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Wie man verbale Attacken abwehrt : „Können Sie das auch rückwärts?“

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Matthias Nöllke weiß: Wer gut auf ein Gespräch vorbereitet ist, kann auch verbale Angriffe besser kontern. Bild: privat

Lässt sich Schlagfertigkeit lernen? Zumindest kann man sich ein paar Instant-Antworten zurecht legen, um dem anderen nicht das letzte Wort zu lassen, sagt der Kommunikationsexperte Paul Nöllke.

          Herr Nöllke, um mal ein Klischee zu strapazieren: Ich bin Ingenieur, Zahlenmensch, werde mit einer unsachlichen Bemerkung konfrontiert und schweige überfordert. Was hilft mir?

          Am Anfang kann es schon helfen, überhaupt etwas zu sagen. Aber das mit dem nötigen Nachdruck. Wenn Ihnen zu der unsachlichen Bemerkung gar nichts einfällt, dann können Sie genau das sagen: „Dazu fällt mir nichts mehr ein.“ Eine Variante lautet: „Das habe ich jetzt nicht verstanden.“

          Nach Schlagfertigkeit hört sich das aber nicht an.

          Es ist aber ein erster und entscheidender Schritt: Sie bleiben nicht sprachlos. Und darauf kommt es zunächst einmal an. Wenn Sie nach einer originellen, witzigen Antwort suchen, bleiben Sie garantiert stumm. Daher helfen zu Anfang ganz einfache Techniken am besten. Zum Beispiel die „Gegendarstellung“. Die besteht aus zwei Sätzen: Zurückweisung und Richtigstellung. Jemand greift Sie an: „Sie sind schon fertig? Sie haben es sich wieder mal einfach gemacht!“ Ihre Antwort könnte dann lauten: „Ich habe es mir keineswegs einfach gemacht. Ich habe einfach nur effektiv gearbeitet.“

          Das heißt, es geht darum, Grenzen zu setzen?

          Vor allem geht es darum, seine Souveränität zu bewahren oder wiederherzustellen. Die ist nämlich bedroht, durch unsachliche Bemerkungen, vernichtende Kritik oder peinliche Missgeschicke. Dann können auch sogenannte „Instant-Sätze“ helfen, bewährte Standardsätze, die einem erst mal aus der Verlegenheit helfen können. „Ich passe mich nur meiner Umgebung an.“ - „Können Sie das auch rückwärts?“ - „Sie tun ja fast, als ob das was Schlimmes wäre.“

          Das hört sich so an, als solle man Standardsätze auswendig lernen.

          Das wäre das Gegenteil von Schlagfertigkeit. Etwas ganz anderes ist es aber, sich bestimmte Sätze zurechtzulegen, die zu einem passen und auf die man im Bedarfsfall zurückgreifen kann. Je mehr man davon kennt, desto besser. Wir müssen ja ganz schnell reagieren und sollten das in möglichst vielen Varianten tun können. Viele Menschen, die schlagfertig sind, sind einfach nur besser vorbereitet als andere.

          Wie frech dürfen schlagfertige Antworten sein?

          Das hängt davon ab, wie stark Sie angegangen werden. Je böser der Angriff ist, desto frecher darf Ihre Antwort sein. Viele Bemerkungen lassen sich mit Humor entschärfen. Doch werden Sie verächtlich gemacht, müssen Sie Ihre Würde schützen. Und das geht nicht mit einem augenzwinkernden Spruch. Und natürlich können Sie sich gegenüber Ihren Kollegen mehr herausnehmen als gegenüber einem Vorgesetzten oder Ihren Kunden.

          Kennen Sie eine neutrale Technik, die sich quer durch alle Hierarchiestufen bewährt hat?

          Zum Beispiel die Dolmetschertechnik. Dabei betätigen Sie sich gewissermaßen als Dolmetscher und „übersetzen“ bösartige Attacken in eine freundlichere Sprache. Diese Methode können Sie humorvoll oder auch diplomatisch handhaben. Den Angriff „Sie sind vielleicht eine Krücke!“ könnten Sie humorvoll übersetzen: „Sie meinen, ich bin die Stütze des Unternehmens.“ Oder diplomatisch: „Sie meinen, ich habe nicht sorgfältig gearbeitet.“ Oder: „Sie sind verstimmt, weil ich zu spät zu unserem Treffen gekommen bin.“ Klingt nicht nach einer zündenden Antwort, ist aber außerordentlich wirksam, um das Gift aus einem Gespräch zu nehmen und auf eine sachliche Ebene zu kommen. Und das zählt im Zweifel mehr als eine witzige Replik, mit der Sie sich nur Feinde machen.

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