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„Nine to five“-Kolumne : Good Old Work

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Anpacken war gefragt! Von Sinnhaftigkeit oder Sinnstiftung oder so war früher selten die Rede. Bild: dpa

Früh raus, zuverlässig sein, nicht Rumjammern – so lief das eben. Schließlich hatte man Ziele, ein Häuschen, ein Auto, mal eine Reise. Was war schlimm an der alten Arbeitswelt?

          Wenn es New Work gibt, dann muss es ja auch Old Work geben. Und wer Menschen kennt, die mit 14 Jahren ihre Lehre angefangen haben, der kann einen Eindruck davon bekommen. In unserem Fall haben diese beiden Zeugen der Old Work einige Jahre auf dem Buckel, so um die 80. Und in Arbeitsjahren: jeweils mehr als 45. Kaum noch vorstellbar heute. Manchmal erzählen sie, beide männlich, längst in Rente, wie die Arbeit so war. Von Sinnhaftigkeit oder Sinnstiftung oder so etwas spricht dann keiner. Solche Wörter benutzte damals niemand. Sie waren Handwerker, und das sehr gerne. Rumzuschrauben, Dinge in Ordnung zu bringen, das gefiel ihnen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ihre Tüchtigkeit war selbstverständlich. Früh raus, zuverlässig sein, nicht Rumjammern – das war halt so. Schließlich hatten sie Ziele, ein Häuschen, ein Auto, mal eine Reise. Was war schlimm daran? Die Wochenarbeitszeit war fest geregelt, gut so. Sie wurde mit den Jahren sogar immer weniger, weil die Gewerkschaften erfolgreich für Verkürzungen stritten. „Vom Kunden her denken“, auch diese Formulierung kam ihnen nie über die Lippen. Natürlich dachten sie an den Kunden, wenn sie arbeiteten. Der bezahlte schließlich, deshalb sollte er zufrieden sein. Denn zufriedene Kunden kommen wieder, das war schon immer so. Natürlich gab es auch damals gute und schlechte Chefs. Die schlechten gaben ihre Anweisungen, wollten aber nur, dass die Arbeit gemacht wird. Darüber reden wollten sie nicht.

          Schön machten sie es sich nach Feierabend

          Außerdem hatten sie zu oft schlechte Laune und ließen diese an anderen aus. Die guten Chefs waren anders. Die suchten das Gespräch und waren nicht so von oben herab. Wenn ein anderer eine gute Idee hatte, konnten sie zuhören. Mit denen kam man gut aus. Die guten Chefs steckten Ältere und Junge in ein Team, weil die einen von den anderen lernen sollten. Aber sie mischten auch die Kollegen aus dem Ort mit den neuen Zuwanderern (damals vor allem aus Jugoslawien), weil sie wussten: Davon können beide Seiten profitieren. Das klappte gut.

          Vielleicht hätten sie sogar Teams aus Frauen und Männern gebildet, es sprach ja nichts dagegen. Aber Frauen arbeiteten nur wenige bei ihnen, und wenn, im Büro. Sich den Arbeitsplatz schöner zu gestalten war damals allerdings kaum möglich. Mal ein Bild an der Wand im Umkleideraum, mehr war nicht drin. Mehr war aber auch gar nicht nötig. Sie waren schließlich auf der Arbeit, schön machten sie es sich nach Feierabend. Die beiden fanden es – alles in allem – gut, so wie es war. Sie hätten sich nicht vorstellen können, was das mal sein sollte: New Work.

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