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Neue Studie : Menschen mit Behinderung einstellen - so gelingt’s

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Mehr kreative Denkansätze? Bild: dpa

Viele Arbeitgeber schrecken davor zurück, Behinderte oder chronisch Kranke einzustellen. Doch jenseits aller juristischen Erwägungen kann das auch wirtschaftliche Vorteile haben.

          Einen Menschen mit Behinderung oder einen chronisch Kranken einstellen? So mancher Arbeitgeber empfindet das als eine Verpflichtung, die ihm vom Arbeitsrecht nun einmal auferlegt wird. Doch er kann sogar wirtschaftlich davon profitieren. Das jedenfalls suggeriert eine neue, repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Medizinprodukteunternehmens Coloplast, die FAZ.NET vorab vorliegt. Demnach glaubt mehr als die Hälfte der Deutschen (52 Prozent), dass die Inklusion Behinderter und chronisch Kranker Kreativität und Ideenreichtum in Unternehmen fördere. Der Gedanke dahinter: Wer im Alltag mit Einschränkungen zu kämpfen hat, bringt auch im Beruf neue und ungewohnte Denkansätze mit.

          Arbeitgeber mit mindestens 20 Beschäftigten müssen in der Regel auf mindestens 5 Prozent dieser Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen beschäftigen, so will es das Sozialgesetzbuch. Ist ein freier Arbeitsplatz zu besetzen, muss immer erst geprüft werden, ob die freie Stelle mit einem schwerbehinderten Menschen oder einem ihm Gleichgestellten besetzt werden kann. Viele Arbeitgeber haben Vorbehalte: Nicht immer geht es darum, dass den Behinderten oder Kranken nicht zugetraut wird, die gleiche Leistung zu erbringen. Es gibt auch ganz handfeste Nachteile. Schwerbehinderte haben nämlich in der Regel einen erhöhten Kündigungsschutz und Anspruch auf zusätzliche Urlaubstage.

          Macht ein Arbeitgeber jedoch bewusst einen Bogen um Menschen mit Behinderung, drohen ihm unangenehme Sanktionen. Der Betriebsrat kann etwa die Zustimmung zur Einstellung eines nicht behinderten Arbeitnehmers verweigern. Außerdem werden für den betroffenen Betrieb Ausgleichsabgaben fällig.

          Aber es muss nicht immer nur darum gehen, Strafen zu vermeiden. 70 Prozent der Deutschen finden der neuen Studie zufolge, dass durch die Inklusion Kranker und Behinderter die sozialen Kompetenzen von Unternehmen gestärkt werden. Und 61 Prozent führen an, dass den Betrieben auf diese Art und Weise Fachkräfte erhalten bleiben, die ihnen ansonsten fehlen würden. Fast die Hälfte der Deutschen (47 Prozent) glauben zudem, dass Arbeitgeber die Kranke und Behinderte beschäftigen, einen Vorteil im generellen Wettbewerb um die qualifiziertesten Kräfte haben – weil sie sich verantwortungsbewusst zeigen und so als attraktive Arbeitgeber punkten können.

          Außerdem erhalten Arbeitgeber, die Schwerbehinderte einstellen oft großzügige Hilfen. Bis zu 90 Prozent des Arbeitsentgeltes eines solchen Mitarbeiters können Unternehmen von den Integrationsämtern zurückerhalten – jedenfalls für die ersten zwei Jahre des Beschäftigungsverhältnisses, später sinkt der Zuschuss dann. Die behinderten Menschen selbst können zudem bei den Integrationsämtern beantragen, dass so genannte Arbeitsassistenten sie unterstützen - nicht inhaltlich, sondern als eine Art Lückenfüller für Tätigkeiten, die aufgrund der Behinderung sonst kaum möglich wären. So lesen Arbeitsassistenten ihren sehbehinderten Klienten handschriftliche Briefe vor oder reichen Rollstuhlfahrern Aktenordner aus hohen Regalfächern an.

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