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Kolumne „Nine to five“ : Wenn ich einmal groß bin

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Was die Erwachsenen tatsächlich bei der Arbeit tun, ist Kindern manchmal ziemlich unklar. Bild: dpa

Was tun eigentlich die Erwachsenen den lieben langen Tag über, wenn sie ins Büro verschwinden? Für Kinder ist das zuweilen ein großes Rätsel.

          Kinder haben oft eine sehr eigenwillige Interpretation der (Arbeits-)Welt. Sie beurteilen das, was die Erwachsenen da den lieben langen Tag so tun, aus einem völlig anderen Blickwinkel. Ein Beispiel: Die zehn Jahre alte Helena möchte gerne Ingenieurin werden, wenn sie groß ist. Doch rührt das daher, dass Politik und Industrie ihr jene bislang eher männlich besetzten Berufe wie eben das Ingenieurswesen oder die Programmiererszene mit dem „Girls’ Day“ oder ähnlichen Initiativen schon in der Grundschule schmackhaft gemacht hätten? Nein!

          Sie beurteilt die Attraktivität ihres derzeitigen Wunschberufs eher aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen mit einem klassischen Rollenvorbild: ihrem Patenonkel. „Der verdient viel und hat außerdem ständig frei. Sonst könnte der nicht immerzu mit dem Gleitschirm in den Bergen fliegen“, so die feste Überzeugung der Viertklässlerin. In ihrer Wahrnehmung ist der Onkel ständig in der Luft, verschickt er doch gerne und viele Fotos von seinen Reisen (ein Bergpanorama macht optisch einfach mehr her als seine Simulationen von Strömungen in Motoren).

          Dass er dafür unter der Woche zahllose Überstunden macht, um sich sowohl finanziell als auch zeitlich mal ein verlängertes Wochenende in den Bergen leisten zu können, muss dem Kind erst geduldig erklärt werden.

          „Schöne Dinge gehen immer so schnell rum“

          Der elf Jahre alten Charlotte hingegen erscheint das Berufsbild des Rentners recht attraktiv. Wenn sie in der Schule ist, sitzen Oma und Opa zu Hause und kochen, backen oder werkeln im Garten. Und an den Nachmittagen und Wochenenden haben sie ständig Zeit, um schöne Dinge mit ihr zu machen – sofern sie nicht gerade im Urlaub sind. Klar, sie hat ja die 40 Berufsjahre der Großeltern, mit denen sie sich das Rentnerdasein mühsam verdient haben, nicht miterlebt.

          Weniger Illusionen über ihr späteres Arbeitsleben macht sich hingegen die neun Jahre alte Luise, die nach ihrer Kommunion zu folgender Erkenntnis kam: „Schöne Dinge gehen immer so schnell rum. Mathe-Unterricht dauert ewig.“ Eine wichtige Erkenntnis für die berufliche Laufbahn! So ein Arbeitstag kann manchmal ganz schön zäh sein. Denn Arbeit macht eben nicht ausschließlich Spaß – umso schöner, wenn sie es doch tut.

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