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Risiko und Verpflichtung : Günstige Aktien vom Chef

Mitarbeiteraktien sind oft verlockend günstig Bild: Dieter Rüchel

Etliche Unternehmen bieten ihren Angestellten verbilligte Aktien an. Ein neues Gesetz soll nun mehr Mitarbeiter zu Mitunternehmern machen. Aber nicht jeder sollte zugreifen.

          Wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber Geld schenken möchte - würden Sie das annehmen? Die wenigsten würden auf die Frage mit Nein antworten. Wenn aber der Arbeitgeber das Geschenk mit einer Bedingung verknüpft, kommen viele ins Grübeln. Einige Unternehmen schenken ihren Mitarbeitern Geld, wenn die im Gegenzug dafür Aktien der eigenen Firma kaufen. Für die Unternehmen hat das zwei Vorteile: Sie kommen leicht an Kapital, ohne teure Kredite aufnehmen zu müssen. Und ihre Aktien gehören vorwiegend "freundlichen Investoren", von denen sie wenig Böses zu erwarten haben. Aber lohnen sich die Aktien-Schnäppchen auch für die Mitarbeiter - vor allem in diesen Börsenzeiten?

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eines sollte vorab jedem klar sein: Die billigen Aktien sind nicht bloß ein Geschenk. Sie bergen oft auch ein Risiko und eine Verpflichtung. Denn damit beteiligen sich Mitarbeiter nicht nur am Erfolg des Unternehmens. Sondern sie zahlen unter Umständen sogar drauf, wenn das Geschäft schlecht läuft, der Aktienkurs langfristig sinkt und sie ihre Aktien irgendwann unterhalb des Einstiegspreises verkaufen müssen. Zudem können sie die Papiere nicht abstoßen, wann sie wollen, sondern müssen sie erst ein paar Jahre halten, bevor sie sie wieder veräußern können. Und oft verfallen die Anteile wertlos, wenn ein Mitarbeiter zu früh kündigt und das Unternehmen schon nach kurzer Zeit wieder verlässt. Mitarbeiteraktien sind daher nur etwas für diejenigen, die entschlossen sind, einem Unternehmen über Jahre die Treue zu halten. Und an dessen Erfolg glauben.

          Kultur der Belegschaftsaktie wird gefördert

          In den meisten Fällen aber dürften sie sich für die Angestellten lohnen, sagt zumindest der Gesetzgeber. Sein Argument: Während die Unternehmensgewinne in den vergangenen fünf Jahren um rund 30 Prozent zulegten, sind die Löhne und Gehälter im gleichen Zeitraum nur um magere 2 Prozent gestiegen, so die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Es sei daher nur recht und billig, dass die Mitarbeiter endlich über die Belegschaftspapiere stärker vom Erfolg ihrer Unternehmen profitieren würden. Deshalb will die Regierung die Kultur der Belegschaftsaktie mit einem neuen Gesetz fördern.

          Noch halten sich deutsche Firmen und Angestellte zurück: Nur 3 Prozent aller Unternehmen beteiligen ihre Mitarbeiter direkt am Kapital. Das sind etwa 610 Betriebe. Sie bieten ihnen entweder eine Teilhabe über stille Beteiligungen an, über die Ausgabe von Genussscheinen oder eben über Aktien. Jeder fünfzigste Angestellte - vor allem in großen börsennotierten Unternehmen - ist derzeit ein Belegschaftsaktionär, hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) ermittelt. Aber es könnten bald deutlich mehr werden.

          Wo Mitarbeiteraktien abgegeben werden, nehmen viele Beschäftigte das Angebot ihrer Chefs an. "Das lohnt sich auch für beide Seiten", sagt Steuerberaterin Birgit Hosemann, "die Unternehmen sparen dadurch Steuern, und die Angestellten bekommen die Aktien viel günstiger." Das neue Gesetz, das im August vom Kabinett beschlossen werden soll, könnte durch die Anhebung der steuerlichen Freibeträge mehr Firmen zur Ausgabe von Mitarbeiteraktien anregen. Es soll den Spielraum für beide Seiten vergrößern: Die Unternehmen könnten durch Mitarbeiteraktien-Programme mehr Steuern sparen. Und die Angestellten könnten mehr Papiere als bisher kaufen, ohne darauf weitere Abgaben zu zahlen.

          Der Rahmen bald weiter gesteckt

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