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Großbritannien diskutiert : Dürfen Absätze im Beruf Pflicht sein?

Hohe Absätze, bitteschön! Das wurde von einer PWC-Empfangsdame gefordert - und die Frau wegen ihrer flachen Absätze wieder nach Hause geschickt. Bild: dpa

Weil sie in flachen Schuhen zum Dienst kam, wurde eine Empfangsdame von PWC in London postwendend wieder nach Hause geschickt. Ihr Ärger war so groß, dass sie sich wehrte. Und bald muss sich sogar das britische Parlament mit dem Fall beschäftigen.

          Ihr erster Arbeitstag an der Rezeption von PWC in London war schneller vorbei, als Nicola Thorp gedacht hatte: Die Britin wurde von ihren Kollegen nämlich sogleich wieder weggeschickt – weil sie sich erlaubt hatte, in flachen Schuhen zum Dienst zu erscheinen. Gefordert waren Absätze zwischen 5 und 10 Zentimetern. Diese Regel hatte zwar nicht PWC aufgestellt, aber die Zeitarbeitsfirma Portico, die im Auftrag des Wirtschaftsprüfers dessen Rezeption besetzt.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Thorps Ärger über dieses Erlebnis war so groß, dass sie nun für ein gesetzliches Verbot solcher „High-Heel-Vorgaben“ kämpft. Dafür hat sie über eine Online-Petition mittlerweile so viele Unterschriften gesammelt – Stand Freitagnachmittag waren es mehr als 125.000 –, dass sich demnächst das britische Parlament mit dieser Frage beschäftigen muss.

          Teufel im Detail

          Kleidervorschriften sind immer wieder Anlass für Ärger. Auch beim Filmfestival in Cannes sorgte gerade eine angebliche High-Heel-Pflicht des Veranstalters für Aufruhr unter den anwesenden Frauen. Dass im Berufsleben in Positionen mit Kundenkontakt ein gewisser Dresscode einzuhalten ist, darüber dürfte zwar grundsätzlich Einverständnis herrschen. Der Teufel steckt aber wie so oft im Detail. Zuletzt hatten sich etwa die Flugbegleiterinnen von Air France dagegen gewehrt, nach der Ankunft in Iran ein Kopftuch zu tragen. Was die Absatzhöhe der Schuhe angeht, gilt bei der Lufthansa die Regel: Zwischen 3 und 9,5 Zentimeter sollten es sein. Allerdings nur, wenn die Flugbegleiterinnen einen Rock tragen – wer zur Hose greift, darf auch flache Schuhe tragen.

          Portico hat seine Richtlinien mittlerweile so geändert, dass die Mitarbeiterinnen auch absatzlos arbeiten dürfen. PWC wiederum hat angekündigt, alle Verträge mit externen Dienstleistern zu überprüfen, auf dass für deren Mitarbeiter keine anderen Regeln gelten als für die Stammbelegschaft. Und für die gilt: Um angemessene Kleidung wird gebeten – was das ist, bleibt den Mitarbeitern überlassen. Als Zeichen der Wahlfreiheit twitterten PWC-Mitarbeiterinnen am Freitag eifrig „Footies“: Bilder von der Fußbekleidung im Büro. Zu sehen waren jede Menge Ballerinas und auch der ein oder andere Sneaker.

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