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Karriereziele : Auf dem Marktplatz der Jura-Talente

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Alles, was Recht ist: Beim Speeddating auf der Juracon taxieren Jung-Juristen ihren Marktwert und ihre Karriereoptionen. Bild: Hedwig, Victor

Lieber 140.000 Euro Einstiegsgehalt oder viel Freizeit? Lieber Großkanzlei oder doch öffentlicher Dienst? Wie Arbeitgeber um junge Juristen buhlen.

          Das Einstiegsgehalt im ersten Berufsjahr sollte möglichst sechsstellig sein, sagt Aleksandra, die im schwarzen Hosenanzug und mit weißer Bluse zur Juracon – einer Karrieremesse für Juristen – nach Frankfurt gekommen ist. Aleksandra ist 25 Jahre alt. Das erste juristische Staatsexamen hat sie mit Prädikat bestanden. Ein üppiges Gehalt, erzählt sie, sei ihr wichtiger als die Arbeitszeit. Auf die Juracon habe sie sich intensiv vorbereitet. Zwölf Einzelgespräche mit potentiellen Arbeitgebern will sie an diesem Tag führen. Die Termine dafür konnte sie vorab vereinbaren. Zwischen den halbstündigen Gesprächen bleibt ihr kaum Zeit zum Durchatmen. „Ich bin übermotiviert“, sagt Aleksandra, was beinahe wie eine Entschuldigung klingt.

          Die Juracon ist eine der wichtigsten Karrieremessen für Juristen in Deutschland. Auf ihr können Studenten, Referendare und Volljuristen persönliche Kontakte zu Kanzleien und Unternehmen knüpfen. In Frankfurt werben mehr als 50 Aussteller – unter ihnen auch Universitäten und der öffentliche Dienst – um die Crème de la Crème des juristischen Nachwuchses. Um eines der begehrten Einzelgespräche zu ergattern, musste man vorab seinen Lebenslauf einreichen und darauf hoffen, dass dieser Interesse weckt. Zur Frankfurter Juracon strömten 1200 Juristen aus ganz Deutschland. Von ihren Bewerbungen für ein Einzelgespräch war jede vierte erfolgreich.

          Die Praxis der vergangenen Jahre hat gezeigt: Wer auf der Messe überzeugt, der kann mit der Einladung zu einem „richtigen“ Bewerbungsgespräch rechnen. Das Speeddating auf der Juracon hält mitunter aber auch eine schnelle Ernüchterung bereit. Anna, die in Mainz studiert, erzählt, dass ihr Gespräch mit einer unfreundlichen Bemerkung begonnen habe. So sei sie von ihrem Gegenüber darauf hingewiesen worden, dass zum Essen bisher keine Zeit geblieben sei, weil ein Termin den nächsten jage. Im Gespräch hatte Anna dann den Eindruck, die Kanzlei habe ihre Bewerbungsunterlagen nur oberflächlich durchgesehen.

          55 Stunden in der Woche sind in Ordnung

          Von der Messe verspricht sich die angehende Juristin dennoch den Einstieg ins Berufsleben. Vergangenes Jahr habe ihr die Juracon zu einem Praktikumsplatz verholfen, so Anna, die zu den Besten ihres Jahrgangs zählt und gerade ein Auslandspraktikum in den Vereinigten Staaten absolviert hat. Eine Wochenarbeitszeit von 55 Stunden findet sie in Ordnung. Mehr möchte sie allerdings nicht arbeiten, auch wenn das mit einem höheren Gehalt verbunden wäre. „Denn dann hätte man keine Gelegenheit mehr, das Geld überhaupt auszugeben“, sagt Anna.

          Dass die Work-Life-Balance immer mehr an Bedeutung gewinnt, kann auch Christoph Naumann von der Kanzlei Watson Farley & Williams bestätigen. Naumann sagt, dass mittlerweile in den Vorstellungsgesprächen danach gefragt werde. Noch vor ein paar Jahren wäre das unvorstellbar gewesen, so Naumann. „Der Jurist von heute hat aber keine Lust mehr, dem Berufsleben alles unterzuordnen.“

          Um die Besten abzuschöpfen, zahlt Watson Farley & Williams Neueinsteigern ein Jahresgehalt von 90.000 Euro. Wer einen Doktortitel oder einen internationalen Master-of-Laws-Abschluss (LL.M.) hat, steigt sogar noch höher ein. Naumann erzählt, dass er seinen LL.M. in den Vereinigten Staaten gemacht habe. Das sei ein „saugeiles“ Jahr gewesen, sagt er. Der LL.M., findet Pia Hoppe, sei das „Sahnehäubchen“ einer juristischen Vita. Auf der Juracon wirbt Hoppe für einen LL.M. an der australischen Bond University. Der Campus der Privatuniversität liegt im Südosten des Bundesstaats Queensland, wo an 300 Tagen im Jahr die Sonne scheint und laut Hoppe viele Australier ihren Urlaub verbringen. Dort den LL.M. zu machen muss man sich allerdings auch leisten können. 25000 Euro sollte man für das achtmonatige Studium einplanen, rät Hoppe. Dafür sammele man aber jede Menge interkulturelle Kompetenz.

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