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Nine To Five : Es mal so richtig krachen lassen

Im Büro wird’s bisweilen mal lauter. Bild: Picture-Alliance

Dem notorischen Choleriker eine Stunde im Wutraum schenken, wo er nach Lust und Laune alles kaputt schlagen kann. Klingt nach einer guten Idee – kann aber ziemlich nach hinten losgehen.

          Die Kollegen hatten zusammengelegt und nicht gegeizt. Mit dem Präsent wollten sie es dem cholerischen Kerl, Typ Pitbull, mal so richtig heimzahlen. Sandsack, Polterabend-Porzellankiste, Voodoo-Puppe – diese Ideen hatten keine Mehrheit gefunden. Kein Wink mit dem Zaunpfählchen, nein, das war zu wenig. Eine erzieherische Maßnahme für all seine unkontrollierten Ausbrüche und fehlende Affektkontrolle musste her. Ein pädagogischer Weckruf für den Kollegen, der viel zu oft seine fünf Minuten hat und aus dem Stand losbrüllt.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Die Geschenkidee: Dem spendieren wir eine Stunde Wutraum. „Zerdeppern, was das Zeug hält, darin steckt schon das Wort Depp!“ Scherze über das bedeutungsschwere Wort Schadenfreude machen frohgemut die Runde. Was im 20-Millionen-Moloch Peking gerade durch die Decke schießt, Randale gegen Dauerlächeln, wird wohl auch im guten alten Europa funktionieren. Nicht nur in Berlin harrt ein „Crash-Room“ der Zerstörungswut. Natürlich ist das Präsent ein Affront. Heimlich reiben sich alle die Hände – mal sehen, ob der Beschenkte gleich bei der Übergabe explodiert.

          Der Schuss ging nach hinten los

          Weit gefehlt. Weder seine Gesichtszüge noch seine Worte entgleisen. Erstaunt studiert er den Gutschein, der um sich und sein gigantisches Ego kreisende Narziss findet es witzig und kündigt frohgemut an: „Den löse ich nächste Woche ein!“ Draufhauen, Möbel zertrümmern, auf Laptops trampeln, Drucker demolieren, unkontrollierte Zerstörungswut ausleben – was für ein Volltreffer, das Geschenk! Der Wüterich war laut seinem Frontbericht ganz in seinem Element. Augen- und Ohrenzeugen gab es nicht, das hatten die Kollegen nicht bedacht. Er resümiert listig: „Abreagieren schenkt neue Kraft!“

          Der Schuss ging nach hinten los. Er poltert weiter nach Lust und schlechter Laune und hält sich nur an seine eigenen, spontan wechselnden Regeln. Wagt es jemand, ihm das vorzuhalten, kontert er höhnisch: „Ich muss doch weiter trainieren, Übung macht den Meister.“ Sein Lachen klingt diabolisch.

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