Rede, der von seinem Arbeitgeber nach seinem Ausscheiden angeblich fünfzig Millionen Euro erhalten haben soll. Auch wenn zu hoffen ist, dass sich dieses Gerücht nicht bewahrheitet, ist es dennoch Wasser auf die Mühlen jener, die sich immer mehr von der Marktwirtschaft, der Globalisierung, ja, von der Demokratie abwenden. Für sie ist der Kapitalismus zwar sehr effektiv bei der Schaffung von Werten, versagt aber bei deren Verteilung. Tragen für diese Bewertung nicht auch die hochbezahlten Manager eine Mitverantwortung?

          Millionenvergütungen für Topmanager waren hierzulande vor noch nicht allzu langer Zeit eher die Ausnahme. Begründet wurden sie oft mit Blick auf die Vereinigten Staaten, wo 7-stellige Vergütungen die Regel und 8-stellige nicht die Ausnahme darstellen. Zwar wurde die Auswanderung in die Vereinigten Staaten gelegentlich als Druckmittel eingesetzt; tatsächlich passiert ist es nur in ganz wenigen Fällen.

          Auch die Globalisierung wird gern als Begründung für höhere Managereinkommen herangezogen. Umgekehrt muss sie als Grund herhalten, wenn Mitarbeitern höhere Lohnabschlüsse verweigert werden. Wegen dieser und anderer Ungereimtheiten, wegen der Auswüchse des verhassten „Finanzkapitalismus“ und wegen der Steuertricks vieler Vermögender kann es nicht verwundern, dass der Normalbürger immer stärker daran zweifelt, ob die Erfolge unserer Marktwirtschaft wirklich gerecht verteilt werden.

          Manchmal muss der Vorstand nur „ja“ oder „nein“ sagen

          Die Rolle des Vorstands einer großen Aktiengesellschaft, vor allem die des Vorsitzenden, kann nicht hoch genug bewertet werden. Er wird zwar von seinen Mitarbeiterteams tatkräftig unterstützt und muss oft nur „ja“ oder „nein“ zu den Vorschlägen des operativen Managements sagen. Aber gerade darin liegt seine persönliche Leistung, denn er lenkt ein Unternehmen (hoffentlich) in die erfolgsträchtige Richtung, er setzt anspruchsvolle Ziele, und er muss ein Gespür dafür haben, was notwendig ist und was nicht. So ist beispielsweise der Erfolg von Porsche ohne das Marktgespür eines Wendelin Wiedeking überhaupt nicht vorstellbar. Außerdem laufen Verträge der Vorstände in der Regel nur wenige Jahre. Schließlich tragen sie die persönliche Verantwortung für gravierende Fehler oder Schieflagen im Unternehmen.

          Trotz der Leistungen, die von einem Vorstand gefordert werden, und der Risiken, die er eingehen muss, stellt sich die Frage, ob dieser Einsatz wirklich fünf, zehn oder mehr Millionen Euro im Jahr wert ist. Sind dies doch Summen, die auch ein Luxus liebender Mensch kaum selbst verbrauchen kann. Große Teile dieser Vergütungen kommen eines Tages ohnehin nur den Kindern und Enkeln zugute. Hinzu kommen zumeist üppige Pensionszusagen, die einen „standesgemäßen“ Lebensabend, keinesfalls aber zusätzliche Ersparnisse ermöglichen sollten, die wiederum nur den Erben zugutekommen.

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