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Kolumne „Nine to five“ : Tindergarten im Büro

  • -Aktualisiert am

Liebe auf einen Klick: Mit Dating-Apps wie Tinder landet das Privatleben im Büro. Bild: EPA

Trotz einer 40-Stunden-Woche einen Partner zu finden ist gar nicht so einfach. Doch selbst, wer Beruf und Privatleben trennen will, kann der Liebe am Arbeitsplatz nicht entkommen – Tinder sei Dank.

          Den Partner fürs Leben zu finden, wird mit zunehmendem Alter schwieriger. Als Teenager ist jeder noch leicht entflammbar – die Hormone tun ihr Übriges. Die erste Liebe ist deshalb oft nicht von Dauer und gleicht eher einem Sprint. Während Ausbildung oder Studium sind viele zwar immer noch abenteuerlustig, doch je gefestigter ein Charakter wird, desto genauer weiß er, wer dauerhaft zu ihm passen könnte.

          Spätestens zu Beginn des Berufslebens sollte sich allerdings jeder für die Langstrecke rüsten. Denn mit einer Arbeitszeit von 40 Stunden plus je Woche werden die Gelegenheiten, sich umzuschauen, immer seltener. Gleichzeitig macht ein zunehmender Erfahrungsschatz die Partnersuche komplexer: Hat die Auserwählte nicht dieselben Marotten wie die Ex-Freundin? Ist er es wirklich wert, die Komfortzone der gemütlichen Single-Wohnung zu verlassen, um Tisch, Bett und Badezimmer zu teilen? Steht sie oder er am Ende der Karriere womöglich im Weg, weil das Verständnis für Überstunden am Wochenende fehlt?

          Büro bietet mehr als Singlebörse

          Manch einer mag das unromantisch nennen, andere pragmatisch. Da trifft es sich gut, dass der Arbeitsplatz für manchen Alleinstehenden mehr zu bieten hat als Single-Börsen oder Online-Dating: Laut einer Forsa-Umfrage von 2017 haben sich 25 Prozent der Befragten schon einmal am Arbeitsplatz verliebt, 14 Prozent waren sogar mit Kollegen liiert. Allerdings sind derlei Liebeleien oft mit Komplikationen verbunden – vor allem, wenn zwischen den Partnern ein Hierarchiegefälle besteht, das Vorteile verspricht.

          Das kann Neider auf den Plan rufen. Und ganz vorbei dürfte es mit der Kollegialität bei Beteiligten und Beobachtern sein, wenn es aus und vorbei ist und im Büro ein Rosenkrieg ausbricht. Wer sich also lieber keine Arbeit mit nach Hause nimmt, trennt Beruf und Privatleben.

          Wenn der Chef tindert

          Das ist in Zeiten moderner Dating-Apps allerdings oft leichter gesagt als getan. So zeigt der Dienst Tinder – eine regelrechte Partnersuchmaschine im Schnelldurchlauf – vermeintliche Kandidaten in der näheren Umgebung an. Noch heute treibt das der Mitarbeiterin aus dem Controlling die Schamesröte ins Gesicht, wurde ihr doch der frisch geschiedene Chef vorgeschlagen. Kompliziert wird es auch für eigentlich Unbeteiligte, wenn etwa dem besten Freund eine Kollegin präsentiert wird: Sollte er wissen, dass sie zwei Köpfe größer ist als er? Besser nicht – schließlich zählen doch die inneren Werte.

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