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Umstrittene Boni : Management by Mohrrübe

Bild: Cyprian Koscielniak / F.A.Z.

Seit Monaten stehen Boni auf der Liste des Bösen ganz weit oben. Doch so verbreitet und so hoch, wie das in der aktuellen Diskussion oft scheint, sind sie gar nicht.

          Boni?“ Gernot Pflüger lacht. „So was brauchen wir nicht.“ Pflüger ist Geschäftsführer der CPP Studios in Offenbach, eines Multimedia-Unternehmens mit einem ungewöhnlichen Vergütungssystem: Alle Mitarbeiter erhalten am Monatsende das gleiche Gehalt, nur die beiden Geschäftsführer bekommen etwas mehr als den Einheitsbetrag. Feste Arbeitszeiten gibt es nicht, Zielvereinbarungen ebenso wenig. Am Jahresende beraten die zwei Chefs mit den 30 Mitarbeitern, wie viel vom Gewinn wieder in die Firma investiert wird und wie viel die Mitarbeiter als Sonderzahlung bekommen. Alle in der gleichen Höhe, versteht sich. Seit bald zwanzig Jahren gibt es den Einheitslohn bei CPP schon, „übertariflich, aber nicht paradiesisch“, umschreibt Pflüger den Betrag. Er hat damit gute Erfahrungen gemacht: „Viele unserer Mitarbeiter könnten woanders sicherlich mehr verdienen. Trotzdem gehen sie nicht weg, weil sie hier alle Freiheiten haben.“

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Ortswechsel. Rund 6200 Kilometer von Offenbach entfernt liegt New York, die Wall Street, das Herz der amerikanischen Finanzbranche, das Zentrum der seit Monaten währenden Bonus-Diskussion. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass eine Bank Boni in Milliardenhöhe für ihre Beschäftigten ankündigt und die Volks- und Präsidentenseele aufschreit. Bei J.P. Morgan etwa sollen die Mitarbeiter des Investmentbankings für 2009 die Rekordsumme von 9,3 Milliarden Dollar erhalten. Das entspricht einer durchschnittlichen Vergütung von 379.000 Dollar je Mitarbeiter, gut 100.000 Dollar mehr als 2008. Das Argument der Banken ist stets dasselbe: Sie müssten mit hohen Boni locken, damit die besten Köpfe nicht zur Konkurrenz abwandern.

          Die variablen Vergütungen sind nicht so verbreitet wie es scheint

          Wo liegt die Wahrheit? In Offenbach? Oder in New York? Ganz so verbreitet und vor allem ganz so hoch, wie das in der aktuellen Diskussion oft scheint, sind erfolgsabhängige Vergütungen nicht, betonen Personalberater. „Es ist schon so, dass die meisten Unternehmen variabel vergüten“, sagt Barbara Hartmann, Personalberaterin bei der Münchener Gesellschaft Heads. „Aber in der Regel nicht alle Mitarbeiter, sondern nur diejenigen, die direkten Kundenkontakt oder eine Führungsposition innehaben.“ Und selbst wenn es Boni gibt, sind die Summen in der Regel eher bescheiden. Sechs- oder gar siebenstellige Boni, Beträge, die das jährliche Fixgehalt um ein Vielfaches übersteigen, sind ein Privileg von Investmentbankern und Top-Managern. Im Schnitt, so schätzt Hartmann, mache der variable Anteil 20 Prozent der Gesamtvergütung aus. Im Vertrieb, wo die erfolgsabhängige Bezahlung traditionell besonders ausgeprägt ist, seien es 30 bis 40 Prozent.

          Was Hartmann erlebt, wenn sie offene Stellen besetzt und über Vertragskonditionen spricht, hat die auf Vergütungsfragen spezialisierte Beratungsgesellschaft Hewitt jüngst in einer Studie mit Statistiken und Durchschnittswerten bestätigt. Dazu analysierten die Berater die Daten in ihrer Gehaltsdatenbank von 7000 Unternehmen aus 40 Ländern. Nahezu alle Manager der zweiten und dritten Führungsebene erhalten demnach Bonuszahlungen. Doch die Bedeutung in der Gesamtvergütung ist deutlich geringer als bei den absoluten Spitzenverdienern der Wirtschaft. In Deutschland beträgt der variable Anteil auf Geschäftsführungsebene im Schnitt 39 Prozent der Gesamtvergütung. In Österreich ist der variable Gehaltsanteil noch niedriger, dort sind es Hewitt zufolge lediglich 26 Prozent.

          Auf den Ebenen unterhalb des Managements ist es nicht selbstverständlich, dass ein Teil der Bezüge an Umsatz- oder Gewinnzahlen gekoppelt ist. In Deutschland bezahlen die Unternehmen 62 Prozent der Fachkräfte und rund der Hälfte der Sachbearbeiter einen Bonus. Größer ist der Kreis der Bonusberechtigten in der Schweiz. Dort sehen die Unternehmen für 78 Prozent ihrer Fachkräfte und 61 Prozent ihrer Sachbearbeiter eine erfolgsabhängige Bezahlung vor.

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