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„Nine to five“-Kolumne : Aber bitte mit Plastik!

Die Autorin bei ihrer Mittagspause Bild: Susanne Preuß

„Nur Plastiklöffel verwenden, um das Glas nicht zu beschädigen.“ Was soll solch ein Hinweis heutzutage bitte auf einem Joghurt-Glas?

          Manchmal tut man mittags eben, was man manchmal tun muss: Man isst über der Tastatur. Ja, ja, das entspricht weder der deutschen Arbeitsstättenverordnung noch irgendwelchen Tarifverträgen über die Arbeitszeit, aber darum geht es hier gerade nicht. Und ja, es ist auch nicht gesund, auf eine Mittagspause zu verzichten und nur schnell was in sich hineinzuschlabbern, wenn das Magenknurren allzu nervig wird. Aber wenn man dann mit dem Joghurtglas in der Hand so vor sich hin stiert, nimmt man vielleicht vom Etikett mehr wahr als die Marke und die Kennzeichnung des Inhalts als Joghurt.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Und siehe da: „Bitte nur Plastiklöffel verwenden, um das Glas nicht zu beschädigen.“ Wie bitte? Plastiklöffel? Wir schreiben das Jahr 2019, in den Weltmeeren schwimmen bald mehr Plastikinseln als Fischschwärme, ein so erschreckender Anblick, dass selbst die als träge verrufene EU schon eine Offensive gegen Plastikkrempel gestartet hat. Und wir sollen unseren Joghurt mit einem Plastiklöffel essen?

          Warum nur? Um das zu klären, muss man wohl dort fragen, wo diese „Bitte“ entstanden ist, im Friesland-Campina-Konzern, wo die Marke „Landliebe“ ihre Heimat hat. Und siehe da: Anscheinend sind einige Zeitgenossen im Umgang mit ihren Joghurtgläsern wenig sensibel.

          Kein Qualitätsproblem?

          „Bei heftigem Umrühren des Joghurts mit einem Metalllöffel kann es zu einer Beschädigung des Glases kommen“, schreibt „Ihr Landliebe Kundenservice Team“ zum Thema Plastiklöffel. Aber offenbar will man auch nicht den Eindruck erwecken, als würde dadurch ein Qualitätsproblem entstehen, so weit lässt man es bei einem Top-Markenprodukt natürlich nicht kommen. Die „photo-optische Kontrolleinrichtung der Abfüllmaschine“ würde vielmehr das Glas aussortieren, und es könne dann nicht mehr befüllt werden, heißt es. Kurz gesagt: Wer schon so wenig Stil hat, dass er Joghurt direkt aus dem Glas isst, sollte das im Sinne eines ausgiebigen Mehrwegkreislaufs mit einem Plastiklöffel tun.

          In der Besteckschublade finden sich natürlich noch ein paar langstielige Plastiklöffel, wie es sich eben gehört für eine schwäbische Home-Office-Frau, die nicht so schnell etwas wegwirft. Und siehe da: Auch zwei Joghurtlöffel mit „Landliebe“-Schriftzug – aus Metall. Die müssen noch aus einer Zeit stammen, als es noch einfacher war mit dem Konsum. Als man noch völlig gedankenlos im Joghurtglas herumrühren durfte. Ab morgen ist wieder Schluss mit den Mahlzeiten vor dem Bildschirm. Lenkt ja doch nur ab.

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