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Arbeitszeitgesetz : Nach zehn Stunden ist Schluss

Darf keine Restaurants von Daimler mehr betreiben - wegen Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz: Köchin Sarah Wiener Bild: Christian Schmid/laif

Kaum ein Gesetz wird häufiger gebrochen als das Arbeitszeitgesetz. Verstöße wurden bislang eher lax geahndet. Das hat sich geändert, wie die Köchin Sarah Wiener erfahren musste.

          In Deutschland gibt es ein kurioses Gesetz. Es heißt „Arbeitszeitgesetz“ und schreibt für Arbeitnehmer vor: eine „werktägliche“ Arbeitszeit von acht, ausnahmsweise zehn Stunden, dazu eine Pause von mindestens 30, wenn nicht gar 45 Minuten. Außerdem elf Stunden Ruhezeit zwischen zwei Einsätzen. Das Problem: Es ist das Gesetz, gegen das in Deutschland wohl am häufigsten verstoßen wird, wenn man mal von Geschwindigkeitsüberschreitungen im Straßenverkehr absieht.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          In Zeiten guter Unternehmensführung (Corporate Governance) und mit der neuen Erkenntnis, dass Regeln auch einzuhalten sind (Compliance), ändert sich das nun langsam.

          So greifen Großkonzerne, die um ihren guten Ruf als Arbeitgeber und - noch wichtiger - Geschäftspartner fürchten, nun durch. Das bisher eindrücklichste und vielleicht kurioseste Beispiel: Fernsehköchin Sarah Wiener, Inhaberin mehrerer Restaurants, die bisher eher durch saisonale und regionale Küche und der Prämisse „Vernunft und Wohlbefinden“ von sich reden machte.

          Daimler greift hart durch

          Die Sarah Wiener Gruppe betrieb bis vor kurzem Restaurants des Stuttgarter Daimler-Konzerns und handelte sich damit erheblichen Ärger ein - eben durch Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz. Es habe sich um Ausnahmen gehandelt, als Mitarbeiter sehr kurzfristig ausgefallen seien, erklärte die Sarah Wiener Gruppe. Daimler zeigte sich da wenig zimperlich: Bei einer Überprüfung des Betriebs waren die Verstöße aufgeflogen.

          Und obwohl die Sarah Wiener Gruppe beteuert, dass die Mängel abgestellt wurden, kündigte der Konzern die Verträge. Daimler weiß eben ganz genau, wie schnell Konflikte mit dem Arbeitsrecht am Image kratzen können. Vor knapp zwei Jahren prasselte Kritik auf den Autobauer ein, weil er Mitarbeiter mit Scheinwerkverträgen beschäftigte, anstatt sie fest anzustellen.

          Seitdem unterzieht das Unternehmen alle Werkverträge einer gründlichen Überprüfung. Wie nachhaltig die Konsequenzen daraus sind, muss sich allerdings erst noch zeigen: Der Betrieb des Restaurants in Stuttgart wird zwar nicht mehr von einem Unternehmen der Sarah Wiener Gruppe geführt, sondern im Auftrag von Daimler selbst. Das Team ist jedoch das gleiche - inklusive des Niederlassungsleiters, der für die Dienstpläne verantwortlich war.

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