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Ermittler in Unternehmen : Jäger des verschwundenen Geldes

Tatort Büro: Investigative Mitarbeiter spüren neuerdings anrüchigend Geschäftspartnern oder dubiosen Transaktionen nach. Bild: Hannes Jung

Ob Geldwäsche oder interne Mauscheleien - Unternehmen müssen prüfen, mit wem sie Geschäfte machen. Sie nutzen dazu viel Technik und private Ermittler. Ein neuer Berufszweig entsteht.

          Mossack Fonseca - Momente größer Spannung erlebt, wer diesen Namen in die Kundenverwaltungs-Software des eigenen Unternehmens eintippt. Bei „Fehlanzeige“ kann man sich erleichtert in den Drehstuhl sacken lassen. Anderenfalls ist der Tag gelaufen. Die in Panama ansässige Kanzlei versorgt internationale Kunden mit Tausenden Briefkastenfirmen. Wenn solche Scheingesellschaften für Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder Terrorfinanzierung missbraucht werden, hängt womöglich das eigene Unternehmen mit drin. Schließlich müssen Chefs wissen, mit wem sie sich einlassen und wer hinter großen Transaktionen steckt. „KYC“ heißt das im Fachjargon, know your customer. Das Geflecht von Berichts- und Prüfpflichten wird mit jedem Skandal strenger. Viele Arbeitgeber rüsten sich: Computeranalysen, Eskalationspläne und interne Ermittler helfen ihnen, den eigenen Laden sauber zu halten.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

          Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Denn Geld, das auf kriminellem Wege erwirtschaftet wurde, muss irgendwann aus dem Schatten ans Licht gebracht, also gewaschen werden, wie Sebastian Okada erläutert. „Das geschieht im Wesentlichen offshore“, erklärt der Leiter für Ermittlungen beim Spezialisten Corporate Trust in München. Also in Übersee. In Deutschland beträgt der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt etwa 10 Prozent, was dem Mittelfeld im aktuellen OECD-Vergleich entspricht. Andere Schätzungen sehen weit höhere Quoten, besonders in asiatischen und afrikanischen Ländern.

          Die Informationstechnologie macht alles schneller, gedrängter, unübersichtlicher. „Häufig geht es um etliche Millionen Transaktionen“, sagt Günter Degitz, Forensiker bei der Beratungsgesellschaft AlixPartners. Im Verdachtsfall müssten bis zu 40 Millionen E-Mails gesichtet werden. „Da müssen Sie technisch extrem gut sein.“ Daten müssen möglicherweise wiederhergestellt werden, oder man müsse herausfinden, wann welcher Mitarbeiter an welchem Rechner eine bestimmte Software genutzt habe. „Wir müssen aus einem Verdacht einen Sachverhalt machen.”

          „Auch Mittelständler müssen aufpassen“

          Nach Angaben von Degitz geht es um drei Themen: die Beachtung von Listen zur Terrorfinanzierung, das Beachten von Sanktionen und schließlich Geldwäsche. „Auch Mittelständler müssen aufpassen“, warnt er, „mit der Expansion steigen die Risiken“. Zu Beginn hätten die Chefs ihre Zentrale im Griff und würden fast jeden Mitarbeiter kennen. Über die Compliance, also die Beachtung von Regeln, steuert jeder Betrieb zudem das Verhalten seiner Mitarbeiter. „Dann übernimmt ein Käufer aus Russland eine Vertriebsgesellschaft oder drei Werke in China“, beschreibt Degitz ein typisches Szenario, „damit ergeben sich ganz neue Unternehmenskulturen.“ Bei großen Konzernen gebe es bisweilen Hunderte Mitarbeiter, die sich nur um Exportkontrolle kümmerten, sagt Degitz, Mittelständler hätten dagegen zwei bis drei Mitarbeiter pro tausend für einen Audit.

          Natürlich kann nicht jedes Geschäft mit gleicher Intensität geprüft werden. Banken gehen meist in drei Stufen vor: von der oberflächlichen Prüfung eines zunächst unverdächtigen Deals bis hin zur investigativen Aufklärung großer Transaktionen. Die Unternehmen stützen sich dabei auf hochentwickelte Computerprogramme wie „Actimize“, die Transaktionen auf Geldwäscheverdacht scannen oder „Pelican“, das nach sanktionierten Ländern filtert. Hier werden jedoch nur Namen geprüft.

          Wenn eine Person den Suchkriterien entspricht, wird diese Überweisung zunächst blockiert. „Es gibt auf dieser Ebene 90 Prozent oder mehr false positives“, sagt Degitz. Also Fehlalarme. Sie werden schnell erkannt. So kann etwa ein Schiffsname dem eines Terroristen entsprechen. „Die Namen und Spitznamen von Terroristen sind oft sehr geläufig“, sagt Degitz. Kommt es zu einem aktuellen Anschlag wie etwa in Paris, werden die Namen kurzfristig eingepflegt und dann zwei Wochen rückwirkend geprüft. „Mossack Fonseca wurde auch entsprechend geprüft“, ist der Berater überzeugt.

          Woher kam das Geld?

          Bleiben nach der Recherche jedoch Zweifel, wird der Fall an Spezialisten weitergereicht. Diese können dann zur Abklärung auch mit Kundenberatern sprechen. „Ab hier prüfen wir die Story“, sagt Okada. Woher kam das Geld? Welche Regionen sind an der Transaktion beteiligt? Wie oft finden ähnliche Deals statt? Was ist der Geschäftszweck? Oder auch: War das eine richtige Zahlung?

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