https://www.faz.net/-gyl-9pnwf

„Nine to five“-Kolumne : Wasser marsch!

  • -Aktualisiert am

Streitpunkt Wasser im Büro. Bild: dpa

Hilfe, akute Hitze! Durst! Nur Mineralwasser ist in den Unternehmen rar gesät. Ein Grund zur Empörung – oder eher doch nicht?

          Armer deutscher Angestellter. Ihm hängt die ausgetrocknete Zunge zum Halse heraus, er schleppt sich, der Dehydrierung nahe, vom Schreibtisch zum Kopierer und wieder zurück. Das Büro ist eine Wüste, die Hitze unerträglich. Und nichts zu trinken weit und breit, überall stöhnt es: Wasser! Wasser! Ach, wäre der unbarmherzige Sommer doch schon vorbei. Diese unschönen Szenen aus der Arbeitswelt entstammen nicht etwa einem von 35-Grad-Perioden weichgekochten Kolumnistenhirn, sondern einer Umfrage zum Thema Trinken am Arbeitsplatz – leicht zugespitzt, versteht sich. Forsa klärt uns auf, dass es mit der Wasserversorgung in deutschen Unternehmen nicht allzu weit her ist.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das zum Trinken, nicht zum Händewaschen oder für andere Aspekte der Körperhygiene. Neun von zehn Arbeitnehmern hierzulande wünschten sich von ihrer Firma eine Versorgung mit Wasser, zumal an so heißen Tagen wie diesen. Indes: Sie bekommen es nicht. Nur sechs von zehn Unternehmen stellten Mineralwasser zur Verfügung, und beileibe nicht alle kostenlos. Da gibt es ja sogar mehr Kaffee: Bei diesem Bürogetränkeklassiker sorgten sieben von zehn Arbeitgebern für Nachschub. Aber seit wann sorgt Kaffee für Abkühlung? Auf dem Trockenen säßen vor allem die Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Bei Bund, Ländern und Kommunen bekämen nur dürre 38 Prozent von ihnen Wasser gestellt, was die Frage aufwirft: Ist das noch Vernachlässigung oder schon Körperverletzung? In Industrie und Handel sei das Verantwortungsbewusstsein größer, hier bekämen 75 Prozent der Belegschaft Wasser gestellt.

          Ein Recht auf Kohlensäure?

          „Skandalös“, denkt man sich zunächst, aber dann kommen doch Fragen auf: Wieso kann sich nicht jeder am Leitungswasser bedienen, wenn er Durst hat, das soll in Deutschland doch eine ganz ordentliche Qualität haben? Oder gibt es ein Recht auf Kohlensäure? Seltsam auch, dass sich die Autoren der Umfrage sogar damit beschäftigen, wo Limonade oder Fruchtsaft ausgeschenkt wird. Fehlt nur noch Aperol Spritz auf Firmenkosten! Ja, ist das Büro denn eine Bar? Woher kommt diese Vollkaskomentalität, obwohl es, von Ausnahmen abgesehen, kein Recht auf Wasserversorgung am Arbeitsplatz gibt? Bekommt die nicht ohnehin jeder allein hin? Offenbar nicht, findet die „Initiative Dialog Natürliches Mineralwasser“, Auftraggeber der Studie und Marketinginstrument der „Gesellschaft der Freunde und Förderer der deutschen Mineralbrunnenindustrie“. Da bekommt man schon vom lauten Lesen einen trockenen Mund. Darauf ein kühles Leitungswasser!

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Massentourismus vom Wasser kommend: Zwei Kreuzfahrtschiffen liegen im Geirangerfjord.

          Umstrittene Kreuzfahrtschiffe : Norwegen macht die Fjorde langsam dicht

          Es ist ein Geldsegen und ein Öko-Fluch: Seit kurzem gelten in fünf norwegischen Fjorden für Kreuzfahrtschiffe strenge Umweltauflagen, die die Luftverschmutzung begrenzen sollen. Glücklich sind die Menschen in der Urlauberhochburg Geiranger damit nicht.
          Kanzlerin Angela Merkel stellt mit ihrem Klimakabinett die Ergebnisse eines Kompromisses zum Klimapaket vor.

          Klimakabinett : Das deutsche Klima-Experiment

          Deutschland allein kann das Klima nicht retten. Aber andere Länder schauen genau darauf, wie Kanzlerin Merkel versucht, die Emissionen zu senken. Kann Deutschland Vorbild sein oder muss es über den Ärmelkanal schauen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.