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Praxisbezug : Fachhochschüler sind zufriedener

Bild: dpa

Universitätsstudenten vermissen den Bezug zur Praxis. Über zu viel Stoff klagen vor allem Jurastudenten. Das ergibt eine neue Studie des Hochschul-Informations-Systems. Fachhochschüler fühlen sich dagegen wohler.

          Studenten an Fachhochschulen bewerten ihre Studienbedingungen positiver als die an Universitäten. Das ergibt der aktuelle Studienqualitätsmonitor des HIS Hochschul-Informations-Systems. Er basiert auf einer repräsentativen Befragung unter rund 42 000 Studierenden im Sommersemester 2010. An den Fachhochschulen sind 62 Prozent mit den Bedingungen zufrieden, an den Universitäten 55 Prozent. Über alle Hochschulen hinweg fällen 57 Prozent ein positives Urteil - im Jahr zuvor waren es erst 53 Prozent gewesen.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Interessanter als das Gesamturteil ist der Blick auf einzelne Merkmale, zum Beispiel den Bezug zur Forschung. Er ist 60 Prozent der Uni-Studenten und 54 Prozent der FH-Studenten wichtig. Doch ist an den Universitäten nicht einmal die Hälfte mit dem Forschungsbezug in den Lehrveranstaltungen zufrieden, an den Fachhochschulen nur ein Drittel. Anders fällt das Urteil über den Praxisbezug der Lehrveranstaltungen aus. Den beurteilen 73 Prozent der FH-Studenten als gut bis sehr gut, aber nur 48 Prozent der Universitätsstudenten. Allerdings finden auch 90 Prozent der Studierenden an den Universitäten den Praxisbezug wichtig - kaum weniger als an den Fachhochschulen. Dort ist es freilich um die Möglichkeit, im Studium eigene praktische Erfahrungen zu sammeln, nicht so gut bestellt: Lediglich 60 Prozent sind damit zufrieden, an den Universitäten sind es sogar nur 37 Prozent.

          Lücke zwischen Erwartung und Wirklichkeit

          Oft klafft eine große Lücke zwischen Erwartungen und Wirklichkeit: So halten es fast alle Studierenden für wichtig, an der Hochschule zu lernen, wie man vorhandenes Wissen auf neue Fragen und Probleme anwendet. Doch gerade einmal die Hälfte findet, dass dies gelingt. Mit dem fachübergreifenden Denken, dem Arbeiten in Gruppen, der Behandlung ethischer Themen und der Befähigung, im Ausland zu studieren und zu arbeiten, ist sogar eine Mehrheit unzufrieden. All dies sind Punkte, die Arbeitgeber an der Hochschulausbildung in Umfragen immer wieder stark bemängeln.

          Viele Studenten beklagen sich über hohe Anforderungen. Die Stofffülle sei (eher) zu hoch, sagen 56 Prozent an den Universitäten und 50 Prozent an den Fachhochschulen, vor allem in Jura und Medizin. Für zu gering halten hingegen viele die Anforderungen an ihre Selbständigkeit. Jeder Zweite empfindet sie zwar als richtig, doch immerhin 28 Prozent (Universität) beziehungsweise 35 Prozent (FH) sagen, dass ihnen zu wenig abverlangt wird. Das gilt vor allem für Bachelor-Studierende insgesamt und für Master-Studenten mit dem Ziel Lehramt, selten für Magisterstudenten.

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