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„Nine to five“-Kolumne : Gift fürs Karma-Konto

Auf gute Zusammenarbeit? Bild: dpa

Bisweilen artet Konkurrenz im Büro derart aus, dass sich der ein oder andere zu unfairen Tricks hinreißen lässt. Doch wer sich mit dem Falschen anlegt, steht am Ende ziemlich schlecht da.

          Wir treffen uns nach der Konferenz noch auf einen Absacker im Irish Pub. So gegen 20 Uhr. Du kommst doch auch?“ K. staunt, dass ihn Kollege Meier freundlich auffordert, sonst mauert der neue Ehrgeizling und ist ihm in der Besprechung mit den Iren ständig ins Wort gefallen. Nun denn, jeder hat mal einen schlechten Tag und eine zweite Chance verdient. K. kommt pünktlich in den Pub und versammelt sich mit sich allein. Weit und breit keine irischen Gäste, von Meier keine Spur. Auf dessen Smartphone leiert nur die Mailboxstimme. K. ist sauer und stellt Meier am nächsten Morgen, die Gäste sind längst abgereist, zur Rede.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Der gibt sich arglos. „Irish Pub? Das hast du falsch verstanden, die wollten was original Bayrisches erleben. Wir waren im Biergarten. Schade, alle haben dich vermisst“, schiebt er falsch hinterher. K. fasst es nicht und auch nicht, was Meier sich in der Woche drauf erlaubt. Er lässt sich für eine Idee feiern, die K. ihm – weit vor der Pub-Geschichte – anvertraut hatte.

          So schnell ist ein Stern im Sinkflug

          Perplex ob des Ideenklaus verschlägt es K. die Sprache, er stellt das aber richtig und Meier bloß. Das heißt, er versucht es. Ein Mann wie Meier gibt nicht klein bei, sondern lässt K. ins Leere laufen, indem er gönnerhaft anmerkt – „möglicherweise haben wir das gemeinsam entwickelt. Wir sind halt ein Klasse-Team!“

          Das wiederum findet der Chef richtig gut und nickt beiden zu. Was für ein intrigantes S...! Na warte! K. sinnt auf Rache. Dem werde ich es zeigen! Vor der nächsten Unternehmensfeier füttert K. den Intriganten nebenher mit Infos über die Vorgesetzten. Meier schnappt den Köder: Aha, der T. interessiert sich für Weinbau, oho, die Zwillinge von R. studieren Medizin, soso, die S. ist frisch verliebt. Wie erhofft, wanzt sich Meier an das machtvolle Dreigestirn. Seine Smalltalkthemen lösen Kopfschütteln, Schweigen und eine eiskalte Schulter aus. Der T. entpuppt sich als trockener Alkoholiker, R’s Söhne sind durch den Medizinertest gerauscht und Frau S. weint sich durch einen schäbigen Scheidungskrieg. Meier braucht lange, bis er das spitz hat. K. freut sich diebisch darüber, dass dessen Stern im Sinkflug ist. Beider Karma-Konto ist leergefegt.

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