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„Nine to five“-Kolumne : Abitreffen in vier Akten

So sieht es heute bei mancher Abifeier aus - manches Klassentreffen womöglich auch. Bild: dpa

Wer ein Klassentreffen organisiert, kann schon mal Albträume bekommen und merkt meist schnell: Es ist eine Dramödie in mehreren Akten.

          Die Erinnerung an die Schulzeit kann schlaflose Nächte bereiten. Stehen Menschen im Studium oder Beruf vor Prüfungen oder großen Aufgaben, plagen sie mitunter wiederkehrende Träume. Ein Klassiker laut Betroffenen: noch mal das Abi machen. Im Albtraum laufen die Prüfungen noch fataler als im richtigen Leben. Der Prüfling erscheint ohne Oberbekleidung. Er hat gar nicht oder das Falsche gelernt. Die Lehrer wiederum finden es normal, die Klausur plötzlich auf Mongolisch zu stellen. Solche Sachen.

          Die Erinnerung an die Schulzeit aufzufrischen kann aber ebenfalls Albträume verursachen. Das weiß jeder, der schon mal ein Klassentreffen organisiert hat. Auch wenn er nicht Germanist geworden ist, merkt er schnell: Es ist eine Dramödie in mehreren Akten.

          Akt I – Wahl von Ort und Zeit

          Sobald die erste Mail raus ist, betritt der Chor die Bühne: „Der Weg ist mir viel zu weit!“; „Warum treffen wir uns im Ort A und nicht in Stadt B?“; „Ihr wisst schon, dass da schon Schulferien in \[hier ein beliebiges Bundesland einsetzen\] sind!“; „Warum kostet der Raum so viel? Das war doch vor 20 Jahren noch viel günstiger!“

          Akt II – Auswahl der Verpflegung

          Chor – mal begeistert, mal bestürzt: „Wir grillen? Okay, jeder bringt sein eigenes Fleisch mit, Salate oder Brot brauchen wir eh nicht!“; „Lasst uns doch Food Trucks ordern, das war bei der letzten Betriebsfeier ’ne runde Sache. Kostet bestimmt nicht die Welt!“; „Getränke kann ich morgens noch schnell holen, die werden bestimmt bis zum Nachmittag kalt, auch wenn draußen 35 Grad sind.“; „Warum kostet das bestellte Buffett so viel? Das war doch vor 20 Jahren noch viel günstiger!“

          Akt III – Die Stunden vor Beginn

          Die Organisatoren betreten die Bühne (teilweise sehr panisch): „Die Salate reichen nie im Leben für alle.“; „Von wegen Brotkorb – das ist ein Körbchen!“; „Das ist viel zu wenig Bier, wir kaufen noch schnell einen Notfallkasten. Der wird sicher noch kalt, auch wenn draußen 35 Grad sind.“; „Wie grillt man eigentlich für 50 Leute?“; „Hat einer an die Bluetooth-Box für Musik gedacht?“; „Warum kostet das so viele Nerven? Das war doch vor 20 Jahren noch viel lockerer!“

          Akt IV – Das Happy End

          Alle betreten die Bühne, unterhalten sich den ganzen Nachmittag, tauschen alte Anekdoten und neue Geschichten aus. Sie erzählen, was sie die vergangenen Jahre bewegt hat, was es Schönes und Trauriges gab. Sie lachen zusammen und freuen sich aneinander. Die letzten gehen um 3 Uhr morgens. Die meisten sind sich sicher: Wir treffen uns wieder, nicht erst in zehn Jahren.

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