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Managerhaftung : Steiler Aufstieg - tiefer Fall

Mit Netz und doppeltem Boden: Wer mit hohem Risiko lebt, braucht eine stabile Auffanglösung. Bild: (c) Bettmann/CORBIS

Der Traumjob an der Unternehmensspitze ist in Krisenzeiten nicht immer traumhaft: Der Abgasskandal bei VW lässt derzeit die Manager zittern. Wer haftet für die Schäden? Wer wird am Ende zur Kasse gebeten? Hilft die Versicherung?

          Volkswagen wirbt mit großformatigen Anzeigen um Vertrauen. Doch wie es mit dem Wolfsburger Traditionsunternehmen weitergeht, weiß niemand. Nur eins ist sicher: Die Manipulation der Abgassoftware wird VW noch sehr viel Geld kosten. Allein die amerikanische Umweltbehörde beziffert die Strafzahlungen auf 18 Milliarden Euro. Mehr als 9 Millionen Fahrzeuge auf der Welt dürften zurückgerufen werden. Autokäufer und Aktionäre können Schadensersatz fordern. Die erste Kanzlei reichte schon Stunden nach Bekanntwerden des Skandals eine Klage bei einem amerikanischen Gericht ein, jeden Tag kommen neue hinzu. Bis zu 7000 Euro zusätzlich hätten die Käufer bezahlt, um ein besonders umweltfreundliches Modell zu erstehen, heißt es. Dann werden sich wohl noch Menschen mit diversen Gesundheitsschäden auf den Weg zum Gericht machen. Für die eigenen Anwälte wird VW weitere Millionen berappen.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Volkswagen muss erst einmal in Vorlage treten, kann dann aber versuchen, sich das Geld von den Verantwortlichen wiederzuholen. Das sind zunächst einmal die Ingenieure, welche die Software manipuliert haben, und ihre Vorgesetzten, die die Anweisung dazu erteilt haben. Doch selbst wenn geklärt ist, wer das war, wird das dem Unternehmen kaum helfen. Denn bei diesen Mitarbeitern ist finanziell wenig zu holen. Bei Regressforderungen von mehreren Millionen oder gar Milliarden kommt man auch bei Personen mit gutem Gehalt und Haus mit Garten nicht wirklich weiter.

          Mehr Erfolg verspricht, sich mit den Forderungen an die eigenen Vorstände, Aufsichtsräte und leitende Angestellte zu wenden, denn dann muss im Prinzip eine Versicherung zahlen. Und die geht nicht so schnell insolvent wie eine Privatperson. Diese Manager haften, wenn sie - so heißt es im Gesetz - bei ihrer Geschäftsführung nicht die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters anwenden. Zwar steht ihnen für unternehmerische Entscheidungen ein recht weites Ermessen zu, das ein Gericht nicht überprüfen darf. Bei schwarzen Kassen, Schmiergeld oder gar Betrug hat der Vorstand jedoch kein Ermessen: Wenn im Unternehmen zwingende Vorschriften missachtet werden, kann sich ein Manager nicht damit herausreden, dass er im Interesse des Unternehmens gehandelt hat.

          Wenn der Vorstand fahrlässig gehandelt hat, springt die Versicherung ein

          Für die erste und zweite Reihe des Managements schließen größere Unternehmen in aller Regel D&O-Versicherungen (Directors and Officers) ab. Diese werden vom Unternehmen bezahlt und erstatten jene Schäden, die ein Manager fahrlässig verursacht hat. Der Versicherer springt also nicht für einen Vorstand ein, der sich den kriminellen Plan selbst ausgedacht oder abgesegnet hat oder sonst in den Skandal verwickelt ist. Dazu braucht man aber Beweise - im Fall von Volkswagen wäre das etwa eine E-Mail, die belegt, dass der Vorstand von den Manipulationen wusste und nichts dagegen unternommen hat.

          „Selbst wenn ein Manager glaubhaft versichert, dass er von nichts wusste, ist er trotzdem dran“, sagt Rechtsanwalt Thorsten Sörup von der Frankfurter Kanzlei Schiedermair. Der Vorwurf lautet dann: Das Unternehmen wird nicht gut genug organisiert und beaufsichtigt, sonst wäre es zu solchen Gesetzesverstößen auf den unteren Ebenen ja gar nicht gekommen. In der modernen Unternehmenswelt spricht man dann davon, dass das interne Compliance-System versagt hat.

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