https://www.faz.net/-gyl-6xx9q

Online-Handel : In fast allen steckt ein Manager

Vendor Manager sorgen für Nachschub Bild: dpa

Arbeitsplätze im Internethandel sind modern - und tragen oft seltsame Namen. Was hinter den englischen Stellenbezeichnungen steckt. Eine Übersetzungshilfe.

          Der Vendor Manager

          Der Vendor Manager heißt auf Deutsch schlicht Einkäufer. Er sorgt dafür, dass ein Onlinehandelsunternehmen seinen Kunden möglichst viele verschiedene Güter günstig anbieten kann. "Die Aufgabe des Einkäufers ist es, attraktive Produkte zu guten Preisen zu finden", sagt Andrea Euenheim, Personalleiterin in der Münchner Dependance von Amazon. Der Einkäufer braucht laut Euenheim analytische Fähigkeiten: Er muss im Blick behalten, wie die Konkurrenz ihre Preise setzt. Andererseits pflegt er die Beziehungen zu den Herstellern, um bei der nächsten Verhandlungsrunde bessere Konditionen zu erreichen. Amazon besetzt diese Stelle mit Betriebswirten, Wirtschaftsingenieuren oder Mathematikern. Sollte denen das nötige Verhandlungsgeschick beim Berufsstart abgehen, sorgt der Arbeitgeber für Abhilfe: In einem speziellen Trainingsprogramm lernen die Vendor Manager, wie sie Hersteller richtig ansprechen.

          Der Supply Chain Manager

          Der Supply Chain Manager hält die Lieferkette in der Hand. Er schaut sich an, wie schnell Produkte sich "drehen", das heißt, wie der Onlinehändler bestimmte Waren an seine Kunden verkauft. Außerdem optimiert er den Lagerbestand: Er kümmert sich darum, dass immer eine ausreichende Anzahl von Produkten nachrückt. Dabei arbeitet er eng mit den Einkäufern zusammen. Bei Amazon sind die Supply Chain Manager nach Produktkategorien besetzt, es gibt sie etwa für Handys oder Kameras. Analytische Fähigkeiten seien auch für diese Stellen wichtig, sagt Andrea Euenheim. Denn wer dort angestellt wird, muss auch mit Wahrscheinlichkeiten rechnen können, um für die Zukunft gewappnet zu sein: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Renner von heute auch morgen stark nachgefragt wird? Wenn die einzelnen Kettenglieder perfekt ineinandergreifen, spart das dem Onlinehändler Geld, weil die Lagerzeiten niedrig sind. "Der Lieferkettenmanager geht dabei aber keine Kompromisse ein, was die Verfügbarkeit der Waren betrifft", sagt Euenheim.

          Der Content Specialist

          Im ersten Internetboom zur Jahrtausendwende hieß der Online Marketing und Content Specialist meist nur Content Manager. Inzwischen hat sich seine Aufgabe erweitert: Er ist nicht nur für den Inhalt der Internetseiten zuständig und entscheidet, welche Informationen zu den verschiedenen Produkten dort stehen. Er kümmert sich auch um die ansprechende Präsentation der Waren im Internet. Bei Amazon betreut er auch das "Bundling": Er überlegt sich, welche Empfehlungen der Kunde erhält - den Kaffee zur Kaffeemaschine, den Film zum Bluray-Player.

          Beim Handelsportal Zalando kümmern sich Online Marketing Manager auch um die Werbung auf den Partnerseiten. "Es gibt in Deutschland kaum eine große Internetseite, auf der wir nicht werben", sagt Zalando-Personalleiterin Frauke von Polier. Die Marketing Manager ermitteln deshalb auch, welche Werbebanner der Onlinehändler wo schaltet, um viele Besucher auf die eigene Seite zu locken.

          Der IT Product Manager

          Kein Internetshop ohne eine Schar von IT-Spezialisten, die dafür sorgen, dass das System reibungslos läuft. Beispiel Zalando: Der Onlineschuhhändler hat sein Warenwirtschaftssystem und seine Internetseite selbst gestaltet, nun braucht das schnell wachsende Unternehmen immer wieder Spezialisten für Informationstechnik, die sich neue Funktionen ausdenken. Dafür stellt Zalando etwa Wirtschaftsinformatiker ein, aber auch Quereinsteiger wie Philosophen, die technisches Wissen mit wirtschaftlichem verbinden. Wollen sie etwa erreichen, dass der Kunde über den Klick auf einen Werbebanner für Sportschuhe direkt in den Webshop für Sneaker gelangt, setzen sie die Idee in ein technisches Konzept um und arbeiten dann eng mit der technischen Entwicklungsabteilung zusammen. "Das bedeutet Eigenverantwortung von Anfang bis Ende", sagt Personalchefin Frauke von Polier.

          Der Sales Specialist

          Unternehmen wie Amazon verstehen sich auch als Plattform für andere Handelsunternehmen. Daher braucht der Onlinehändler Vertriebsfachleute, die die Teilnehmer des sogenannten "Marketplace" beraten. Sie akquirieren neue Partner für diesen virtuellen Marktplatz und pflegen die Kontakte mit den bestehenden. Sie erklären die Dienstleistungen, die das Münchner Unternehmen bereithält, wie "Verkauf durch Amazon", oder "Versand durch Amazon" und entwickeln das Geschäft der interessierten Händlers weiter - von der ersten Kontaktaufnahme bis zum fertigen Online-Sortiment.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angriff auf Eritreer : Opfer wegen der Hautfarbe

          Der Schütze von Wächtersbach handelte aus rassistischen Motiven. Der niedergeschossene Eritreer war laut den Ermittlern ein Zufallsopfer. Ein Abschiedsbrief liefert ein weiteres Detail zur Tat.
          Blick ins Zwischenlager in Gorleben (Bild aus 2011)

          Atommüll-Entsorgung : So arbeitet Deutschlands erster Staatsfonds

          Wie kann man heute 24,1 Milliarden Euro anlegen? Die Antwort muss die Stiftung geben, die zur Finanzierung der Atommüll-Entsorgung gegründet wurde. Jetzt soll erstmals ein Gewinn zu Buche stehen.
          Winfried – Markus, Markus – Winfried: Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Bayern, Kretschmann und Söder, in Meersburg

          FAZ Plus Artikel: Bayern und Baden-Württemberg : Auf der Südschiene

          Markus Söder und Winfried Kretschmann bemühen sich um Nähe zueinander. Der eine will umweltfreundlicher wirken, der andere ein wenig konservativer. Und beide sind sich einig, dass Deutschland einen starken Süden braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.