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Personaldienstleister : Auf der Suche nach studentischen Aushilfen

Alternative zum Blick aufs Schwarze Brett: Wer einen Studentenjob sucht, kann sich auch vermitteln lassen. Bild: dpa

Der Kölner Personaldienstleister Studitemps gilt als größter Stellenvermittler für Studenten. Die Gründer fanden selbst während ihres Studiums oft keinen passenden Job – daraus wurde eine Unternehmensidee.

          Auf die Aushilfsstellen bei Primark gab es bisher mit die größte Resonanz. Als der irische Modediscounter vor vier Jahren seine Filiale am Kölner Neumarkt eröffnete, sollten 100 Studenten helfen, den Ansturm der ersten Wochen zu bewältigen. Der Kölner Personaldienstleister Studitemps postete die Stellenanzeige bei Facebook. Binnen kürzester Zeit waren die Stellen vergeben. „Studentenjobs im Einzelhandel lassen sich in der Regel einfach besetzen“, berichtet Studitemps-Geschäftsführer Andreas Wels im Gespräch mit der F.A.Z.. Das Interesse sei vor allem dann hoch, wenn die Arbeitsstellen in der Innenstadt liegen und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Vor elf Jahren von den WHU-Absolventen Andreas Wels (33 Jahre) und Benjamin Roos (32 Jahre) gegründet, sieht sich das Kölner Unternehmen Studitemps hierzulande als führender Personaldienstleister für Studenten. Im vergangenen Jahr wurden knapp 22.000 Studenten an Auftraggeber wie die Deutsche Bahn, Media Markt, NDR, die Juwelierkette Christ und den Gebäudedienstleister Wisag vermittelt. Das Geschäft entwickelt sich rasant: 2018 setzte Studitemps 74 Millionen Euro um, 35 Prozent mehr als im Vorjahr. Erstmals war das Unternehmen profitabel. Neben der Zentrale im Kölner Mediapark gibt es 22 Niederlassungen in deutschen Hochschulstädten, die Belegschaft umfasst 380 Mitarbeiter.

          „Für Unternehmen ist es äußert zeitintensiv, Aushilfskräfte für Auftragsspitzen zu rekrutieren“, stellt Roos fest. Mit Blick auf konkurrierende Stellenportale wie Monster, Stepstone oder Indeed und große Zeitarbeitsfirmen wie Adecco oder Randstad nimmt Studitemps für sich die volle Konzentration auf das Geschäft mit den studentischen Arbeitsplätzen in Anspruch. Dieses Segment für sich entdeckt haben auch Young Capital aus den Niederlanden und Academic Work aus Schweden sowie das Portal Stellenwerk, das von der Universität Hamburg ins Leben gerufen wurde.

          Besetzungsquote zwischen 85 und 90 Prozent

          Den Großteil der Studenten – die Besetzungsquote liegt zwischen 85 und 90 Prozent – findet Studitemps über das unternehmenseigene Internetportal Jobmensa. Das Spektrum der aktuell angebotenen Tätigkeiten ist breit. Da gibt es Aushilfsstellen im Lager, im Einzelhandel oder in Callcentern, die mit 10 Euro in der Stunde entlohnt werden. Rund 18 Euro werden Informatikstudenten für die Mitarbeit bei der Datenanalyse und der Entwicklung von Apps geboten – und Übernahmechancen nach dem Studium gleich mit in Aussicht gestellt. „Immer mehr Unternehmen versuchen, die Studenten möglichst früh an sich zu binden“, stellt Wels fest. Im Schnitt arbeiten die Studenten 13 Stunden in der Woche für Studitemps und verdienen 500 Euro im Monat. Je weiter sie im Studium voranschreiten, desto mehr Wert legen sie auf fachnahe Arbeit, so die Erfahrung.

          Ursprünglich wollten Roos und Wels, die sich im Studium an der WHU-Otto Beisheim School of Management kennengelernt haben, gemeinsam mit mehreren Kommilitonen eine Buchsuchmaschine mit persönlichen Leseempfehlungen auf den Markt bringen. Doch das Projekt floppte, da sich kein Interesse bei Investoren wecken ließ. Zwei der Kommilitonen gründeten später in Berlin das Handwerkerportal Aroundhome.

          Derweil machten sich Roos und Wels mit Studitemps selbständig. Die Idee sei aus der eigenen Erfahrung heraus entstanden, „dass ich während meines Studiums oft keine passenden Jobs gefunden habe“, berichtet Roos. Vom Zeitpunkt der Gründung an mit an Bord war der Risikokapitalgeber Holtzbrinck Ventures, zu dem noch aus WHU-Zeiten Kontakt bestand. Später stießen nach und nach die Finanzinvestoren Raffay, Seventure, b-to-v, X-Ange und Iris Capital hinzu. Rund 25 Millionen Euro flossen bisher ins Unternehmen. Das vierköpfige Geschäftsführungsteam um Wels und Roos hält noch 15 Prozent der Anteile.

          Mit dem geplanten Umsatzsprung auf 100 Millionen Euro sind die Ziele für das laufende Jahr ehrgeizig. Die Konjunkturabkühlung sehen die Studitemps-Chefs betont gelassen. „Viele Branchen haben mit einem Personalmangel zu kämpfen“, sagt Wels und verweist auf die eigene Situation mit 50 vakanten Stellen bei Studitemps, insbesondere im Vertrieb und der Softwareentwicklung. „Außerdem ermöglichen wir den Unternehmen eine hohe Flexibilität.“ Etwa durch die Besetzung von Aushilfsjobs, die am Wochenende oder in den Abendstunden anstehen. Auch machen die Gründer noch Potential in bisher nicht bedienten Branchen wie der Industrie und in Pflegeeinrichtungen aus. Zudem will Studitemps mit dem Portal Jobeinstieg verstärkt in der Vermittlung von Absolventen tätig werden.

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