https://www.faz.net/-gyl-8nhmq

Neue Masche von Betrügern : Hier spricht der Chef - ich brauche Geld!

Prävention ist nötig

Seilers Kollege Helmut Görling ist optimistisch: Die ausländische Behörde muss einer Ermittlungsanordnung innerhalb von 30 bis 60 Tagen nachkommen. „Das ist gemessen an den Üblichen Überschallgeschwindigkeiten.“ Geschwindigkeit ist wichtig: „Der Inhaber des Empfängerkontos muss kein nützlicher Idiot sein“, sagt Görling. Habe man ein Konto identifiziert, könne es durchaus sein, dass sich weitere Taten aufklären lassen. „Viele lassen das Konto volllaufen, andere schleusen das blitzschnell durch diverse Shell-Companys weiter.“

Weil es womöglich tatsächlich eine Chance gibt, das Geld aufzuspüren, raten die Anwälte dazu, mehrgleisig zu fahren. Neben der Anzeige muss die Bank informiert werden. Erreicht man dort den Geldwäschebeauftragten, wird dieser den Finanzbehörden eine Geldwäscheverdachtsanzeige melden - Banken unterliegen hohen Sanktionen der Bankenaufsicht. „Daneben kann man auf dem Weg des Zivilrechts das Konto einfrieren“, erklärt Görling.

Eine gute Prävention in Unternehmen kann aber Schlimmeres verhindern helfen, sagt Seiler. „So langweilig es klingt - es braucht einen Prozess“, sagt der Anwalt. „Dann kann sich der Mitarbeiter daran festhalten, selbst wenn ein angeblicher Chef Druck macht.“ Doch zunächst geht es vor allem um Problembewusstsein.

Technik kann helfen

Auch technisch lassen sich Grenzen ziehen: Eine Überweisung an eine Bank, die nicht im System ist? Das sollte nicht ohne weiteres möglich sein. Die E-Mail-Programme sollten erkennen, wenn eine Nachricht nicht intern ist. Inzwischen gibt es Software, die bestimmte Methoden der Überlistung („Social Engineering“) erkennt und entsprechende Warnungen einblendet. Mohs rät allgemein davon ab, Abwesenheiten in sozialen Netzwerken herauszuposaunen, und sei es nur durch unterwegs veröffentlichte Reisefotos. Man sollte sich vor allem nicht zu sicher fühlen. „Es werden alle angegriffen“, versichert Mohs. Mittelständler seien sogar sehr empfänglich, wenn sie unter einer besonders klaren Hierarchie arbeiten - sprich: wenn ein Wort des Chefs Bedenken schnell beiseitewischt.

Ronny Wolf von der Commerzbank warnt vor einer falschen Fehlerkultur, die der Aufklärung im Wege stehen kann. Mitarbeiter, die hereingelegt wurden, hätten oft Angst, dass sie in die Täterschublade geschoben würden. Es addieren sich dann Ängste: Droht die Kündigung? Es läuft doch die Baufinanzierung! Was denken die Kollegen, der Bäcker - und muss ich wegen der Unterschriftenfälschung ins Gefängnis? „Wer hereingelegt wurde, leidet am meisten.“

Weitere Themen

Wachstum will gelernt sein

Start-ups in Rhein-Main : Wachstum will gelernt sein

Wenn Unternehmen schnell groß werden, freut das die Gründer wie auch die Mitarbeiter – sollte man meinen. Doch der Erfolg ist durchaus gefährlich. Experten raten daher, Wachstum lange im voraus zu planen.

Topmeldungen

2007 sitzt Kanzlerin Angela Merkel von dem Eqi Gletscher in Dänemark – heute ist der Klimawandel eine ihrer größten Herausforderungen. (Archivbild)

Klimapolitik der CDU : Die größte Baustelle der Merkel-Ära

Die CDU will endlich den gordischen Klima-Knoten durchschlagen. Es wäre aber schon viel gewonnen, wenn der Preis auf Kohlendioxid nicht so endet wie die Energiewende.

Brexit-Treffen : Johnson blitzt bei Juncker ab

Der britische Premierminister Johnson hatte Zuversicht verbreitet, doch seine Gespräche mit Kommissionschef Juncker blieben ohne konkretes Ergebnis. Das erste Treffen zwischen den beiden Politikern findet ein kurioses Ende.
Samstagabend in Lampedusa: 82 Gerettete wurden an Land gebracht

Italien und die Seenotrettung : Vorübergehend berechenbar

Die neue Regierung in Italien dreht im Streit über private Seenotretter bei. Doch das Grundproblem des Dubliner Übereinkommens bleibt bestehen. Regierungschef Conte verlangt Reformen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.