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Bildungsrenditen : So reich macht das Studium wirklich

Bildung ist immer gut, auch für das Konto Bild: F.A.Z.

Bildung zahlt sich im Berufsleben aus, heißt es. Aber stimmt das überhaupt? Oder heißt die Realität für viele Akademiker prekäre Beschäftigung und Niedriglohn? Wir haben nachgerechnet.

          Es ist der Albtraum aller Eltern: Das eigene Kind hat eine gute Ausbildung genossen oder studiert, die Vorbereitung aufs Berufsleben hat viel Zeit und Geld gekostet, aber schließlich ist Bildung ja die beste Investition in die Zukunft. Heißt es zumindest allenthalben. Und dann das: Statt sich in einer gutdotierten Festanstellung zwischen interessanten Karriereperspektiven entscheiden zu können, muss sich der Nachwuchs von einem Gelegenheitsjob zum anderen hangeln, miese Bezahlung inklusive. Immer wieder erzählen Betroffene solche Geschichten in den Medien, und es drängt sich die Frage auf: Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Ja, sagt Heiko Stüber pauschal, „Bildung lohnt sich ein Leben lang“. Der Wissenschaftler vom staatlichen Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat vor kurzem mit einer Untersuchung zum Thema eine Menge Aufmerksamkeit erregt. Zusammen mit seinem Kollegen Joachim Schmillen hat Stüber mit Blick auf das gesamte Arbeitsleben ausgerechnet, was unterschiedliche Qualifikationen in barer Münze wert sind. Ihre Ergebnisse sind eindeutig: Je höher der Abschluss, desto mehr zahlt er sich aus. Im Durchschnitt verdient ein Akademiker demnach in seinem gesamten Berufsleben mehr als 2,3 Millionen Euro. Das sind rund 1,2 Millionen Euro mehr als Personen ohne Berufsausbildung. Diese Bildungsprämie liegt für Fachhochschüler bei 900.000 Euro, für Abiturienten bei einer halben Million Euro, und wer eine Berufsausbildung in der Tasche hat, verdient auch noch eine viertel Million mehr als der ungelernte Kollege.

          Die Berechnungen gehen davon aus, dass Akademiker mit 26 Jahren ins Berufsleben einsteigen und damit deutlich später als andere Gruppen. Für Personen mit Berufsausbildung etwa liegt die Schwelle bei gerade mal 19 Jahren. Doch holen Akademiker diesen Verdienstnachteil auf - zunächst langsam, im Alter zwischen 30 und 40 Jahren dann deutlich stärker, wenn die größeren Gehaltssprünge kommen. Mit zunehmender Nähe zum Rentenalter sinkt bei Akademikern das durchschnittliche Jahresentgelt sogar deutlich, während der Verlauf bei Personen mit Berufsausbildung einen sanften, dafür aber nahezu linearen Anstieg während des gesamten Berufslebens anzeigt.

          Ein Aufruf, dass möglichst viele studieren sollen?

          Kritiker bemängeln an solchen Rechnungen, sie leisteten dem „Akademisierungswahn“ in Deutschland Vorschub, weil sie junge Menschen Flausen in den Kopf setzten von hohen Gehältern und diese ihren Bildungsweg nur noch nach den Verdienstaussichten auswählten. Dem dualen Ausbildungssystem gingen dagegen die Bewerber aus, was sich zu einem Fachkräfteengpass für die deutsche Wirtschaft auszuwachsen drohe. Stüber weist solche Vorwürfe zurück: „Das ist kein Aufruf, dass jeder jetzt studieren muss.“ Berufswahl müsse weiterhin in erster Linie nach Vorlieben und Interessen erfolgen. Außerdem biete auch die Ausbildung interessante Karriere- und damit Verdienstchancen. Auf Anfrage der Handwerkskammer haben die Wissenschaftler zusätzlich die Verdienste von Meistern und Polieren berechnet. Das Ergebnis überrascht: Dies - allerdings recht kleine - Gruppe kommt im Laufe ihres Erwerbslebens auf knapp 1,9 Millionen Euro und liegt damit gleichauf mit Fachhochschülern. Weiterbildung lohnt sich also auch.

          Stüber weist auf weitere wichtige Punkte hin bei der Interpretation der Daten. Denn die Berechnungen gehen von der Annahme aus, dass die Personen durchgehend vollzeitbeschäftigt sind. Außerdem handelt es sich um Durchschnittswerte. Hinter dem Akademiker versteckt sich der Ingenieur genauso wie die Kulturwissenschaftlerin, die Topjuristin und der Germanist. Auch bei den Berufsausbildungen gibt es solche Unterschiede. „Berechnen können wir die Verdienstunterschiede nicht, gehen aber von einer enormen Spreizung aus“, sagt Stüber. Existieren die Bildungsvorteile also doch eher auf dem Papier als im Portemonnaie?

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