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Bosch-Chef Volkmar Denner : „Geld wirkt demotivierend“

  • Aktualisiert am

Zum Interview kommt er noch mit Krawatte: Volkmar Denner Bild: Verena Müller

Bei Bosch beginnt ein neue Zeit: Konzernchef Volkmar Denner schafft die Boni ab. Und den Krawattenzwang. Ein Gespräch über Stil und neue Sitten.

          Herr Denner, hoppla, Sie tragen Krawatte. Hat Bosch die nicht abgeschafft?

          Ich habe sie nur für dieses Interview mit Ihnen angelegt, sonst trägt hier tatsächlich kaum noch jemand Krawatte.

          Weil Sie die Krawatte unter Strafe gestellt haben?

          Nein, überhaupt nicht, es gibt keine Anordnung. Jeder soll es halten, wie er mag. So frei wünsche ich mir Bosch. Wir müssen dazu keinen neuen Dresscode erlassen. Ich habe lediglich voriges Jahr in einer Klausur der Geschäftsführer angeregt, den bisherigen Krawattenzwang abzuschaffen.

          Warum?

          Weil ich weiß, dass zum Beispiel in der Startup-Szene Schlipsträger als rückständig gelten.

          Was muss Bosch das kümmern? Sie sind ein stolzer Traditionskonzern in der Automobilindustrie mit fast 130 Jahren Geschichte.

          Aber ich möchte im Unternehmen eine Startup-Kultur etablieren. Ich möchte, dass wir ständig Neues wagen. Und das Hemd ohne Krawatte ist nun mal ein wichtiges Signal für diese andere Kultur. In der Hightech-Industrie trägt keiner Krawatte, in der traditionellen Automobilbranche auch immer weniger.

          Warum wollen jetzt alle so sein wie die coolen Gründer im Silicon Valley?

          Weil auch wir unter dem Dach eines Großunternehmens Ideen haben, die wir agil und schnell wie ein Start-up an den Markt bringen wollen. Das E-Bike ist nur ein Beispiel für solch einen Erfolg. Davon gibt es viele mehr. Wir haben bewiesen: Wir können mit den eigenen Leuten erfolgreiche Startups gründen.

          Viele Topmanager sagen: Neue Ideen müssen von außen kommen, das geht nicht innerhalb der Hierarchien eines Großkonzerns. Deswegen führt kein Weg daran vorbei, hin und wieder junge Firmen zu kaufen.

          Diese These ist widerlegt. Die Bosch-Mitarbeiter können auch Startup. Sie müssen nur anders geführt werden, andere Freiräume haben. Auch das beherrschen wir. Dazu haben wir voriges Jahr eine Startup-Plattform gegründet, im Moment mit drei jungen Firmen. Die agieren wie Startups, nur haben die Mitarbeiter die Sicherheit eines Großunternehmens.

          Das ist doch schizophren: Entweder genießt man die Freiheit eines Startups oder den Komfort eines Großkonzerns.

          Nein, das sehe ich anders. Wir können beides bieten. Unsere Startups haben den gleichen Druck, am Markt zu bestehen, wie unabhängige Firmen. Wir nehmen ihnen nur alles ab, was nichts mit ihrer Geschäftsidee zu tun hat - sie müssen sich nicht um Räume oder Finanzierung kümmern. So können sie sich vom ersten Tag an auf das Geschäft konzentrieren.

          Und wenn sie scheitern, fallen sie zurück in die Bosch-Hängematte?

          Sie bleiben Bosch-Mitarbeiter, leben wie richtige Startup-Unternehmer, im Gefühl, das ist ihre Firma. Um diesen Spirit zu stärken, mieten wir auch externe Räumlichkeiten außerhalb des Bosch-Geländes für die Teams an. Wenn es nicht klappt, stellen wir das Projekt ein und hängen das Firmenschild wieder ab, sei es in Leonberg oder im Silicon Valley, wo wir übrigens auch ein eigenes Forschungszentrum haben. Der bei Startups übliche finanzielle Druck ist nicht nötig, um Erfolg zu haben. Unsere Leute tun alles, damit sie nicht scheitern, gerade so, als ginge es um ihr eigenes Geld.

          Sind Sie da sicher? Wenn der echte Gründer eine Superidee hat, ist er im besten Fall morgen Milliardär. Wenn nicht, ist er womöglich pleite - diese Szene zieht andere Leute an, mit einer anderen Motivation als Bosch.

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