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Rechte von Beschäftigten : Wie stark umsorgt Deutschland seine Arbeitnehmer?

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Rechte für Väter: Anderswo gibt es noch großzügigere Regeln als in Deutschland. Bild: Frank Röth

Mutterschutz, Elternzeit, gesetzlicher Mindesturlaub. Den deutschen Arbeitnehmern geht es richtig gut. Doch geht es den Beschäftigten im restlichen Europa sogar noch besser? Eine neue Studie hat das unter die Lupe genommen.

          Deutschland ist ein Arbeitnehmerparadies - so denken viele Menschen im Ausland. Umfangreiche soziale Absicherung, großzügige Elternzeitregeln, viel Urlaub. Doch ein neuer Vergleich Deutschlands mit anderen europäischen Ländern zeigt: Die gesetzlichen Ansprüche von Arbeitnehmern sind in Deutschland nicht in allen Kategorien spitze. Insgesamt liegen Dänemark, Frankreich und Spanien in Europa vorn, wie die Karrierecommunity Glassdoor in einer neuen Studie darlegt. Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten hingegen, herrscht in den allermeisten Ländern Europas Luxus in Sachen arbeitnehmerfreundliche Bedingungen.

          In die Untersuchung sind sechs Faktoren eingeflossen: Anspruch auf Arbeitslosenhilfe, Mutterschutz, Vaterschaftsurlaub, Elternzeit, Jahresurlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Verglichen wurden jeweils die Höhe der Bezüge und der abgedeckte Zeitraum. Sehr gut schnitt Deutschland bei der Höhe der Bezüge während des Mutterschutzes ab und bei dem durch die Elternzeit abgedeckten Zeitraum. Vergleichsweise großzügig ist hierzulande zudem der Zeitraum in dem Arbeitnehmer im Krankheitsfall eine Lohnfortzahlung erhalten.

          In der Kategorie „Vaterschaftsurlaub“ hat Deutschland dagegen ganz schlecht abgeschnitten - den gibt es nämlich hierzulande schlicht nicht, während er in Finnland oder Spanien Usus ist. Relativ schlecht kommt Deutschland auch in der Kategorie „Dauer des Mutterschutzes“ weg. Ausgeglichen wird beides aber durch die vergleichsweise sehr großzügigen Elternzeitregelungen. Nur hierzulande und in Frankreich haben Eltern Anspruch auf eine bis zu drei Jahre lange Auszeit. Und gibt es auch keinen gesetzlichen Anspruch auf Vaterschaftsurlaub, so gibt es aber immerhin die beiden „Vätermonate“ beim Elterngeld.

          Doch auch die Länge des gesetzlichen Jahresurlaubs ist hierzulande im europäischen Vergleich keineswegs spitze - eher im Gegenteil. Den längsten gesetzlichen Urlaubsanspruch in Europa haben mit 25 Tagen Schweden, Franzosen und Dänen. In Deutschland beträgt das Minimum 20 Tage im Jahr.

          Dänemark ist auch der Ort in Europa, in dem Arbeitnehmer am weichsten fallen, wenn sie ihre Stelle verlieren: Anders als beim Arbeitslosengeld I in Deutschland (60 Prozent), erhalten Dänen für bis zu zwei Jahre 90 Prozent ihres vorherigen Gehalts.

          Vergleicht man die Bedingungen hierzulande hingegen mit denen in den Vereinigten Staaten, sieht es in Deutschland ziemlich rosig aus: Ein sehr geringer Elternzeitanspruch trifft in Amerika auf einen gar nicht vorhandenen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Gleiches gilt für den Mutterschutz in den Vereinigten Staaten: den gibt es nämlich auch nicht, jedenfalls nicht per Gesetz garantiert. Wenn Mütter während der Schwangerschaft und nach der Geburt frei haben wollen, müssen sie das dort individuell mit ihrem Arbeitgeber aushandeln.

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