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Kündigen - aber richtig : Abschied ohne bitteren Nachgeschmack

  • -Aktualisiert am

Keine verbrannte Erde hinterlassen - bloß wie? Bild: Picture-Alliance

Kündigungen sind immer schlimm für die Betroffenen. Doch oft gehen sie auch noch höchst unprofessionell über die Bühne. Wie Führungskräfte bei Entlassungen vermeiden, die Unternehmenskultur zu zerstören.

          Schlecht ist die Botschaft allemal. Egal, wie eine Kündigung übermittelt wird, der Betroffene verliert mit ihr die Grundlage seiner Existenz. Führungskräfte können den Schaden in Grenzen halten. Sie sollten auch daran interessiert sein, nicht nur aus moralischen Gründen: Kündigungen bringen Sand ins Getriebe, unter den verbleibenden Mitarbeitern entsteht Unruhe.

          Lief die Kündigung unsauber ab, schwindet das Vertrauen in den Arbeitgeber, schlimmstenfalls verabschieden sich Mitarbeiter, die man gerne behalten würde. Langfristig schadet das dem Ansehen des Unternehmens. Und trotzdem gehen viele Trennungen, egal, ob in großen oder kleinen Betrieben, unprofessionell über die Bühne. Schlüsselfiguren in dem Prozess sind die Führungskräfte. Sie sollten die rechtlichen und sozialen Folgen ihres Handelns bedenken. Heute heißt das „Trennungsmanagement“.

          Als große Baustelle erweisen sich Emotionen, nicht die der Gekündigten, sondern die der Führungskräfte. Eine negative Botschaft überbringt niemand gerne. Allein dieses Eingeständnis ist für Führungspersönlichkeiten schwierig. „Manager und Helden kennen keine Angst“, sagt Sabine Langrock, Coach für Resilienz und Change. Blendet der Verantwortliche negative Gefühle aus, geht er unsicher ins Kündigungsgespräch und setzt sich unter Stress. Das ist schlecht für eine reibungslose Kündigung und für das Stresslevel des Managers. Das ideale Kündigungsgespräch findet die Balance zwischen Empathie und Klarheit in der Sache. „Die Kunst ist es, wertschätzend mit den Emotionen umzugehen, ohne in die Trösterecke abzugleiten“, sagt Langrock. Wer weiß, dass er in dem Moment nicht der Gute sein kann, hat es leichter, nicht unversehens Türen zu öffnen, die längst verschlossen sind. Das schafft nur, wer seine Emotionen und Reaktionsmuster kennt. Für das Gespräch bedeutet das, auch Pausen, Schweigen und Tränen auszuhalten.

          Die Reaktionen reichen von Trauer, Stille bis hin zum Erstarren

          Trotz Vorbereitung ist es nie vorhersehbar, wie der Betroffene reagiert. „Es ist immer zunächst ein Schock, ausgelöst durch eine teilweise existentielle Krise“, sagt Langrock. Unbekanntes prüft das menschliche Gehirn sofort darauf, ob und wie diese neue Situation zu bewältigen ist. Die Reaktionen folgen einem evolutionsgeschichtlich bedingten Reflex, also Flucht, Angriff oder Totstellen. Die Verhaltensweisen reichen dann von Trauer, Stille bis hin zum Erstarren. Warum eine Führungskraft sich darüber Gedanken machen sollte? „Ein gut und rechtzeitig geführtes Kündigungsgespräch schafft einen strategischen Vorteil für Abfindungsverhandlungen“, sagt Frank Lenzen, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Rechtsanwaltsgesellschaft Beiten Burkhardt. Und: „Sie minimieren die Anzahl von Rechtsstreitigkeiten, wenn Sie von Anfang an eine Atmosphäre des Krawalls vermeiden“, sagt er.

          Über einen offenen Verteiler gejagte Kündigungsmails, Massenkündigungen in Konferenzsälen - es gibt nichts, was es nicht gibt. Lenzen hat vieles erlebt. „Da ist Krieg programmiert“, kommentiert der Anwalt die beiden realen Fälle. Rein rechtlich muss der Betroffene zu dem Gespräch erscheinen, wer aber außerdem teilnimmt, entscheidet die Führungskraft. Das darf im Zweifel auch ein Anwalt sein, das Beisein des Betriebsrates ist nicht vorgeschrieben. Den richtigen Moment für das Kündigungsgespräch gibt es übrigens nicht. Während die einen Berater Freitage rundweg ablehnen, sehen andere gerade diesen Tag als guten Zeitpunkt. Der Gekündigte erhält somit zwei Tage Luft, sich mit der Situation auseinanderzusetzen.

          Gültig ist eine Kündigung erst, sobald das Schreiben schriftlich übermittelt wurde. Eine simple formale Anforderung, die trotzdem viele Unternehmen falsch machen. Kündigungen bedürfen blauer Tinte. Ein Rausschmiss per E-Mail oder Fax ist ungültig. Was zählt, ist einzig das vom Berechtigten unterschriebene Kündigungsschreiben. Die Unterschrift unter der Kündigung muss eindeutig zuzuordnen sein, und nicht zuletzt muss der Kündigende als gesetzlicher Vertreter formal dazu berechtigt sein. In der Regel sind das Geschäftsführer oder Prokuristen. Sollten die häufig außer Haus sein, empfiehlt es sich, Bevollmächtigte zu bestimmen.

          Das Unternehmen sollte zudem sicherstellen und dokumentieren, dass das Kündigungsschreiben auch ankommt. Fehlende Hausnummern, in den Kellerschacht gerutschte Briefe, Umzug - allesamt Gründe, mit denen Gekündigte schon rechtfertigten, das Schreiben nicht erhalten zu haben. Am einfachsten lassen sich solche Missgeschicke mit einer persönlichen Übergabe vermeiden.

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