https://www.faz.net/-gyl-7ycjd

Überwachung von Mitarbeitern : Den Untergebenen auf der Spur

Fußspuren nehmen? Gehört nicht unbedingt zur Arbeit von Detektiven. Eher stundenlanges Beschatten im Kastenwagen. Bild: AFP

Ständig krank, in die Kasse gegriffen: Wenn Arbeitgeber dem eigenen Personal nicht mehr vertrauen, kommen Detektive ins Spiel. Sie sollen beweisen, dass die Trennung unumgänglich ist. Doch wie weit darf das Bespitzeln gehen?

          Schwer zu sagen, was schlimmer ist: die Langeweile oder die Kälte. Jochen Meismann hat viel Zeit, darüber nachzudenken, während er wartet und friert. Er ist dick eingepackt, aber so ganz ohne Bewegung wird es trotzdem kalt, spätestens nach ein paar Stunden. Immerhin gibt es heute MP3-Player und Akkus, die den ganzen Tag halten. Früher gab es Kassettenspieler und das Autoradio, und wenn es zu lange lief, war irgendwann die Batterie leer. Meismann ist seit über drei Jahrzehnten Detektiv.

          Constantin van Lijnden

          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          In seiner Laufbahn hat er keine ominösen Hintermänner in dunklen Gassen getroffen und keine Geldkoffer von windigen Auftraggebern angenommen - das eine oder andere Angebot gab es allerdings. Dafür hat er andere Qualitäten entwickelt. Sitzfleisch zum Beispiel und die Fähigkeit, nach stundenlangem, einschläferndem Nichtstun plötzlich hellwach zu sein.

          „Ich kenne keinen anderen Beruf, bei dem Darstellung und Wirklichkeit so weit auseinanderfallen“, sagt der 52-Jährige. „Die Öffentlichkeit hält unser Gewerbe für spannend und zwielichtig, dabei ist es seriös und langweilig.“ Meistens zumindest. Doch irgendwann bewegt sich was: Ein Licht geht aus, eine Tür öffnet sich, ein Auto fährt los. Dann muss es schnell gehen. Einmal, in Jugendjahren, hat Meismann bei der Verfolgung eines Fahrers einen Unfall verursacht. Ein anderes Mal sprang sein Wagen nicht an: Er hatte vorher zu lange Radio gehört.

          Hinterher in die Diskothek

          Doch die wenigsten Detektive sind Fahranfänger. Bei der Detektei A Plus, deren Geschäftsführer Meismann ist, sind nur zwei Mitarbeiter unter 30 Jahre alt, durchaus typisch für die Branche. „Über die Hälfte unserer Leute sind pensionierte Polizisten oder Nachrichtendienstler, die nicht für den Ruhestand geschaffen sind“, sagt Meismann. „Dadurch haben wir viel Lebenserfahrung und kriminalistische Expertise - aber auch Schwierigkeiten, wenn wir einer Zielperson in eine Diskothek oder an sonst einen Ort mit jugendlichem Publikum folgen wollen.“

          Das kann schon einmal vorkommen. Denn die „Zielpersonen“, die Meismann und seine Kollegen überwachen, sind oftmals Arbeitnehmer, die ihre Zeit an den unterschiedlichsten Orten und mit Tätigkeiten verbringen, die so im Arbeitsvertrag bestimmt nicht vorgesehen sind. Gerade bei vermeintlich Dauerkranken bestätige sich der üble Verdacht in vier von fünf Fällen, behauptet Meismann.

          Aufträge aus der Wirtschaft oder von Anwaltskanzleien machen heute den Löwenanteil der Detektivmandate aus - rund 70 Prozent nach einer Mitgliederbefragung des Bundesverbands Deutscher Detektive. Das war nicht immer so: Bis in die späten siebziger Jahre trieben private Aufträge, besonders wegen vermuteter Untreue, die Umsätze. Auch deshalb, weil bis 1977 im Eherecht die Vorstellung galt, dass eine Scheidung von einem der Partner verschuldet sein müsse - mit weitreichenden Konsequenzen für das Sorgerecht und die Unterhaltsansprüche.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Merkel auf dem UN-Klimagipfel : Sorge vor dem Zorn an der Zapfsäule

          Mit ihrem Klimapaket enttäuschte die Bundesregierung viele. Auch in New York steht Merkel unter Rechtfertigungsdruck. Sie verweist auf die Bevölkerung – und den Unterschied zwischen Politik und Wissenschaft.

          AKK in Amerika : Im Leer-Jet zum Pentagon

          Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer reist zum ersten Mal nach Washington. Ihr Terminplan überrascht – vor allem, wen sie alles nicht trifft.

          Pendlerpauschale : Habecks Eigentor

          Es sei doch sympathisch, wenn Politiker mal zugeben, dass sie keine Ahnung haben, heißt es. Das stimmt – bei Robert Habeck und der Pendlerpauschale aber ist es fatal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.