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Gehaltsatlas 2016 : Das verdienen Ingenieure

Bild: F.A.Z.

Ingenieure sind die Stars der Hannover Messe. Ohne sie gibt es keine vernetzten Maschinen für die „Industrie 4.0“. Deshalb sind auch die Gehälter in dieser Branche vielversprechend. Aber wo in Deutschland gibt es am meisten Geld?

          Sie sind die eigentlichen Stars der Hannover Messe: die Ingenieure. Wenn in diesen Tagen auf dem führenden Industrietreffen der Welt die neuesten Maschinen eine große Bühne bekommen, dann wird dort auch immer die Leistung ihrer Entwickler bestaunt. In diesem Jahr lockt „Made in Germany“ sogar Amerikas Präsidenten Barack Obama über den Großen Teich – ein bekennender Anhänger des deutschen Ausbildungs- und Bildungssystems.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Ingenieure sind das Rückgrat der deutschen Industrie. Ohne sie gibt es keine vernetzten Maschinen für die „Industrie 4.0“. Die Digitalisierung der Produktion wird auch in diesem Jahr in Hannover im Mittelpunkt stehen. Die Ingenieure sorgen mit ihren Innovationen dafür, dass deutsche Produkte im Ausland so begehrt sind wie nie zuvor – obwohl der Hochlohnstandort Deutschland über die Preise nicht mit anderen Ländern und Regionen konkurrieren kann. In der Produktion sind deshalb schon viele Bereiche ins Ausland abgewandert, und die Arbeitgeber drohen angesichts hoher Lohnforderungen der Gewerkschaften mit weiteren Verlagerungen. Im Bereich Forschung und Entwicklung aber ist Deutschland für viele Unternehmen weiterhin jeden Euro wert: Von ausgezeichneten Hochschulen bis hin zu Kompetenzclustern verfügt das Land über eine Infrastruktur für technisches Knowhow, das auf der Welt seinesgleichen sucht.

          Diese zentrale Bedeutung von Ingenieuren in der Wirtschaft macht sich in der Vergütung bemerkbar. Auch wenn die Debatte über die drohende Ingenieurlücke in den vergangenen Jahren deutlich leiser geworden ist – was auch mit den steigenden Studentenzahlen in den entsprechenden Fachrichtungen zu tun hat –, so bleiben die Technikspezialisten am Arbeitsmarkt gefragt, wie der aktuelle Gehaltsatlas der F.A.Z. und der Hamburger Vergütungsberatung Gehalt.de zeigen. Demnach entwickeln sich die Gehälter in diesem Jahr besonders gut. „Wir rechnen mit einem Gehaltsplus von gut drei Prozent und dadurch mit dem stärksten Anstieg in den vergangenen fünf Jahren“, sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de. Demnach steigt der durchschnittliche Jahresverdienst eines Ingenieurs in Deutschland auf fast 67.400 Euro. Das bedeutet einen Anstieg innerhalb von zehn Jahren von rund 22.000 Euro. Nur nach der Weltfinanz- und -wirtschaftskrise gab es in der Gehaltsentwicklung eine kleine Delle.

          Auf nach Süddeutschland!

          Für den Gehaltsatlas wurden in diesem Jahr Vergütungssätze von mehr als 320.000 Ingenieuren mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung ausgewertet. Berücksichtigt wurden das Grundgehalt sowie variable Bestandteile. Wer als Ingenieur nach den absolut höchsten Gehältern sucht, der wird in Süddeutschland fündig. „Stuttgart, Erlangen und Frankfurt sind nach wie vor die lohnstärksten Regionen für Ingenieure“, sagt Vergütungsexperte Bierbach. „Hier liegen die Gehälter rund 20 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.“

          In Stuttgart treibt die starke Automobilbranche die Gehälter in die Höhe. Ebenso wie in Erlangen, wo der Großarbeitgeber Siemens eine besondere Rolle spielt, hat der Durchschnittsverdienst in der schwäbischen Metropole erstmals die Marke von 80.000 Euro geknackt. Und das drittplazierte Frankfurt liegt auch nur ganz knapp darunter. Mit München und Mannheim/Ludwigshafen folgen weitere Regionen unterhalb der Main-Linie. In Düsseldorf lassen sich die höchsten Vergütungen im Westen herausschlagen, und Wolfsburg liegt dank des Automobilkonzerns Volkswagen im Norden vorne.

          Mit deutlich weniger müssen sich Ingenieure in Ostdeutschland zufriedengeben. In Berlin können immerhin noch fast 60.000 Euro erzielt werden, und auch Jena ragt dank Jenoptik mit etwas weniger noch heraus. Ein Trost mag sein, dass die Lebenshaltungskosten zwischen Sachsen und der Ostsee ebenfalls deutlich niedriger sind als im Süden der Republik. Wie stark die Digitalisierung der Wirtschaft die Nachfrage treibt, zeigt die Entwicklung der Gehälter nach Branchen. Die mit Abstand höchsten Durchschnittsvergütungen bieten die Halbleiterindustrie sowie die Telekommunikationsbranche. Etwas überraschend fällt aus Sicht von Vergütungsberater Bierbach in diesem Jahr das deutliche Plus in der Chemiebranche aus, obwohl dieser Bereich nur schwach wachse.

          Nach Fachrichtungen sind derzeit besonders die Fachleute für Fahrzeugtechnik begehrt. Ebenso wie bei der hohen Nachfrage nach Elektrotechnikern dürfte hier die Entwicklung von E-Autos inklusive komplett neuer Antriebstechniken eine große Rolle spielen. Aber auch Produktionsingenieure bleiben gefragt, was der Anpassung der Abläufe geschuldet ist. Mit deutlich weniger Gehalt müssen dagegen Bauingenieure und Statiker planen. Immerhin sichert der durch die lange Niedrigzinsphase beflügelte Bauboom in Deutschland auf absehbare Zeit eine gute Auftragslage.

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