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„Nine to five“-Kolumne : Hochstapeln am Salatbuffet

In der Kantine oft ein begehrter Ort: die Salatbar Bild: dpa

Wer die Kunst beherrscht, seinen Teller randvoll mit Speisen zu beladen, spart in der Kantine bares Geld. Das hat bisweilen allerdings unschöne Folgen.

          In der Kantine wird der Mensch zum Wolf. Mit hungrig-begehrlichem Blick prüft er in der Mittagspause kritisch-kostenbewusst das Angebot der Salatbar: Heute gibt es Shrimps und Schnitzelstreifen on top. Auch eingefleischte Currywurstesser schwenken dann über. Sparfüchse perfektionieren ihre Auftürm-Techniken. Um das fragile Fundament aus Eisbergsalat zu befestigen, wird eine solider Zentimeter Linsen draufgepackt. Es folgt eine Sellerieschicht, darüber wird eine Rote-Beete-Decke eingezogen. Wäre doch gelacht, wenn die in Mayonnaise ertränkten Fusilli nicht noch drauf passten!

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Pilze satt, ein Packen Mozzarella, da geht noch was. Mit Essen spielt man nicht, aber man baut mit ihm. Bezahlt wird nach Größe der Teller, nicht nach Gewicht wie im Einzelhandel. Wer hier hoch stapelt, spart Geld. Da haben wir nun den Salat – warum einen Gedanken an die nachfolgenden Esser verschleudern?

          Da mag man nicht Tischnachbar sein!

          So richtig sympathisch wirkt er nicht, der junge Kerl, der mit einem stattlich bestückten Teller vom Soßeneck zurückbiegt, sich mit der frechen Erklärung vordrängelnd: „Auf meine Soße kommt noch was drauf, sonst mischt sich das nicht!“ Auf seine Salatkreation hat er eine Suppenkelle Balsamicomix gekippt. Der Mann angelt drei hartgekochte Eier, klaubt die letzten Shrimps aus der Schale, klatscht alles in den traurig aufs Tablett tröpfelnden Essigpfuhl und dampft ab zur Kasse. Wie er mit schmatzender Ran-an-die-Buletten-Gier den braunvermatschten Kraterberg vertilgt – da mag man nicht Tischnachbar sein!

          Im Vergleich dazu wirken die ernährungsbewussten Quinoa-Ästheten erfreulich, die sich im Schneckentempo Schüssel für Schüssel vorarbeiten und meditativ darüber sinnieren, ob sie zwei oder gar drei Paprikastreifen aufladen. Dynamisch wird es erst, wenn ihre Fraktion auf die der fleischaffinen Turbolader trifft. Oder wenn die sonst so liebenswürdige Angestellte an der Kasse die Contenance verliert und dem unersättlichen Hochstapler eine Suppenterrine reicht. Mit dem süffisanten Hinweis, falls es ihn „nach einem Nachschlag“ gelüste. Na dann: Guten Appetit!

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