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„Nine to five“-Kolumne : Kein Studium? Kein Problem!

Auszubildende in einem Batteriespeicher des Energieversorgers WEMAG Bild: ZB

Jeder will einen Beruf ergreifen, der einen erfüllt und von dem man gut leben kann. Das geht auch ohne Studium. Umso bedenklicher, dass sich Azubis bisweilen für ihre Entscheidung rechtfertigen müssen.

          Ein Abitur mit dem Schnitt 0,9, das Kunststück hatte an der Schule lange niemand mehr vollbracht. Eine beachtliche Leistung. Doch der Berufswunsch des Absolventen sorgte bei manchem Mit-Abiturienten für Kopfschütteln: „Warum will der denn Lehrer werden? Mit so einem Schnitt stehen ihm doch alle Wege offen zu einem Beruf mit höherem Prestige und vor allem besserem Gehalt.“ Diese Szene spielte sich vor gut zehn Jahren ab, aktuell ist sie immer noch – in mehrerlei Hinsicht.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Lehrer ist ein elementar wichtiger Beruf, und wenn aus dem Super-Abiturienten mittlerweile ein guter Pädagoge geworden ist, haben am Ende alle gewonnen. Vor allem aber sind fabelhafte Abitur-Resultate mittlerweile weitaus häufiger als noch vor zehn Jahren. Auf dem Papier, versteht sich, denn es wäre eine reichlich kühne Annahme, dass Schüler heute einfach viel mehr auf dem Kasten haben. Auch diese Inflation guter Noten hat zu einem wahren Run auf die Universitäten geführt.

          „Warum verkaufst du dich unter Wert?“

          Allerdings mit unschönen Nebenwirkungen: Da wäre zum Beispiel der angehende Azubi, der sich vor Familie und Freunden rechtfertigen muss: „Warum machst du Abitur, wenn du nicht studieren gehst? Warum verkaufst du dich unter Wert?“ Man hört den armen Schulabgänger förmlich laut denken: „Ich mag eben lieber praktisch arbeiten, komplizierte Theorien, die ich nach der Prüfung nie wieder brauche, sind nichts für mich, Nachtschichten in der Bibliothek erst recht nicht.“

          Dass es ihm schon in der Schule schwergefallen sei, sich zu motivieren, wenn es ums sture Büffeln ging – das braucht er als Argument bei Tante Käthe gar nicht erst in Erwägung zu ziehen. „Ja ist der Bub denn faul?“, würde die bei seiner Mutter nachfragen. Nur das Argument, endlich sein eigenes Geld verdienen zu wollen, könnte auf fruchtbaren Boden fallen.

          Doch auch da droht schnell ein Konter. Schließlich wisse doch jeder, dass Akademiker besser verdienen als jene, die „nur“ eine Berufsausbildung vorweisen können. Ob Tante Käthe schon mal einen Automobilkaufmann und einen Germanistikdozenten nach ihrem Gehalt gefragt hat? Am Ende muss es „der Bub“ vielleicht einfach mit etwas Pathos versuchen. Schließlich will doch jeder einen Beruf ergreifen, der einen erfüllt und von dem man gut leben kann. Und das geht auch ohne Studium. Da würde selbst Tante Käthe nicht widersprechen.

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