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Kolumne „Nine to five“ : Das Kreuz mit dem Rücken

In der Rückenschule: Manche Arbeitnehmer versuchen, dem Rückenleiden gezielt vorzubeugen. Nicht immer klappt’s. Bild: dpa

Was ist bloß mit dem Kollegen Schröder los? Wo ist sein federnder Gang, die sportliche Art, die Treppe hochzusprinten? Schröder hat „Rücken“. Und damit ist er nicht allein.

          Federnder Gang, immer einen Tick schneidiger als die Kollegen, das war gestern. Was ist mit dem Schröder los? Sprintet der Kollege doch sonst so quirlig in den fünften Stock, vorbei an den schnaufenden Mitarbeitern, die den Aufzug nur verschmähen, um sich das Kantinen-Eis zu gönnen. Schröder meidet das Treppenhaus und verlässt im Zeitlupentempo den Aufzug. „Rücken“, erklärt er leicht gebückt auf Nachfrage.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Schröder sind Krankengeschichten verhasst. Doch es ist ein Kreuz: Zu seinem Leiden hat jeder eine Meinung und denkt gar nicht daran, damit hinter dem Berg zu halten. Den einen ist der Halbmarathonmann ein sportliches Vorbild, den anderen ein lebender Vorwurf. Dem Reflex, dem geplagten Kollegen Gesundheitstipps zu geben und das ergoogelte Halbwissen zu teilen, geben Vertreter beider Lager nach.

          Ein schlimmer Rücken weiß Ratgeberonkel und -tanten zu entzücken. Über kurz oder lang erwischt das jeden dritten Erwachsenen, der zu lange gebückt am Schreibtisch hockt. Rückenprobleme sind für ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich.

          Große Rückenschule auf dem Flur

          Daher tagt auf dem Flur die große Rückenschule mit illustrer Dozentenschar. Jeder kennt einen, der einen kennt, den es just auch erwischt hat. Iliosakralgelenk, wirft einer fachmännisch ein, „überdenke deine Matratze“, wagt ein anderer eine Ferndiagnose. Ein Dritter hat fürsorglich die Broschüre „Fit am PC“ ausgedruckt; eine weitere Kollegin wartet gar mit Piktogrammen von Turnübungen am Schreibtisch auf, die allesamt reichlich peinlich wirken könnten, falls plötzlich der Chef das Büro betritt. Auf Antrag gibt es ein Stehpult, meldet sich die Betriebsrätin per Mail. Die Massagepraxis in der Vorstadt soll Wunder bewirken, der Orthopäde nebenan sei ein ganz großer, leider auf Monate ausgebucht, Großtante Giselas Wickel seien auch nicht zu verachten und beim noch nicht beackerten Themenfeld „steifer Nacken“ praxisbewährt.

          Dosiertes Mitgefühl ist etwas Schönes, aber was zu viel ist, ist zu viel. Schröder lässt sich krankschreiben, nicht wegen seines Rückens, ihn plagt Kopfweh. Auslöser für den Rückzug ist sein dem Esoterischen verhafteter Kollege, der beim Stichwort Hexenschuss aufblüht und messerscharf analysiert: „Du hast dir beruflich zu viel aufgeladen. Du kannst es nicht mehr tragen!“ Schäumend humpelt Schröder zum Aufzug: „Ich kuriere mich zu Hause aus. Mir brummt der Schädel. Eure Ratschläge sind auch Schläge.“

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