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Einstiegsgehälter : Am besten Doktor, Ingenieur oder Banker

  • Aktualisiert am

Bild: WSI-Lohnspiegel-Datenbank

Welche Hochschulabsolventen verdienen die höchsten Einstiegsgehälter? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine neue Studie. Das Ergebnis: Master und Promotion bringen durchaus etwas. Aber auch die Branche ist entscheidend.

          Doktor, Master oder Bachelor - die Unterschiede in den Hochschulabschlüssen schlagen sich durchaus in den Einstiegsgehältern junger Hochschulabsolventen nieder. Das besagt eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Das Institut hat dafür per Online-Befragung rund 4300 Hochschulabsolventen mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung interviewt.

          Das Ergebnis: Junge Hochschulabsolventen erhalten im ersten Jahr ihrer Berufstätigkeit im Durchschnitt ein Bruttogehalt (ohne Sonderzahlungen) von rund 3400 Euro im Monat. Doch die Einkommen variieren sehr stark in Abhängigkeit vom Hochschulabschluss. An der Spitze liegen Berufsanfänger mit Promotion mit einem Durchschnittsgehalt von rund 4220 Euro, gefolgt von Absolventen mit einem Uni-Masterabschluss mit rund 3680 Euro. Eine mittlere Position nehmen Absolventen mit Bachelorabschluss an einer Fachhochschule mit rund 3300 Euro ein, am Ende stehen Berufsanfänger mit Magisterabschluss mit rund 2620 Euro.

          Die Studie zeigt auch, in welchen Berufen die höchsten Einstiegsgehälter erzielt werden. An der Spitze liegen hier die liegen Elektroingenieure mit einem durchschnittlichen Monatseinkommen von rund 4540 Euro, gefolgt von Wirtschaftsingenieuren mit rund 4290 Euro. Diplomkaufleute erreichen im Durchschnitt 3750 Euro, Juristen 3730 Euro. Weniger hoch sind die Einkommen im ersten Jahr für Soziologen - im Durchschnitt liegen sie bei rund 3010 Euro je Monat - und für Sozialpädagogen mit rund 2760 Euro je Monat. Ganz am Ende der Liste finden sich die Architekten mit einem durchschnittlichen Einstiegsgehalt von etwa 2460 Euro monatlich.

          Wer auf der Suche nach einer Branche ist, die Berufseinsteigern viel Geld zahlt, sollte sich der Untersuchung zufolge am besten bei einer Bank bewerben. Mit rund 4400 Euro durchschnittlichem Monatsgehalt im ersten Jahr liegt der Bankensektor im Branchenvergleich an der Spitze. Es folgt der Fahrzeugbau mit rund 4380 Euro und die chemische Industrie mit rund 4350 Euro. Im mittleren Bereich liegen die Datenverarbeitung mit rund 3525 Euro, die unternehmensbezogenen Dienstleistungen mit rund 3330 Euro und die öffentliche Verwaltung mit 3300 Euro. Vergleichsweise schlecht verdient wird in der Bauwirtschaft mit rund 2990 Euro, aber auch in der Druckindustrie und den Verlagen mit 2970 Euro. Noch weniger zahlt die Kultur-, Sport- und Unterhaltungsbranche mit etwa 2650 Euro.

          Frauen verdienen von Anfang an schlechter

          Auch bei den Akademiker-Einstiegsgehältern bestehen nach wie vor klare Unterschiede zwischen Frauen und Männern: Die Einstiegsgehälter der Akademikerinnen liegen mit durchschnittlich 2966 Euro rund 713 Euro unter denen der männlichen Akademiker. Dies macht einen Einkommensnachteil gegenüber den Männern von 19,4 Prozent aus. Knapp 40 Prozent der Absolventen sind Frauen.

          Eine befristete Beschäftigung ist im ersten Berufsjahr der Untersuchung zufolge für Akademiker relativ üblich. Etwa 34 Prozent der Befragten mit bis zu einem Jahr Berufserfahrung stiegen zunächst mit einem befristeten Arbeitsvertrag ein. Ihr monatliches Durchschnittseinkommen beträgt  2941 Euro. Es fällt damit gut 19 Prozent niedriger aus als das Einkommen von unbefristet beschäftigten Berufseinsteigern mit 3640 Euro.

          In der Studie zeigt sich auch ein deutliches Ost-West-Gefälle bei den Einstiegsgehältern: Während Hochschulabsolventen mit bis zu einem Jahr Berufserfahrung in Westdeutschland durchschnittlich 3537 Euro erhalten, bekommen sie in Ostdeutschland nur 2861 Euro. Damit verdienen Akademiker in den neuen Bundesländern im Durchschnitt rund 19 Prozent weniger als ihre Kollegen in den alten Bundesländern.

          Rund 48 Prozent der Absolventen geben an, dass der Betrieb, in dem sie arbeiten, an einen Tarifvertrag gebunden ist. Während Akademiker mit bis zu einem Jahr Berufserfahrung in einem Betrieb mit Tarifbindung durchschnittlich 3757 Euro verdienen, sind es bei denjenigen in Betrieben ohne Tarifbindung rund 3116 Euro. Das macht einen Einkommensnachteil von 641 Euro oder 17,1 Prozent aus.

          Überstunden sind üblich

          Mehr Zeit am Schreibtisch zu verbringen als eigentlich im Vertrag vereinbart gehört für mehr als die Hälfte der Berufsanfänger dazu: Rund 58 Prozent der befragten Akademiker mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung gaben an, regelmäßig Überstunden zu machen. Bei den Nicht-Akademikern mit ähnlicher Berufserfahrung sind es 49 Prozent.

          Trotzdem zeigten sich die Akademiker mit ihrer Arbeit zufriedener als Nicht-Akademiker. Für die Studie sollten sie auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht zufrieden) bis 5 (in jeder Hinsicht zufrieden) ihr Wohlbefinden im Job beziffern. Akademiker kamen dabei auf einen Durchschnittswert von 3,69, Nicht-Akademiker nur auf 3,47. Darüber hinaus gaben die Akademiker an, zufriedener mit ihrer Bezahlung zu sein, als die Nicht-Akademiker.

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