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Übertreibungen im Job : Ehrlich kommt nicht weit

So kreativ wie hier, am Hasso-Plattner-Institut, geht es nicht immer zu im Unternehmensalltag. Wie verkauft man das dem Chef? Bild: dpa

„Dass ich das geschafft habe, war Zufall.“ - „Die Idee hatte die Konkurrenz auch schon.“ Das sind, glaubt man Beratern, problematische Sätze. Vor allem wenn’s um die eigene Karriere geht.

          Kürzlich gab es in der Hauszeitschrift von McKinsey Tipps für das bessere Eigenmarketing. Wie verkauft man im Beruf seine eigenen Ideen besser? Das interessiert ja viele, für die Frage gibt es bestimmt schon einige Regalmeter Ratgeberliteratur. Aber bei der genannten Quelle darf man in puncto Selbstvermarktung auch genug Fachkompetenz voraussetzen – zumal die Unternehmensberatung für den Beitrag einen Londoner Wissenschaftler als Autor verpflichtet hat. Also lesenswert.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tenor des Ganzen: Ideen sollten stets in schöne Geschichten verpackt werden, um auf sich aufmerksam zu machen – entscheidend sei das richtige „Framing“. Das ist noch nicht besonders originell, aber man riecht schon, wo es langgeht. Schnell wird einem bei der Lektüre klar: Ehrlich kommt nicht weit. Im Beitrag werden eine ganze Reihe von typischen Patzern aufgelistet. Zum Beispiel, einfach mal ehrlich zu sagen, ganz zufällig etwas Gutes entdeckt zu haben.

          Anfängerfehler! Der Profi zieht so etwas anders auf. Niemals die Zufälligkeit hervorheben, sondern die eigene Weisheit, das Potential der überraschenden Entdeckung sofort erkannt zu haben. Das kann nämlich nicht jeder. Unsereins hätte Penicillin vermutlich für ekelerregenden Schimmel gehalten. In Berater-Lyrik liest sich das Ganze als die Geschichte eines Wellenreiters: „Positionieren Sie sich als Surf-Experten, der die Welle genau zum richtigen Zeitpunkt erwischt hat“. Extrapunkte gibt es, weil man so seine Kompetenz auch für die Zukunft hervorhebt. Wenn der Wind seine Richtung ändert, sind wir wieder mit dabei.

          Ein bisschen abgeguckt? Schwamm drüber!

          Was auch nicht gut kommt: darüber zu reden, dass man sich eine Idee ein bisserl vom Konkurrenten abgeguckt hat, aber an einem Punkt etwas verbessert hat. Das wird im Berufsleben zwar sehr häufig vorkommen, aber der Profi merkt sofort, dass so erzählt die Betonung nicht stimmt. Tipp vom Business-Professor: Die Unterschiede der Ideen betonen, die Ähnlichkeit herunterspielen.

          Und mehr Emotionen bitte! Dass man etwas ein bisschen anders macht, muss ausreichend gefeiert werden. Das Schlimme ist: Der Autor hat wahrscheinlich recht.

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