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Personalpolitik : Wohin mit den Versagern?

Sportliche Lösung: Im Profi-Fußball werden Arbeitsverträge mit schwachen Mitarbeitern oft vorzeitig aufgelöst – in der Regel begleitet von einer saftigen Abfindung. Bild: Imago

Jeder kennt sie: die Kollegen, die ihr Soll nicht erfüllen, die immer überfordert sind. Wäre es nicht besser, sich endlich von ihnen zu trennen?

          In der 1a einer Grundschule im Taunus können alle Schüler jederzeit sehen, für wen die Lage gerade brenzlig ist. Die Lehrerin hat die Namen ihrer Schüler untereinander auf ein Plakat geschrieben. Neben jedem Namen gibt es vier Felder mit einem Wetter-Symbol. Am Anfang der Woche scheint für alle Schüler die Sonne. Wenn die Lehrerin einen Schüler streng ermahnt, rückt sein Namensschild ein Feld weiter nach rechts, dort hat sich eine Wolke zur Sonne gesellt. Nach einer weiteren Verwarnung ist die Sonne einer Regenwolke gewichen. Ganz rechts schließlich blitzt es aus einer Gewitterwolke. Wer auf diesem Feld landet, muss eine Strafarbeit schreiben. Übers Wochenende werden alle Sünden geheilt, am Montagmorgen starten alle Erstklässler wieder im Sonnenlicht.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Das System funktioniert. Die sechsjährige Sophia etwa ist mächtig stolz darauf, dass sie „immer nur unter der Sonne war“. Damit das so bleibt, will sie auch künftig „lieb sein und gut zuhören“.

          In deutschen Unternehmen geht es meist weniger harmonisch und transparent zu. Natürlich gibt es auch hier Mitarbeiter, die von ihren Chefs unter die Gewitterwolke geschoben werden. Anders als in der Grundschule gibt es aber kein öffentliches Plakat mit Namensschildchen. Am Montagvormittag scheint auch nicht automatisch wieder die Sonne. Und die „Strafarbeit“ darf erst recht nicht so genannt werden.

          „Tut mir nichts, dann tue ich euch auch nichts“

          Meist bleibt sie sogar aus. „Der Sanktionskoffer der Vorgesetzten ist oft leer“, sagt Stephan Penning. Der Psychologe berät Unternehmen in Personalthemen – und häufig auch zur Frage, was mit den schlechtesten Teammitgliedern geschehen soll. „Viele Führungskräfte haben mit ihrer Belegschaft eine Art Nichtangriffspakt geschlossen: ‚Tut mir nichts, dann tue ich euch auch nichts‘“, sagt Penning. So ließen sich Mitarbeiter aber nicht sinnvoll führen. „Denn das Team merkt, wer etwas leistet und wer nicht.“ Wenn Minderleister ohne spürbare Sanktionen gewähren könnten, staue sich „gerade bei den Leistungsträgern schnell Frust auf und die Motivation sinkt“.

          Führungskräfte müssten deshalb bei mangelhafter Leistung konsequent handeln. „Eine Kündigung sollte aber nur das letzte Mittel sein“, sagt Penning. Zunächst einmal müsse der Vorgesetzte nachvollziehen, warum der Mitarbeiter schlecht arbeitet. Er müsse sich auch als Coach begreifen und versuchen, den Mitarbeiter besser zu machen. „Wenn das alles aber nicht hilft, sollte er konsequent die Trennung herbeiführen.“ Denn: „Die anderen im Team beobachten das Geschehen genau und ziehen ihre Schlüsse daraus“, sagt Penning. „Irgendwann denken sie sonst: ,Mein Chef bellt nur, der beißt nicht.‘“

          Jack Welch: „Die größten Feiglinge sind Manager, die Menschen nicht wissen lassen, wo sie stehen.“

          Allerdings ist es mit dem Beißen juristisch schwierig. Denn schon die Frage, wer Minderleister ist, lässt sich nur mit viel Aufwand gerichtsfest klären. Gerade in hochqualifizierten und kreativen Berufen ist Leistungsbeurteilung keine exakte Wissenschaft: War es eine gute Präsentation? Eine gute Kundenberatung? Wenn es nicht nur darum geht, Bananen in eine Kiste zu packen, wird die Antwort stets auch vom Prüfer selbst abhängen.

          Dem legendären ehemaligen Chef des Industriekonzerns General Electric Jack Welch waren derlei Überlegungen egal. Er ließ seine Angestellten jedes Jahr in drei Gruppen einteilen: 20 Prozent Spitzenkräfte, 70 Prozent Solide und die „Bottom 10“, die unteren zehn Prozent der Belegschaft. Sie mussten gehen. Von rund 100.000 Mitarbeitern trennte sich der Konzern in den ersten Jahren unter der Führung von Welch.

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