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Kind und Karriere : Das Märchen von der Vereinbarkeit

Indra Nooyi: Karriere ist nicht immer prickelnd Bild: Reuters

Pepsico-Chefin Indra Nooyi sagt, man könne nicht eine Spitzenkarriere machen und ein gutes Familienleben haben. Sie sei vor schlechtem Gewissen fast gestorben.

          Können Spitzenfrauen in der Wirtschaft auch ein erfülltes Familienleben ohne große Kompromisse haben? Das ist eine oft diskutierte Frage, umso mehr, seit Sheryl Sandberg, Top-Managerin des sozialen Netzwerks Facebook, im vergangenen Jahr ihre Karrierebibel für Frauen „Lean In“  veröffentlicht hat. Sandberg vermittelt dort den Eindruck, alles unter einen Hut zu bekommen: Jeden Tag verlasse sie um 17:30 Uhr das Büro, damit sie mit ihrer Familie zu Abend essen könne.

          „Frauen können nicht alles haben“

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Eine andere prominente amerikanische Managerin hat jetzt mit Blick auf die Vereinbarkeit von Karriere und Familie ganz andere Töne angeschlagen. „Ich denke nicht, dass Frauen alles haben können. Wir tun nur so, als ob wir es können“, sagte Indra Nooyi, die Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Getränke- und Lebensmittelkonzerns Pepsico, in einem Interview auf einer Konferenz in Aspen (Colorado). Nooyi, mit einem Unternehmensberater verheiratet und selbst Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Töchtern, sieht Frauen in einem grundsätzlichen Dilemma: „Die biologische Uhr und die Karriereuhr sind in totalem Konflikt miteinander.“

          Einfache Rechnung: Wer viel arbeitet, hat weniger Zeit für die Familie

          In bemerkenswerter Offenherzigkeit erzählte Nooyi von ihren Schuldgefühlen als Mutter und davon, dass es ohne Hilfe von außen gar nicht ginge. Eine ihrer Töchter habe ihr zum Beispiel früher Vorwürfe gemacht, wenn sie einen wöchentlichen Müttertreff in der Schule wegen ihrer Arbeit verpasst habe, und sie sei dann oft „vor schlechtem Gewissen fast gestorben“. Für die Kindererziehung habe sie sogar ihre Sekretärin eingespannt. So habe eine ihrer Töchter früher oft im Büro angerufen, um zu fragen, ob sie Nintendo spielen dürfe. Für Fälle, in denen Nooyi selbst auf Geschäftsreisen gewesen sei, sei die Sekretärin autorisiert gewesen, der Tochter das Nintendo-Spielen zu erlauben, aber erst nach Abarbeiten eines Katalogs von Fragen, etwa ob die Hausaufgaben gemacht seien.

          Drittmächtigste Mutter der Welt

          Die 58 Jahre alte Nooyi führt Pepsico seit fast acht Jahren und zählt zu Amerikas Vorzeigemanagerinnen. Sie taucht regelmäßig auf der „Forbes“-Liste der mächtigsten Frauen der Welt auf, zuletzt auf Rang 13. Vor zwei Jahren hatte „Forbes“ eine Liste der mächtigsten Mütter der Welt und setzte Nooyi auf den dritten Platz. Nooyi gehört außerdem zu einer wachsenden Zahl von gebürtigen Indern an der Spitze amerikanischer Unternehmen, neben Satya Nadella, dem seit wenigen Monaten amtierenden Vorstandsvorsitzenden des Software-Konzerns Microsoft, und Shantanu Narayen, dem Chef des Software-Unternehmens Adobe.

          Facebook-Managerin Sheryl Sandberg hat den Besteller „Lean in“ geschrieben: Vom Wille der Frau zur Macht.

          Nooyi wurde in der südindischen Stadt Chennai als Tochter von vermögenden Eltern geboren. In dem Interview in Aspen erzählte sie, wie sie und ihre Schwester von ihrer Mutter ermutigt worden seien, große Karriereträume zu verfolgen. Beim Abendessen hätten beide Töchter oft Reden darüber halten müssen, was sie tun würden, wenn sie Politiker wären, und ihre Mutter habe hinterher entschieden, wen sie wählen würde. Nooyi studierte in Indien und begann ihre Karriere in der indischen Niederlassung des amerikanischen Konsumgüterkonzerns Johnson & Johnson. Es folgten Stationen in der Boston Consulting Group und dem Industriekonzern ABB, bevor sie 1994 zu Pepsico kam. Dort trieb sie den Konzernumbau voran und forcierte den Ausstieg aus dem Schnellimbissgeschäft, wo Pepsico mit Ketten wie Pizza Hut vertreten war. Danach fädelte sie mehrere Großakquisitionen mit ein, etwa den Kauf der Saftmarke Tropicana und die Übernahme des Müsliherstellers Quaker Oats.

          Nach der Beförderung einkaufen geschickt

          Ihre bisherige Bilanz an der Pepsico-Spitze ist gemischt. Wie der Wettbewerber Coca-Cola leidet auch Pepsico unter Rückgängen im traditionellen Limonadengeschäft, gerade auf Märkten wie den Vereinigten Staaten. Pepsico kann dies ein Stück weit mit seiner Snack-Sparte ausgleichen, zu der Produkte wie Doritos-Chips gehören. Trotzdem hat sich der Konzernumsatz in den vergangenen beiden Jahren kaum bewegt. Immerhin hat sich Pepsico an der Börse in jüngster Zeit besser geschlagen als Coca-Cola.

          Nooyi sagte in dem Interview, ihre Mutter sei bestimmt stolz auf sie, aber zeige es nicht so oft und weise sie vielmehr ständig darauf hin, wie wichtig die Familie sei. Sie erzählte die Episode, als sie vor einigen Jahren bei Pepsico auf den Posten der Präsidentin befördert wurde und dies stolz ihrer Mutter berichten wollte, als sie abends nach Hause kam. Ihre Mutter sei aber nicht interessiert gewesen und habe sie erst einmal angewiesen, Milch einkaufen zu gehen. Ihre „verdammte Krone“ könne sie draußen lassen, denn im Haus komme es auf ihre Aufgaben als Frau, Mutter und Tochter an.

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