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„Gender Pay Gap“ : Umstrittener Lohnunterschied

  • Aktualisiert am

Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen: Wie groß ist er wirklich? Bild: dpa

Warum deutsche Frauen relativ wenig Geld verdienen? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Wie ist die Wirklichkeit hinter den Strukturdaten?

          Erwerbstätige Frauen erhalten in Deutschland durchschnittlich Stundenlöhne von 15,21 Euro, erwerbstätige Männer Stundenlöhne von 19,60 Euro. Das hat das Statistische Bundesamt festgestellt und damit für 2012 einen „Gender Pay Gap“ von 22 Prozent ermittelt. Dieser Abstand ist, wie die Statistiker betonen, „unbereinigt“ - er berücksichtigt nicht, dass Männer zu einem größeren Anteil in Berufen mit hohem Qualifikationprofil sowie in Branchen mit generell höherem Lohnniveau arbeiten.

          Der unbereinigte Abstand liefert daher wenig Hinweise darauf, inwieweit Männer und Frauen auch für gleichartige Tätigkeiten unterschiedlich bezahlt werden. Deutlich ist aber, dass sich der so gemessene Abstand seit 2006 kaum verändert hat. Damals machte er 23 Prozent aus. Und zugleich sind die deutschen Werte im europäischen Vergleich hoch: Nur für Estland und Österreich weist die Statistik noch größere „Gaps“ aus. Der EU-Mittelwert liegt bei 16 Prozent. Italien und Polen haben gar Werte unter zehn Prozent.

          Schwierige Interpretation

          Die Interpretation der Daten ist dennoch schwieriger, als es in der politischen Debatte oft scheint, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer Analyse zeigt: Die geringen gemessenen Unterschiede in Italien und Polen hätten damit zu tun, „dass dort nur relativ wenige Frauen erwerbstätig sind - und insbesondere Frauen mit einem einfachen Bildungsabschluss meist nicht im Beruf stehen“.

          Laut Statistischem Bundesamt verringert sich der rechnerische Abstand hierzulande auf ein Drittel, wenn man ihn um Struktureffekte wie die Berufsunterschiede bereinigt: Dann bleibt ein „Gap“ von 7 Prozent, das zumindest mit den verfügbaren Strukturdaten nicht zu erklären ist.

          Auch hinter den Strukturdaten können freilich Realitäten stehen, über die sich politisch streiten lässt. Laut Statistischem Bundesamt sind hierzulande 85 Prozent der Reinigungskräfte und 65 Prozent der Beschäftigten im Erziehungswesen Frauen. Arbeitsplätze der industriellen Hochlohnbranchen sind dagegen - trotz aller Kampagnen, die Mädchen für die Werkbank begeistern sollen - zu 75 Prozent in Männerhand. Zudem sind 13 Prozent der erwerbstätigen Frauen, aber nur 8 Prozent der Männer ungelernte Arbeitskräfte. Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte am Dienstag ein Gesetz, das Unternehmen verpflichtet, „ihre Entgeltpraxis systematisch zu überprüfen und geschlechtergerecht zu gestalten“.

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