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Elternzeit : Kein Verlass mehr auf die Männer

Spielplatz statt Büroturm: Viele Väter wollen sich mehr engagieren. Bild: Frank Röth / F.A.Z.

Unternehmen erleben einen Ansturm von Vätern, die in Elternzeit gehen wollen. Sogar agile Fünfzigjährige tauchen zuweilen in den Büros ihrer Chefs auf und fordern Baby-Auszeiten. Nur die wenigsten Betriebe sind darauf vorbereitet.

          Es ist nicht lange her, da galten Unternehmen schon als familienfreundlich, wenn sie Frauen im gebärfähigen Alter eine Festanstellung anboten. Immerhin signalisierte der Arbeitgeber damit: Wir nehmen fast schon zwangsläufig lange Fehlzeiten in Kauf, womöglich sogar mehrmals, um einem übergeordneten gesellschaftlichen Ziel zu dienen. Das Land braucht schließlich Kinder, und die gibt es nur mit Müttern, die zumindest temporär ihrem beruflichen Einsatzort fernbleiben. Auf die Männer hingegen war immer Verlass - bis Ursula von der Leyen mit dem Elterngeld und den damit verbundenen Vätermonaten um die Ecke kam. Seitdem gibt es auch finanzielle Anreize, sich um den Nachwuchs zu kümmern: Der Staat übernimmt immerhin 65 Prozent des durchschnittlichen Nettoverdienstes, maximal 1800 Euro im Monat.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Seit fast sieben Jahren gibt es das Elterngeld, und seither hat sich die Welt nicht nur auf den Spielplätzen drastisch geändert. Auch in den Unternehmen hat das neue väterliche Engagement zu Umwälzungen geführt. Doch in die Freude über den gesellschaftlichen Wandel mischt sich zunehmend Frustration. „Männer sind inzwischen ähnlich unberechenbar wie Frauen“, resümieren Diversity-Managerinnen übereinstimmend. An die Öffentlichkeit trauen sie sich mit dieser Erkenntnis trotzdem nicht. Dabei können Personalverantwortliche, die in Unternehmen die Vielfalt fördern wollen, damit zufrieden sein. Nur wenig hat der Gleichberechtigung in den vergangenen Jahren so sehr auf die Sprünge geholfen wie die Vätermonate.

          Längst vorbei ist die Zeit, in der die alte Regel galt: Mütter dienen der Familie, Väter dem Unternehmen. Die Unberechenbarkeit beschränkt sich mittlerweile auch längst nicht mehr auf Mitarbeiter in der Altersgruppe um die 30. Dem männlichen Vermehrungsdrang sind schließlich nur wenige natürliche Grenzen gesetzt. Selbst agile Fünfzigjährige sitzen inzwischen bei ihren Chefs im Büro, schwärmen vom neuesten Nachwuchs, der das halbe Dutzend komplettiert, und melden ihre Auszeit an. Die Vorbereitungszeit der Arbeitgeber ist schon von Gesetzes wegen deutlich eingeschränkt: Während Frauen ihren Arbeitgeber schon spätestens nach der 12. Woche über ihre Schwangerschaft informieren sollten, können sich Väter naturgemäß wesentlich länger Zeit lassen: Spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit muss das Unternehmen darüber informiert werden. Auch die Verlängerungsregeln, die sowohl für Mütter als auch für Väter gelten, sind hinreichend flexibel. Hat man sich einmal festgelegt, muss der Arbeitgeber bei einer Verlängerung oder Verkürzung der Elternzeit zwar zustimmen. Allerdings muss er bei dieser Entscheidung „billiges Ermessen“ anwenden. Ein kategorisches „Nein“ reicht nicht.

          Zahl der Männer in Elternzeit hat sich mehr als verfünffacht

          Familien und insbesondere Frauen mögen jubeln, doch vielen Vorgesetzten treibt die fröhliche Familienzusammenführung auf ihre Kosten die Zornesröte ins Gesicht - selbstverständlich nur hinter verschlossener Tür. Seit der Einführung des Elterngeldes 2007 hat sich die Zahl der Männer in Elternzeit mehr als verfünffacht. Inzwischen nimmt rund ein Viertel aller frischgebackenen Väter mindestens eine Auszeit von zwei Monaten, wie das Statistische Bundesamt für 2012 vermeldete. Auf diesen Zug sind die Großkonzerne schon längst aufgesprungen. „Dort herrscht eine Aufbruchstimmung“, beobachtet Volker Baisch, Geschäftsführer des Hamburger Beratungsunternehmens Väter GmbH. Vätermonate gehören dort inzwischen zum guten Ton, manche werden sogar regelrecht dazu gedrängt. Jeder Vater in Elternzeit rückt das Unternehmen in ein familienfreundlicheres Licht.

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