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Lohnlücke schon beim Berufseinstieg : Was Männer bekommen und Frauen verdienen

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Die Lohnlücke öffnet sich für Frauen schon beim Einstieg in den Beruf. Bild: picture alliance / dpa

Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern öffnet sich nicht erst nach Jahren. Schon beim Einstieg in den Beruf kommen Frauen finanziell schlechter weg, so eine Studie, die auch versucht, die Ursachen zu klären.

          In den letzten zwanzig Jahren stieg die Zahl der weiblichen Hochschulabsolventen bundesweit um 2,7 Prozent an. Im Vergleich dazu ist die Anzahl der männlichen Hochschulabsolventen um 1,7 Prozent gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt erhöhte sich die Frauenquote unter den Hochschulabsolventen somit vom Jahr 1993 mit 38,9 Prozent bis zum Jahr 2012 auf 50,7 Prozent. Die Bildungsbeteiligung der Frauen hat sich also erheblich verbessert. Doch diese positive Entwicklung schlägt sich nicht in besseren Verdienstaussichten nieder, wie das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Zusammenarbeit mit der Universität des Saarlandes herausgefunden hat.

          Um das Ausmaß des Lohnunterschiedes von Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen, auch „Gender Pay Gap“ genannt, in ihrer ersten Vollzeitbeschäftigung detailliert untersuchen zu können, konnte das Institut anonymisierte Absolventendaten der Universität des Saarlandes nutzen. Dabei kam heraus: Während ein Hochschulabsolvent im Durchschnitt 103 Euro brutto pro Tag verdient, liegt der Bruttoverdienst einer Frau bei 90 Euro und somit 21 Euro beziehungsweise 23 Prozent unter dem Tageseinkommen der Männer mit 111 Euro.

          Berücksichtigt man die bereinigte Lohnlücke, also den Lohnunterschied zwischen weiblichen und männlichen Hochschulabsolventen, die gleich alt sind, dasselbe Studienfach gewählt haben, den gleichen Abschluss erhalten haben, gleich lang für das Studium und die Arbeitsplatzsuche benötigt haben, ihr Studium mit derselben Note abgeschlossen haben und bei ihrer ersten Vollzeitbeschäftigung in derselben Branche tätig sind, beträgt der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen somit sieben Prozent. Hier zeigt sich also, dass sich bereits beim Einstieg in den Arbeitsmarkt unter den Hochschulabsolventen ausgeprägte geschlechtsspezifische Lohnunterschiede abzeichnen. Dabei können sowohl Faktoren auf Seite der Frauen, aber auch auf Seite der einstellenden Betriebe diesen Einkommensunterschied beeinflussen. Die Wahl des Studienfachs ist hierbei der wichtigste Einflussfaktor, wie das IAB herausfand.

          Je kleiner der Betrieb, desto größer der Gender Pay Gap

          So haben Absolventen von technischen und naturwissenschaftlichen Fachrichtungen, welche niedrigere Frauenquoten aufweisen die höchsten Startgehälter. Demgegenüber verdienen die Absolventen der Fachrichtungen Erziehungswissenschaften oder Sprach-/Literatur- und Kulturwissenschaften, in denen die Frauenanteile sehr hoch sind, erheblich weniger. Eine Ausnahme bilden die Sportwissenschaften: in dieser Studienfachrichtung ist die Männerquote zwar sehr hoch, allerdings ist das durchschnittliche Einkommen in der ersten Beschäftigung unter allen Fächergruppen am geringsten. Insbesondere in Kleinbetrieben, welche in erster Linie für Frauen wichtige Arbeitgeber sind, ist der Einkommensunterschied überdurchschnittlich hoch. Je kleiner der Betrieb, desto größer ist der Gender Pay Gap.

          In Großbetrieben verdienen die weiblichen Absolventen 18 Prozent weniger als die männlichen. Demgegenüber fällt dieser Lohnunterschied in den mittleren Betrieben mit minus 22 Prozent und in kleineren Betrieben mit minus 26 Prozent höher aus. Die Spreizung der geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede ist in den Wirtschaftsbranchen sehr unterschiedlich. Der Entgeltunterschied ist im öffentlichen Dienst/Verwaltung mit vier Prozent und im Gesundheits- und Sozialwesen mit  acht Prozent am niedrigsten. Am höchsten fallen diese Entgeltunterscheide in den vier folgenden Branchen aus: Erziehung und Unterricht mit 29 Prozent, sonstige Dienstleistungen mit ebenfalls 29 Prozent), Kultur/Medien/Unterhaltung mit 28 Prozent und wissenschaftliche Dienstleistungen mit ebenfalls 28 Prozent.

          Gute Studienleistungen zahlen sich indes für alle Absolventen in besseren Startgehältern aus. Insbesondere die guten männlichen Absolventen profitieren in höherem Maße von Spitzengehältern. Haben diese das Studium mit der Abschlussnote „mit Auszeichnung oder sehr gut“ beendet, wird durchschnittlich ein Tagesentgelt in Höhe von 113 Euro gezahlt. Die weibliche Absolventin mit derselben Abschlussnote erhält 22 Euro weniger, nämlich nur 91 Euro pro Tag.

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